Todesdrama um Familie

Weitere Festnahmen! Chemikalien-Verdacht in Hotel

Ausland
15.11.2025 17:24

Der Fall um die tödlichen Vergiftungen einer deutschen Familie in Istanbul wird immer rätselhafter. Am Samstag wurden zwei weitere Touristen aus demselben Hotel in ein Krankenhaus eingeliefert, zudem nahm die Polizei drei weitere Verdächtige fest. Dabei ging es um den Einsatz von Chemikalien im Hotel.

Bei den Festgenommenen handelt es sich laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu um einen Verantwortlichen des Hotels und zwei Personen, die dort eine Desinfektion durchführten. Am Freitag waren bereits vier Verdächtige festgenommen worden. Damit steigt die Gesamtzahl der Festnahmen auf sieben.

Überwachungskameras ausgewertet
Die Ermittler hatten demnach vor Ort Trinkwasserproben entnommen und die Überwachungskameras ausgewertet. Es sei festgestellt worden, dass ein Zimmer im Erdgeschoss mit Chemikalien desinfiziert worden sei.


Bei den zwei weiteren Vergifteten handelte es sich der Tageszeitung „Cumhuriyet“ zufolge um Touristen aus Italien und Marokko. Laut CNN Türk „aßen die beiden Krankenhauspatienten – genau wie die deutsche Familie – die gleichen Speisen an den gleichen Orten und tranken ausschließlich Getränke aus Glasballons in dem Hotel, in dem sie wohnten.“

Rätselhaft: Ein weiterer Tourist, der im selben Zimmer wie die beiden jetzt erkrankten Männer untergebracht war, zeigte offenbar keine Krankheitssymptome, obwohl er den ganzen Tag mit den beiden verbracht und die gleichen Mahlzeiten eingenommen habe.

Vater weiter auf Intensivstation, Mutter und Kinder beerdigt
Die betroffene Hamburger Familie war für eine Woche in die Türkei gereist. Was als Erholung gedacht war, endete tödlich. Vater, Mutter und die beiden Kinder wurden am 11. November reglos im Hotelzimmer gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht. Dort starben Mutter Çiğdem B. und ihre Kinder Kadir (6) und Masal (3). Vater Servet (38) überlebte – er wird weiter auf der Intensivstation behandelt. Die Mutter und ihre zwei Kinder wurden unterdessen am Samstag in der Türkei beigesetzt. Die Familie hat türkische Wurzeln.

Ein Onkel des Vaters sagte, er sei zutiefst betroffen und forderte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. „Wer auch immer das getan hat, muss bestraft werden“, stellte der Angehörige klar.

Am Freitag waren bereits vier Verdächtige festgenommen worden. Laut dem Staatssender TRT geht es um Verkäufer von Süßigkeiten, gefüllten Muscheln und einem Gericht aus Kalbsdärmen (Kokorec). Ihnen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen, berichtete Anadolu. Demnach sind alle Verdächtigen wegen anderer Delikte vorbestraft.

Bei Kokorec handelt es sich um auf Spieße gewickelte Lamm-Därme, die dann gegrillt werden.
Bei Kokorec handelt es sich um auf Spieße gewickelte Lamm-Därme, die dann gegrillt werden.(Bild: Onur Cem - stock.adobe.com)

Warten auf Laborergebnisse
Als Todesursache wird weiterhin eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Noch werde aber auf Laborergebnisse gewartet, so die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ein erster Autopsiebericht habe kaum nennenswerte Hinweise geliefert. Die Polizei prüft derzeit, ob Muscheln, die die Familie aß, die Ursache gewesen sind. Jetzt, wo weitere Bewohner des Hotels ins Krankenhaus eingeliefert wurden, stellt sich die Frage, ob der Auslöser dort zu suchen ist. Nach „BILD“-Informationen hat das Hotel kein Restaurant und bietet auch kein Frühstück an.

Süßigkeiten, Muscheln und Gericht aus Kalbsdärmen gegessen
Die deutsche Familie war am Sonntag nach Istanbul gereist. Die Familie soll am Dienstag um die Mittagszeit in den Stadtteil Ortaköy gefahren sein. Das habe der Vater der Familie ausgesagt, bevor sich sein Zustand verschlechtert habe, berichtet die Zeitung „Sabah“. Dort hätten sie bei einem fliegenden Händler gefüllte Muscheln und in einem anderen Laden dann Suppe und Kokorec gegessen. Auf dem Rückweg ins Hotel im Stadtteil Fatih hätten sie noch Lokum – eine türkische Süßigkeit – und Wasser eingekauft. Anadolu berichtete, die Familie habe auch Hühnchen gegessen.

Am Mittwoch sei die Familie zunächst wegen Übelkeit und Erbrechens in ein Krankenhaus mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung eingeliefert worden, berichtete die Nachrichtenagentur. Die Eltern seien mit Durchfall und Gastroenteritis diagnostiziert und behandelt worden, die Kinder in einer anderen Klinik wegen Übelkeit und Erbrechens, später aber wieder entlassen worden. Als sich besonders der Zustand der Kinder verschlechterte, sei die gesamte Familie in der Nacht erneut in ein Krankenhaus gebracht worden. Kurz darauf verstarben beide Kinder, gefolgt von der Mutter.

Ein Lokal geschlossen
Justizminister Tunc sagte, es seien Proben an den Orten entnommen worden, an denen die Familie gegessen habe. In der Türkei werden Restaurants und Straßenverkäufer zwar kontrolliert, die Kontrolldichte ist jedoch insbesondere in touristisch stark frequentierten Gebieten Experten zufolge oft unzureichend. Die Behörden ließen einen Laden in dem betroffenen Stadtteil schließen. „Der Betrieb, von dem angenommen wird, dass er den Vorfall verursacht hat, wurde von den zuständigen Einheiten unserer Gemeinde zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit auf unbestimmte Zeit versiegelt“, zitierte „Cumhuriyet“ die Stadtteilverwaltung.

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