In Linz ist am Sonntag das Internationale Brucknerfest offiziell eröffnet worden. Der Festakt stand im Schatten der Brucknerhaus-Affäre. Landeshauptmann Thomas Stelzer rief zu einem Neustart in der Zusammenarbeit zwischen Land und Stadt auf. Festrednerin Lisz Hirn widmete sich ebenso wie Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka der Bedeutung der Kunst für die Demokratie.
Seit Jahren werden nicht nur Bundes- und Landeshymne angestimmt, auch Festreden haben Tradition beim Internationalen Brucknerfest. Am Sonntag war es wieder soweit, dieses Mal stand der Festakt auch unter dem Schatten der Brucknerhaus-Affäre.
Erstmals Angebot vom Land an die Stadt
Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) nahm die aktuelle Situation in Linz – unter dem deutlichen Stichwort „Kunst und Lügen vertragen sich nicht“ – zum Anlass, einen kulturpolitischen Neustart anzuregen.
Jahrzehntelang habe es mit dem Theatervertrag zwischen Land und Stadt „einen mustergültigen Vertrag der Zusammenarbeit“ gegeben, der allerdings 2018 von der Stadt aufgekündigt wurde. Aber nun gebe es „die Möglichkeit für einen Neustart, für eine neue intensivere Zusammenarbeit und eine Absage an Befindlichkeiten“. Seine Hand sei ausgestreckt, so Stelzer, „machen wir wieder mehr gemeinsame Sache“.
Erst müsse man Bürgermeisterwahl abwarten
Die Brucknerhaus-Chefetage wurde mangels Intendant vom kaufmännischen Leiter René Esterbauer vertreten, statt Luger trat Vizebürgermeisterin Karin Hörzing (SPÖ) als geschäftsführende Stadtchefin auf, appellierte „angesichts der aktuellen Entwicklung Besonnenheit und Überblick zu bewahren“. Es werde dem künftigen Stadtoberhaupt, das am 12. Jänner 2025 gewählt wird, obliegen „hier im Haus die entsprechenden Weichenstellungen vorzunehmen“, um die Eigenständigkeit des Brucknerhauses als Kulturinstitution zu festigen.
Freiheit der Kunst ist Pfeiler der Demokratie
Des weiteren standen die Reden aber unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Veränderungen in Europa. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) unterstrich die Bedeutung der Kunst als Pfeiler liberaler Demokratien.
Flucht in Vergangenheit ist gefährlich
Die Philosophin Lisz Hirn widmete sich in ihrer Festrede ebenfalls der Bedeutung der Kunst zur politischen Sensibilisierung. Es sei unerlässlich, „sich Dissonanzen auszusetzen, um eine andere, eine neue Perspektive gewinnen zu können“, warnte sie vor „rückschrittlichen Bewegungen, die sich nicht auf die Zukunft richten, sondern in eine fiktiv überhöhte Vergangenheit flüchten“.
Uraufführung wurde gut angenommen
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von einem brillanten Bruckner Orchester Linz unter seinem Chefdirigenten Markus Poschner, das neben Musik des Namensgebers u.a. auch die Uraufführung eines Werks von Johannes Berauer im Gepäck hatte. Bruckners 11 Sinfonien wurde wie musikalische Schnappschüsse dargebracht – großer Beifall!
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