Vier Jahre Haft

Jurist veruntreute Klientengelder für Prostituierte

Österreich
28.06.2013 14:35
"Retrospektiv gesehen weiß ich, dass ich verrückt war", hat am Freitag ein ehemaliger Rechtsanwalt in Wien vor Gericht festgestellt. Der 43-jährige, auf Liegenschaftsrecht spezialisierte Jurist hatte im Vorjahr damit begonnen, Klientengelder zu veruntreuen, weil er eigenen Angaben zufolge einer Prostituierten verfallen war. Am Ende hatte der Mann insgesamt zwei Millionen Euro verprasst. Der Anwalt wurde rechtskräftig zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

"2012 war ein eigenartiges Jahr. Das war ein Jahr, wo ich schlecht verdient habe. 3.000, 4.000, 5.000 Euro im Monat. Im Vergleich zu früher war es echt weniger. Ich habe natürlich durch meine Art, die mir letztlich zum Verhängnis geworden ist, ganz beträchtliche Fixkosten gehabt", sprudelte es aus dem Angeklagten hervor. Er habe "den großen Macker gespielt", räumte er ein.

"Bin wie ein Vollidiot drauf reingefallen"
Als ihm das Geld ausging, um zugleich seinen Lebensstil und die Aufwendungen für die slowakische Prostituierte aufrechterhalten zu können, vergriff er sich an Klientengeldern, die vor allem aus Liegenschaftsgeschäften und gewonnenen Schadenersatz-Prozessen resultierten. Allein in die Frau und in ein angebliches Immobilienprojekt, das sie in Bratislava aufziehen wollte, investierte der liebestolle Jurist knapp 700.000 Euro an fremdem Geld. Das Projekt entpuppte sich jedoch letztlich als Schwindel. "Da bin ich wie ein Vollidiot drauf reingefallen", gab der 43-Jährige zu Protokoll. 

"Ich hab' gedacht, mein Leben ist aus"
Als es in finanzieller Hinsicht immer enger wurde, fiel der Anwalt sogar noch auf einen "Rip-Deal" rein. Er reiste mit einem Koffer voll Bargeld nach Frankfurt am Main, begab sich in ein Hotel und wollte dort auf Vermittlung eines Geschäftspartners einem Unbekannten um 1,1 Millionen Euro 1,5 Millionen englische Pfund abkaufen. Nach dem Austauschen der Geldkoffer und dem Verlassen des Hotelzimmers stellte der Anwalt allerdings fest, "dass ich kopiertes Papier gekauft habe". Statt Schwarz- hatte er Falschgeld erhalten: "Ich hab' gedacht, mein Leben ist aus."

Der Mann kehrte schließlich nach Wien zurück, suchte den bekannten Strafverteidiger Rudolf Mayer auf, ging mit diesem zur Polizei und gestand dort seine Machenschaften. Er ließ sich auch von der Anwaltsliste streichen und brach den Kontakt zu der Prostituierten ab. Ihm sei klar, dass er nun für einige Zeit im Gefängnis verschwinden werde, sagte der Jurist am Ende seiner Einvernahme. "Aber ich halte mich für fähig, hernach in jenen Bereichen, die ich gut kann, als Berater tätig zu sein."

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