Billige Masseneinkäufe

Black Friday: „Schwarzer Tag für die Natur“

Wien
26.11.2025 20:00

Den Black Friday nutzen viele für billige Angebote und schon erste Weihnachtseinkäufe. Doch unsere Welt wird mit den massenhaften Einkäufen in billigen Stoff ertränkt, warnen Wiener Umweltorganisationen. 

Es sind Bilder, die sich einprägen: Eine überdimensionierte Erdkugel, versinkend in einem Berg aus T-Shirts, Jeans und synthetischem Glitzerstoff. Mitten in der Wiener Innenstadt machen Umwelt- und Sozialorganisationen sichtbar, was wir im Kaufrausch gerne verdrängen: Unsere Berge an Wegwerftextilien wachsen – und mit ihnen der Schaden für Natur, Klima und Menschen.

In Wien ist es kalt, aber zwischen Graben und Stephansplatz herrscht dichter Betrieb. Passantinnen bleiben stehen, machen Fotos, runzeln die Stirn. Vor ihnen erhebt sich ein Berg aus Kleidung, daneben eine Erdkugel, die langsam darin zu versinken scheint. Die Botschaft ist so klar wie erschütternd: Österreich erstickt im eigenen Textilmüll.

Kleidung landet kaum getragen im Müll
Mehr als 500 Tonnen Altkleidung landen hierzulande täglich in Deponien oder Verbrennungsanlagen. Ein Großteil davon wurde kaum oder gar nicht getragen. Die sogenannten „Superrabatte“ rund um den Black Friday wirken wie ein Turbo auf ein System, das längst außer Kontrolle geraten ist.

„Diese ultrabillige Mode hält kaum ein paar Wochen, viele Stücke überstehen nicht einmal eine erste Wäsche“, sagt Anna Leitner, Ressourcensprecherin von GLOBAL 2000. „Was billig aussieht, wird teuer bezahlt – von der Natur und letztlich von uns allen.“

GLOBAL 2000 fordert ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz – nicht irgendwann, sondern jetzt.
GLOBAL 2000 fordert ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz – nicht irgendwann, sondern jetzt.(Bild: Global 2000 / Leo_Daublebsky)

Black Friday als Beschleuniger
Laut Europäischem Verbraucherschutz liegt Kleidung noch vor Elektronik auf Platz eins der Black-Week-Käufe. Nahezu jedes zehnte Kleidungsstück landet ungetragen im Müll. Die Gründe sind bekannt – doch am jährlichen Konsumritual Black Friday rüttelt kaum jemand. Denn hinter jedem T-Shirt stecken enorme Mengen an Wasser, Energie, Chemie – und nicht zuletzt menschliche Arbeit, oft unter Bedingungen, die man hierzulande nicht einmal mehr denken möchte. Während die Kaufhäuser mit grellen Prozentzeichen um sich werfen, setzen einige Organisationen bewusst auf Gegentrends.

Second-Hand als Ausweg – langsam, lokal, menschlich
Caritas und Volkshilfe betreiben seit Jahren erfolgreiche Second-Hand-Shops: nachhaltiger, sozial und überraschend modern. „Unsere ,Carlas‘ zeigen jeden Tag, dass Kreislaufwirtschaft funktioniert“, erklärt Oliver Türkoglu von der Caritas Wien. „Wir bieten leistbare Mode, schaffen Jobs für Menschen, die lange keinen Platz am Arbeitsmarkt hatten – und wir schenken Kleidung ein zweites Leben.“ Kundinnen und Kunden finden dort nicht nur günstige Stücke, sondern auch ein Gefühl, etwas Richtiges zu tun. Und Spenden? Sie verwandeln sich in Arbeitsplätze, Beratung, soziale Projekte.

Kleidung mit Mehrwert
In den Vintage-Shops der Volkshilfe sieht man klar, was Second-Hand bewegen kann. „Jeder Euro wirkt doppelt“, sagt Claudia Bernatz, Betriebsleiterin der TAV-Betriebe. „Er schützt die Umwelt und stärkt Menschen, die sich wieder eine Perspektive erarbeiten.“ Die Mischung ist selten: ökologische Wirkung, soziale Wärme und echte lokale Wertschöpfung – genau das Gegenteil jener globalen Versand-Plattformen, die binnen Tagen Containerware über die halbe Welt schicken.

Temu, Shein & Co.: Billig um jeden Preis
Die Organisationen nennen die Plattformen offen beim Namen. Temu und Shein seien die größten Treiber der Wegwerfmode. Die Produkte sind billig – oft so billig, dass sie kaum reparierbar oder weiterverkaufbar sind. Meist bestehen sie aus synthetischen Stoffen, die sich zu Mikroplastik zersetzen und im Boden, im Wasser, schließlich im menschlichen Körper landen.

Die Bilder vom Kleiderberg in der Wiener Innenstadt wirken wie ein warnender Blick in die Zukunft. Doch sie bergen auch Hoffnung. Denn während die Rabattschlacht tobt, wächst gleichzeitig das Bewusstsein für nachhaltige Alternativen. Vielleicht beginnt der Wandel genau hier – nicht bei einem Prozentzeichen, sondern bei einer schlichten Erkenntnis: Die nachhaltigste Kleidung ist die, die wir gar nicht erst neu produzieren müssen.

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