Es ist eine Hiobsbotschaft wenige Tage vor Weihnachten, die vor allem den betroffenen Mitarbeitern tief in die Knochen gefahren ist: Die von KTM versprochene Vorschusszahlung auf die Dezember-Gehälter bleibt aus. „Das ist niederschmetternd“, sagt Mattighofens Bürgermeister Daniel Lang in einer ersten Reaktion. Auch die Gewerkschaften GPA und PRO-GE sind betroffen.
„Es gibt einfach keine Handschlagqualität mehr“, sagt Andreas Stangl. Der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt sich angesichts der Entwicklungen bei KTM entrüstet. Nachdem das Unternehmen den mehr als 3600 betroffenen Beschäftigten zugesichert hatte, wenige Tage nach Insolvenzeröffnung einen 90-Prozent-Vorschuss auf das Dezember-Gehalt zu überweisen, wurde die Belegschaft mit dieser Zahlung dann auf kurz vor Weihnachten vertröstet.
Am Donnerstag – und damit am vorletzten Tag der Produktion, die ja bis Ende Februar stillsteht – informierte der Motorradhersteller dann die Mitarbeiter, dass der Vorschuss doch nicht fließen wird, sondern man wie üblich erst am Monatsende das Gehalt überweisen werde. Offenbar fehlt es an Liquidität, um für die Zahlungen jetzt schon aufzukommen.
„Die stehen vor dem Nichts“
Ein Schlag für die Beschäftigten, die ja bereits auf das November-Gehalt und den Großteil des Weihnachtsgeldes warten. „Das ist niederschmetternd“, sagt Mattighofens Bürgermeister Daniel Lang. Der Stadtchef berichtet von Mitarbeitern, die im Dezember unter den ersten 250 Gekündigten waren: „Die haben noch 300 Euro für den einen Tag im November und den Anteil des Weihnachtsgeldes bekommen. Die stehen vor dem Nichts.“
„Ungewissheit ist katastrophal“
Wolfgang Gerstmayer, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA in Oberösterreich, ist hörbar verärgert. In Richtung KTM-Eigentümer Stefan Pierer meint er: „Er wollte noch als großer Retter bei den eigenen Beschäftigten auftreten, dass er Dezember-Gehälter ausbezahlt, obwohl er vorher schon unfähig gewesen ist, November und Weihnachtsgeld auszuzahlen, für die jetzt der Insolvenzentgelt-Fonds einspringen muss. Die Ungewissheit, die die Mitarbeiter erleben, ist katastrophal.“
„Wie ein Schlag ins Gesicht“
„Dass nun entgegen den Versprechungen des Unternehmens die Dezember-Gehälter vor Weihnachten doch nicht ausbezahlt werden, ist wie ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Sie zahlen nun die Zeche für offenbar verfehlte Managemententscheidungen“, sagen die Vorsitzenden der Gewerkschaft PRO-GE und GPA, Reinhold Binder und Barbara Teiber.
„Alle Beteiligten gefordert“
„Es ist verständlich, dass die aktuellen Entwicklungen rund um KTM Besorgnis und auch Unmut auslösen. Es bleibt aber vordringlich, dass alles unternommen wird, um eine Weiterführung des Unternehmens zu ermöglichen. Hier sind alle Beteiligten gefordert“, sagt Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner.
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