„Krone“-Autor Harald Petermichl hat sich für die neueste Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ in Sachen Verkehrsverbindungen innerhalb Deutschland und in benachbarte Großherzogtümer schlau gemacht. Für Wagemutige gibt es den Trip mit der Deutschen Bahn – für deutsche Regierungsmitglieder, den mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr...
Will man sich von Frankfurt am Main in das Großherzogtum Luxemburg an der Mosel begeben, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Für Unerschrockene und Hartgesottene bietet die Deutsche Bahn diverse Verbindungen an und je nachdem, ob man in Mainz, Saarbrücken oder Koblenz umsteigt, hat man den Trip in vier bis fünf Stunden erledigt, sofern man die jeweiligen Anschlusszüge erreicht. Und man ist mit 100 Euro durchaus preiswert dabei. Schneller geht es mit dem Kraftwagen, denn in der schnellsten Variante schafft man die 238 Kilometer in knapp drei Stunden und kann unterwegs die Schönheit der Simmerner Mulde genießen. Wer aber den Knall noch immer nicht gehört hat, zahlt für eine absurde 50-minütige Reise in einer fliegenden Kiste gleichermaßen absurde 200 Dumping-Euro.
Natürlich geht das exklusiver, scheint sich Bundesaußenministerin Annalena Baerbock gedacht zu haben, als ihr während des EM-Gruppenspiels Schweiz vs. Deutschland siedendheiß eingefallen ist, dass sie nach dem Match ganz dringend nach Luxemburg muss. Und diesmal konnte sie sich auf die Flugbereitschaft der Bundeswehr verlassen, die sie vor einem guten Jahr wegen eines technischen Gebrechens und nach Ablassen von 80 Tonnen Kerosin über dem Persischen Golf von Abu Dhabi nicht nach Australien, sondern nach Abu Dhabi gebracht hatte. FRA – LUX stellte kein Problem dar und eingedenk der Tatsache, dass der Trip zu einer Zeit erfolgte, in der Nachtflugverbot herrschte, kann man über den Tarif von 47.039,98 Euro wirklich nicht meckern.
Das zarte Pflänzchen „Nachhaltigkeit“
Auch Bundeskanzler Scholz hat sich die Absicht der UEFA, „den CO2-Fußabdruck des Turniers anhand eines angepassten Spielplans, intelligenten Mobilitätslösungen (darunter Anreize für Bahnreisen) und der Messung des CO2-Fußabdrucks zu reduzieren“ offenbar zu Herzen genommen und hatte deshalb bei seinen vier EM-Flügen immer das eine oder andere Kabinettsmitglied im Handgepäck, um die Kosten zu verteilen. Das rückt den Preis von 114.487,41 Euro für einen Flug von Berlin nach Stuttgart und zurück, zum Besuch des Spiels Deutschland vs. Ungarn, natürlich in ein gänzlich anderes Licht und überhaupt sind gut 500.000 Euro für sechs Regierungsflüge während der EM geradezu Peanuts, wenn man bedenkt, dass der Milliardär Jared Isaacman 2021 für einen dreitägigen Abstecher ins All, zusammen mit „einer Arzthelferin, einer Künstlerin und einem zweifachen Vater“, an die 200 Millionen gelöhnt hat. Schön zu sehen, dass das zarte Pflänzchen Nachhaltigkeit allmählich die ersten Früchte zu tragen beginnt.
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