




Lara ist 14 Jahre alt und hält ihre Familie auf Trab. Denn die „pubertierende Rampensau“ (Zitat ihrer Mama) aus Pottenbrunn (NÖ) weiß genau, was sie will, und artikuliert das auch klar. Anders als andere: Denn sie kann weder gehen noch sprechen. Dafür aber laut lachen und glücklich leben.
Das ist die Geschichte eines Mädchens, das die Welt erobern will. Sein Name ist Lara. Sie kann nicht gehen, nicht einmal die Seiten ihrer geliebten Bücher umblättern. Und sie kann nicht sprechen. Na und? In ihrer schwarzen Kuschel-Jogginghose mit der goldenen Louis-Vuitton-Aufschrift und dem Nike-Kapuzenpulli sitzt sie im gemütlichen, weihnachtlich duftenden Familienhaus in ihrem Rollstuhl. Sie lacht auf – die Frage nach dem deutschen Popsänger Wincent Weiss lässt ihr Herz höherschlagen. „Oh ja“, sagt Mama Kimberly, „unsere Lara ist wohl sein größter Fan.“
Laras Herz hörte auf zu schlagen, als sie auf die Welt kam: Ihre heute 34-jährige Mutter hatte damals bei ihrer Geburt einen epileptischen Anfall erlitten. Die Sauerstoffzufuhr für das Baby-Mädchen wurde unterbrochen. Schon in den ersten Lebensminuten war klar, dieser Vorfall würde lebenslange Folgen für das Neugeborene bedeuten. Therapien und Rehabilitation stehen heute auf der Tagesordnung. Erst heuer, in diesem Sommer, wurde Lara ein Hirnschrittmacher eingesetzt, um ihre Motorik zu verbessern.
Lara verbiegt sich im Rollstuhl wieder voller Freude und Lachen (das funktioniert mit der Motorik), wenn Mama Kimberly, Papa Florian und Laras kleiner Bruder Liam (8) vom derzeit großen Problem erzählen. Es ist der Rollstuhl: Die Vorderräder blinken in grellen Farben, wenn sie sich drehen. Die Hauptschülerin hasst es mittlerweile. „Es ist uncool“, sagt die Mama.
Bürokratie zwischen zwei Ländern blockiert Ausflug
Ebenso die Sache mit der Schulwoche im Juni des kommenden Jahres in Altenmarkt in Salzburg: „Ihre Schulkameraden hätten sie gerne dabei“, erzählt Florian. Aber: Lara braucht eine Begleitperson. Und was das Mädchen verständlicherweise nicht möchte: ihre Eltern dabeihaben. „Sie ist 14, ich versteh es“, lacht ihre Mama.
400 Euro kostet der Ausflug jeweils für die Klassenkameraden, Lara müsste 5400 Euro bezahlen. „Bitte nicht falsch verstehen“, sagt Florian. „Wir haben beide gute Jobs, wir kümmern uns um alles selbst, um das zu erreichen, was du für dein Kind erreichen willst.“
Wäre da nicht die Bürokratie – „das ist das Kräfteraubendste“, sagt der 33-Jährige: Es gibt den Verein MOKI (Mobile Kinderkrankenpflege), Laras Eltern haben für den Schulausflug um Unterstützung angesucht. Das Land Niederösterreich verwies aufgrund des „Zielortes“ auf das Land Salzburg, das wiederum aufgrund der Wohnadresse den Ball zurückspielte.
Wir kümmern uns um alles selbst, um das zu erreichen, was für unsere Kleine am besten ist.
Kimberly und Florian
Monoski-Fahren ist Laras Traum – er kostet 8000 Euro
Eigentlich soll Lara von alldem nichts mitbekommen. „Alles soll ganz normal sein“, sagt Kimberly. „Wir wollen ihr alles ermöglichen, was wir auch machen. Okay: Eislaufen funktioniert halt nicht.“ Aber Skifahren. Es ist ein wenig Normalität trotz Rollstuhl und ein Ausgleich für die ganze Familie. Doch auch der Monoski mit Sitzschale kostet 8000 Euro aufwärts.
Ein neuer Rollstuhl muss angeschafft werden, ein Computer für die 14-Jährige ist unter 25.000 Euro nicht zu bekommen. Sie hat zwei: einen zu Hause, einen in der Schule. Ohne diese Geräte kann sie – außer mit ihrem lauten, herzlichen Lachen und Nicken – nicht kommunizieren. Sie steuert die Worte am Bildschirm über ihre Augen.
Lara besucht eine Integrationsklasse in St. Pölten. Eine Sonderschule kam für ihre Eltern nicht infrage. Doch der Druck ist enorm. Bei einer Mathematikschularbeit zum Beispiel wurde verlangt, einen Kreis mit einem Zirkel zu zeichnen: Schwierig für ein Kind, das sich nicht bewegen kann. Schließlich nahmen Laras Eltern das Angebot eines sonderpädagogischen Förderbedarfs als Unterstützung für die 14-Jährige an.





Bei unserem Besuch ist Lara ausgelassen, lacht viel, ist fröhlich und kommuniziert – auf ihre Weise. Wir wollen wissen, was sie werden will, was ihr Traumjob ist. Ihr Gesichtsausdruck wird ernst, die Augen sind wieder auf den Bildschirm fokussiert. Sie „schreibt“: „Computer-Firma“. Der Computer ist – neben Familienhund „Nala“ – Laras Partner. Als Oma und Opa zuletzt angeboten hatten, ein Wochenende mit dem Enkerl zu verbringen, hat sie nur eines gemacht: Anfragen gestellt. An zig Hotels, in denen sie gerne mit den Großeltern Zeit verbringen würde.
„Pubertierende Rampensau“ will aus Flieger springen
Die Frage, wer derzeit nerviger sei, also Mama oder Papa, ist schnell mit einem typischen Pubertäts-Mädchenblick zum Vater beantwortet. „Ja, sie spinnt wie jedes Mädchen mit 14 Jahren“, lacht Kimberly. Zustimmung folgt vom kleinen Bruder. „Sie ist halt ein Sturkopf.“ Aber dieses Mädchen ist auch eine „Rampensau“.
„Sie is a Wilde“, sagen ihre Eltern. Lara hat noch viel vor. Sie will hoch hinaus und endlich einmal im Tandem aus einem Flugzeug springen. Und mehr noch: Sie will eine Weltgegend sehen, die sie fasziniert, weil sie schon so viel darüber gehört und gelesen hat. Welche das ist? Sie schreibt mit ihren Augen. „AFRIKA“ steht auf dem Bildschirm in Großbuchstaben. Spätestens zum 18. Geburtstag will sie auf Safari dorthin – da gibt es für sie nichts zu diskutieren. Kimberly und Florian wissen das.
„Was bist du im Sternzeichen, Lara?“ Ein Kopfschütteln, ein grinsender, frecher, ein bisschen genervter Augenaufschlag, der uns sagt: „Was für eine selten dämliche Frage.“ „LÖWE“ steht kurz darauf vor ihr am Monitor. Und was für einer!
Wenn Sie einen Beitrag für Lara leisten möchten, können Sie das unter dem Kennwort „Löwe“ machen.
RLB NÖ-Wien, „Krone“-Leser helfen
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