Der Vorarlberger Dialekt hat bekanntlich seine Eigenarten, insbesondere im Osten Österreichs versteht man nicht immer, was einem der Alemanne sagen will. Der Kabarettist und Autor Stefan Vögel will mit „Vögels Lexikon“ Abhilfe schaffen und Brücken bauen. Heute geht es um die „Raffel“ – und um mehr.
Unter einer Raffel versteht man im Hochdeutschen eine Reibe oder ein Reibeisen, und gleichbedeutend verwendet auch der Alemanne diese Vokabel, meistens in der mundartlich angepassten Form einer Raffla, mitunter aber auch in der zur Hochsprache identischen Version Raffel. „Bring mr gad no woale d‘Raffel – i sött Grumpera raffla!“ befiehlt der Alemanne seinem Kind, und wir lernen daraus, dass auch das von der Raffel abgeleitete Zeitwort raffla so viel bedeutet wie reiben oder zerreiben.
Ebenfalls mit dem Wort Raffel bezeichnet der Alemanne seine Karfreitagsratsche (parallel dazu mundartlich gleichfalls Ratscha genannt) – ein Geräuschinstrument, das unangenehm lärmend von Karfreitag bis Ostersonntag zum Einsatz kommt, da die Glocken an diesen Tagen für alle Katholiken schweigen müssen. Ursprünglich wurde die Raffel oder Ratscha tatsächlich als Ersatz für das Glockengeläut benutzt, um die Katholiken in die Kirche zu bewegen, heute hat die Ratscha indes mehr rituelle als praktische Bedeutung.
In Anlehnung an ihren monotonen und klappernden Klang verwendet der Voradelberger die Ratscha zudem als Synonym für eine ständig plappernde Frau im Allgemeinen, und etwas spezieller für eine Person, die anvertraute Geheimnisse verrät – eine Petze also – und dies durchaus auch für männliche Plappertanten und mitunter in der erweiterten Form Ratschkachel oder Rätschkachel: „I ha dr doch gset, des isch geheim – also du bischt echt a Rätschkachel!“
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