Reich der Mitte

China Süß-Sauer

Reisen & Urlaub
11.07.2024 11:56

Land der Kontraste: Zwischen traditionellen Tempeln und modernen Wolkenkratzern. Eine Reise ins Reich der Mitte, geprägt von Gegensätzen und fremden Sitten. 

Zwischen dieser Welt und der unseren, welche Abgründe der Verschiedenheit“, schrieb der Schriftsteller Pierre Loti 1902, in „Die letzten Tage von Peking“. Bis heute ist in kaum einem anderen Land der Kontrast zwischen Tradition und Moderne so stark.

Tausende Elektro-Mopeds schlängeln sich durch die überfüllten Straßen Pekings. Es herrscht hektisches Treiben und dichtes Gedränge an den Fußübergängen: Die Menschen der rund 22-Mio.-Einwohner-Hauptstadt sind gerade auf dem Weg zur Arbeit. Es macht den Anschein, als hätten Chinesen keine Berührungsängste. Die persönliche Komfortzone dürfte hier geringer ausfallen, als es wir Europäer gewohnt sind. Dabei sind persönliche Umarmungen oder Begrüßungsküsse eher unüblich. China ist nicht nur weit weg, auch viele Sitten sind den unsrigen eher fremd: Spucken, Rülpsen und Schmatzen sind hier nicht verpönt. Was bei uns als schlechtes Benehmen und Unart gilt, ist im Reich der Mitte völlig normal – denn Spucken gilt als gesund.

INFOS

Seit März ist für Österreicher die Visumpflicht (Aufenthalt bis zu 15 Tagen) abgeschafft.

Reisende müssen sich auch beim Social-Media-Konsum umstellen: Instagram, Facebook, Google oder WhatsApp spielen hier keine Rolle. Der Zugriff ist gnadenlos blockiert. „Für jede westliche Plattform gibt es ein chinesisches Pendant“, erzählt unsere Reiseführerin. Um für Daheimgebliebene erreichbar zu bleiben, lohnt es sich auf die App „WeChat“ umzusteigen. Alle chinesischen Medien stehen unter der strengen Kontrolle der Regierung. Eingekauft wird mit QR-Code. „WePay“ oder „Alipay“ bieten den üblichen Bezahldienst an, da internationale Kreditkarten nur eingeschränkt akzeptiert werden.

Übrigens: Um diverse Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Kaiserpalast in der verbotenen Stadt zu besuchen, sollten Sie immer Ihren Reisepass mit dabei haben.

Die verbotene Stadt im Herzen Pekings wurde 1406 von Kaiser Yongle errichtet und ist heute Weltkulturerbe. Damals war gewöhnlichen Chinesen der Zutritt verboten. An die 900 Paläste und zahlreiche Pavillons erzählen die Geschichte der Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien.

Yin und Yang auch bei der Esskultur
Die Chinesen bevorzugen warmes Essen. Getränke werden entweder „normal“ (Zimmertemperatur) oder kalt eingenommen. Jede Mahlzeit wird selbstverständlich mit Stäbchen gegessen. Zwischen den einzelnen Gängen legt man diese auf eine kleine Porzellan-Ablage neben dem Teller. Das Yin-und-Yang-Prinzip findet sich auch in der Esskultur wieder.

Gegessen wird an runden Tischen mit Drehplatte – das symbolisiert Harmonie. Gerichte enthalten vor allem Ingwer, Frühlingszwiebeln, Reiswein und Zucker als Gewürze. Von Schweinefleisch süß-sauer, Mapo-Tofu (Rindfleisch mit Tofu) bis zu Tausendjährigen Eiern, Jiaozi, (Teigtaschen) und Nudeln in allen Variationen schlemmen wir uns durch.

Pekingente: Nur das Brustfleisch mit seiner knusprigen Haut kommt auf die Teller (Bild: Sonja Jakubowics)
Pekingente: Nur das Brustfleisch mit seiner knusprigen Haut kommt auf die Teller
(Bild: Sonja Jakubowics)
(Bild: Sonja Jakubowics)

Und, „nein, Chinesen essen keine Hunde“, entgegnet Reiseleiterin Ma dem gängigen Vorurteil, „vielleicht ganz vereinzelt noch manche Menschen im Süden“. Denn längst gelten diese auch in China als geliebtes Haustier.

Im Restaurant „Sishi Tong Tang“ sollte man Pekingente probiert haben! Geröstet in einem Holzofen, über offenem Feuer, wird sie feierlich mit einem Gong angekündigt. In dünnen Scheiben kommt nur das Brustfleisch mit seiner knusprigen Haut auf die Teller. Serviert mit zarten Lauch- und Gurkenstreifen und in transparente Weizenpalatschinken eingerollt. Ein wahrer Gaumenschmaus!

Die chinesische Küche – ein Augen- & Gaumenschmaus. (Bild: Sonja Jakubowics)
Die chinesische Küche – ein Augen- & Gaumenschmaus.

Das Heiligtum von China, „die Große Mauer“, ist mit 6350 Kilometern bekanntlich das größte Bauwerk der Welt. Bei Mutianyu ist einer der am besten erhaltenen Mauerabschnitte nahe Peking.

In China werden die Dinge selten beim Namen genannt. So kommt es vor, dass Mitreisende ihre Notdurft verrichten müssen. Verlegen zeigt die Reiseleitung, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht, nämlich in die „Halle der Harmonie“.

Übrigens: Falls Sie einem Chinesen, den Sie kennen, in der Halle der Harmonie begegnen: übersehen Sie ihn. Begrüßt zu werden wäre ihm hier unangenehm.

Mit dem Schnellzug geht’s weiter nach Hangzhou, in die Hauptstadt der Provinz Zhejiang. Mit 16.847 km² etwas größer als Peking und hat rund 11 Mio. Einwohner. Hier endet der große Kaiserkanal, der in Peking seinen Ursprung hat. Mit seinen 1,7 Kilometern gilt er als wichtiges Symbol der chinesischen Kultur. Hangzhou ist Heimat von Chinas berühmter Teekultur: Auf saftig-grünen Teeplantagen wird der wohlschmeckende Drachenbrunnen-Tee angebaut.

Willkommen in Shanghai! Was für eine Megametropole: knapp 27 Mio. Menschen auf 6340 km². Es ist somit die drittgrößte Stadt der Welt. Ob Tor zur Welt, Drachenkopf-Metropole oder Paris des Ostens: Shanghai besitzt viele Namen: „Shang“ bedeutet auf oder über, und „hai“ Meer, übersetzt unser Guide. Fakt ist: Sie ist mit Sicherheit eine der aufregendsten Metropolen Chinas und voller Sehenswürdigkeiten.

Die Skyline der Megametropole Shanghai  (Bild: stock.adobe.com/TTstudio - stock.adobe.com)
Die Skyline der Megametropole Shanghai 

Am „Bund“, der Flusspromenade, zeigt sich ein wunderbarer Blick auf die spektakuläre Skyline. Der Bund trennt die Stadt in Moderne und Tradition: historisches Erbe in der Altstadt an der linken Uferseite, Streben nach wirtschaftlicher Leistung und moderner Architektur am rechten Ufer. Im lebhaften Künstler-Viertel Tianzifang gibt es gemütliche Cafés, Galerien und Kunsthandwerksläden.

Auch Konfuzius hätte Gefallen gehabt: „Die Freude ist überall. Es gilt nur, sie zu entdecken.“

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