Bagger sind schon da

Wien zieht Umbau von Naschmarkt nun durch

Wien
03.10.2024 16:00

Vier Jahre nach den ersten Plänen soll nun der Naschmarktparkplatz ein neues Gesicht und der Naschmarkt eine Halle bekommen, die nicht Halle heißen darf. Von Kritik und Protesten will sich die Stadt nicht mehr stoppen lassen. Die Gegner des Projekts drohen jedoch mit einer Besetzung des Bauplatzes.

Schon haben die Bagger erste Schichten Beton abgetragen – jetzt wird es ernst mit der Umgestaltung des Naschmarktparkplatzes und der Freifläche hinter dem Marktamt, die bisher von Standlern und dem Bauernmarkt genutzt wurde. In zwei Jahren soll alles fertig sein, trotz angekündigter Proteste, inklusive der angedrohten Besetzung des Bauplatzes durch Anrainer.

Eine ebenerdige „Dachbegrünung“
Der Parkplatz wird in zwei Hälften geteilt: 5000 Quadratmeter davon sollen zum Grünraum mit rund 80 Bäumen werden. Für Landschaftsplanerin Sabine Dessovic eine heikle Aufgabe: Eigentlich ist das eine Dachbegrünung auf dem Gewölbe der Wienfluss-Überbauung, das an seinem höchsten Punkt nur 70 Zentimeter unter der Oberfläche liegt. Die zweite Hälfte wird zur Freifläche für den Flohmarkt. Während der Woche soll im Sommer ein Wasserspiel für Abkühlung sorgen.

Kritik an geplantem neuem „Marktraum“ reißt nicht ab
Die Pläne für den Parkplatz freuen fast alle Anrainer und sind ein Resultat früherer Proteste: Ursprünglich hätte hier eine große Markthalle gebaut werden sollen. Inzwischen ist auch Bezirksvorsteher Markus Rumelhart froh, dass der bisherige sommerliche „Bratofen“ entschärft und eine Freifläche statt einer „Chinesischen Mauer“ zwischen Mariahilf und Margareten entsteht.

Architekt Mark Neuner, Neos-Planungssprecherin Selma Arapovic, Planungsstadträtin Ulli Sima, ...
Architekt Mark Neuner, Neos-Planungssprecherin Selma Arapovic, Planungsstadträtin Ulli Sima, Landschaftsplanerin Sabine Dessovic und Bezirksvorsteher Markus Rumelhart.(Bild: Martin A. Jöchl)

Weiterhin umstritten ist jedoch die kleine Markthalle, die nicht so heißen darf: Planungsstadträtin Ulli Sima nennt sie lieber „Marktraum“ und will den Markt damit aufwerten – sowohl optisch („Jetzt hat man das Gfühl, er rinnt ein bissl aus“) als auch im Hinblick auf das Angebot. Sie will damit eine Plattform für lokale Produzenten als Gegengewicht zur Fressmeile schaffen: „Mit Gastronomie verdient man am leichtesten Geld, mit Gurkenverkaufen dauert’s ein bissl länger.“

Zurück zu den Wurzeln?
„Marktraum“-Architekt Mark Neuner erinnert daran, dass der Markt inklusive des bisherigen Parkplatzes noch bis in die 1970er-Jahre komplett verbaut war. Das neue Gebäude schaffe damit nicht nur ein neues Angebot, sondern auch eine gestalterische Brücke zum ursprünglichen Erscheinungsbild des Marktes. Sima ist nach vierjährigem Tauziehen aber ohnehin entschlossen, das Projekt jetzt auf den Boden zu bringen: „Es wird sich jetzt nix mehr ändern.“

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Hätte ich das Projekt stur mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen wollen, dann wären wir jetzt schon fertig. Die meisten Kritiker haben wir ins Boot geholt.

Planungsstadträtin Ulli Sima über den Kampf um die Umgestaltung

„Papierlt“ fühlt sich dadurch die Gruppe der Naschmarkt-Anrainer, die den „Marktraum“ verhindern will. Der „1000 Quadratmeter große und bis zu acht Meter hohe Stahl-Glas-Kubus“ passt aus ihrer Sicht „wie die Faust aufs Aug zur Naschmarkt-Architektur“. Die „bekannt profilierungssüchtige Stadträtin“ Ulli Sima wolle sich damit bloß selbst ein Denkmal errichten. Man wolle den Bauplatz der Halle besetzen und mit „Kinderwägen und Rollstühlen“ gegen „Bagger und Betonmischer“ antreten, kündigen die Anrainer an.

Sima und Rumelhart nehmen die Drohung gelassen. „Die Energie von den Stadtstraßen-Protesten hat das nicht“, schätzt Sima und verweist darauf, dass auch die Grünen dem Projekt inzwischen zustimmen. „Ich sehe keine Massenbewegung auf uns zukommen“, meint auch Rumelhart. Eine Taktik, wie mit allfälligen Baustellenbesetzern umgegangen werden soll, werde es nicht brauchen, sind sie überzeugt.

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