Vorletzter in der Tabelle, nach fünf Runden bereits 13 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Ried – keine Frage, Zweitligist St. Pölten legte einen brutalen Fehlstart hin. Dennoch wirkt Geschäftsführer Matthias Gebauer vor dem Derby am Freitag daheim gegen die Admira ziemlich entspannt: „Ich bin noch immer froh, hier zu sein. Weil wir als Verein das Potenzial haben, etwas aufzubauen. Ich denke, da wird noch was richtig Lässiges entstehen.“
Auch wenn die Zweifler derzeit Oberwasser haben. So drängt sich etwa die Frage auf, wie viel Niederösterreich überhaupt noch im „Sportklub Niederösterreich“ (SKN) St. Pölten bei einem ausländischen Investor, 14 Legionären und einem bulgarischen Trainer steckt? „Wir haben noch immer echte St. Pöltner im Kader und im Trainerteam, stehen im engen Austausch mit Stadt und Land“, sagt Gebauer.
Der mit der Kritik an der Kaderzusammenstellung nur wenig anfangen kann. „Nicht jeder neue Legionär ist etwas Böses. Segovia wurde einst als Spanier richtig verehrt, auch jetzt haben wir einige Spieler aus dem Ausland geholt, die für den Verein brennen. Begeisterung muss nicht immer über Lokalkräfte ausgelöst werden.“
Dass gestandene Österreicher wie Tadic und Nutz nur noch topbezahlte Spaziergänger sind, ist aber auch für Finanzchef Gebauer nicht ideal: „Wir hatten gute Gespräche, fanden jedoch keine Lösungen. Ihre Verträge sind genauso zu akzeptieren wie die gefällte sportliche Entscheidung.“
Durch den Einstieg von Investor Paul Francis, der 49 Prozent an der GmbH erwarb, können finanzielle Leerläufe verkraftet werden. „Er bringt eine unfassbare Expertise mit, hilft mir auch in meinem Bereich extrem“, so Gebauer, „wir haben ohne ihn die Lizenz auf Sparflamme bekommen – mit ihm konnten wir das Budget wieder auf sechs Millionen Euro erhöhen.“ Und die Liquiditätsprobleme gegen Ende der Frühjahrssaison beseitigen. „Stimmt, die gab’s, weil einige Zahlungen, mit denen wir gerechnet hatten, zu spät eintrafen.“
Aktuell hat der Klub ein negatives Eigenkapital von rund 1,3 Millionen Euro. Präsident Helmut Schwarzl hatte vor einiger Zeit gegenüber der „Krone“ angemerkt, dass der SKN dank Francis schuldenfrei werden würde. „Das wird schrittweise passieren“, bestätigt Gebauer, „mein Ziel und das des Vereins ist, dass wir uns mittelfristig selber erhalten können.“
Das kann nur in der höchsten Liga gelingen, den Aufstieg wird’s heuer aber nicht spielen. Selbst wenn Gebauer am Freitag von einem Sieg gegen die Admira „felsenfest überzeugt“ ist...
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