Laut ersten Schätzungen dürfte den rund 250 betroffenen Lavamündern ein Schaden von mindestens drei Millionen Euro entstanden sein, wie der Landespressedienst mit Verweis auf Angaben der Leiterin des Krisenstabs, Silvia Kostmann, mitteilte. Manche der Opfer haben fast ihren gesamten Besitz in den Fluten verloren.
Dazu kommen noch die beträchtlichen Schäden an der Infrastruktur. 50 Gebäude wurden durch das Hochwasser stark beschädigt. Zwei Häuser und zwölf Wohnungen waren am Dienstagabend noch unbewohnbar. Bürgermeister Herbert Hantinger: "Viele haben Sachen im Keller gelagert, das ist jetzt alles hin. Genauso bei den Geschäften, von denen einige im Keller das Lager eingerichtet hatten. Alles ist vernichtet." Die Menschen versuchten zu retten, was zu retten war. Viele waren die ganze Nacht auf den Beinen, "aber die Stimmung ist schon auch sehr geknickt".
"Es hat Dutzende Tanks in den Kellern zerrissen"
Die meisten Keller seien nach wie vor voll Wasser, dazu sei nahezu der gesamte Ort mit Schlamm überzogen, schilderte Kostmann nach einem Lokalaugenschein. Das größte Problem stellten die Verschmutzungen durch ausgetretenes Heizöl und Altöl aus Gewerbebetrieben dar. "Es hat Dutzende Tanks in den Kellern zerrissen", erklärte der Bürgermeister. Über der Stadt liegt deshalb der beißende Geruch von Tausenden Litern Heizöl.
Die Hauptstraße im Ort wurde aber bereits halbwegs gereinigt. Die weitere Vorgangsweise werde nach einer Begehung mit dem Landeschemiker festgelegt, hieß es seitens des Landespressedienstes. Bis die Schäden beseitigt sind, wird es nach Ansicht aller Beteiligten noch Wochen dauern. Strom war Dienstagmittag zumindest in den meisten Häusern wieder verfügbar.
Kein Assistenzeinsatz des Bundesheeres
Einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres werde es nicht geben, sagte Wolfgang Grilz von der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg am Dienstag. "Nach derzeitigem Stand wird das nicht erforderlich sein", so das Mitglied des Krisenstabs. Ein Katastrophenzug mit 62 Feuerwehrleuten und Gerät sei den Lavamündern zu Hilfe gekommen, außerdem seien nach wie vor Einsatzkräfte aus Lavamünd und den umliegenden Gemeinden am Werk, so Grilz.
"Verantwortliche haben viel zu spät reagiert"
In Lavamünd fließt die Lavant in die Drau. Aufgrund heftiger Regenfälle waren am Montag beide Gewässer über die Ufer getreten. Lavamünd wurde regelrecht geflutet. Das Wasser stand bis zu zwei Meter hoch, Wohnhäuser wurden bis zum ersten Stock unter Wasser gesetzt. Mehrere Gebäude wurden evakuiert. 53 Menschen mussten die Nacht in Gasthäusern verbringen.
Zur Erschöpfung der Flutopfer mischt sich am Dienstag auch Ärger. "Die Verantwortlichen haben viel zu spät reagiert", war immer wieder zu hören. Während im Völkermarkter Stausee Boote auf dem Trockenen lagen, stand den Lavamündern das Wasser bis zum Hals.
"Kraftwerksbetreiber hätten Draupegel senken müssen"
Wasserwirtschaftsreferentin Beate Prettner (SPÖ) ortete ebenfalls Versäumnisse. Die Kraftwerksbetreiber hätten schon zu einem früheren Zeitpunkt reagieren und den Draupegel senken müssen. Prettner warf außerdem Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) Säumigkeit bei der Änderung eines Wasserrechtbescheids vor.
"Unsere Mitarbeiter haben streng nach Vorschrift gehandelt", wies Robert Zechner vom Verbund die Vorwürfe zurück. Johannes Moser vom Hydrographischen Dienst des Landes ordnete das Vorgehen des Verbunds zwar als korrekt ein, kritisierte aber die sogenannte Wehrordnung. Mit dieser wird unter anderem das Verhalten im Hochwasserfall festgelegt. Zwischen Verbund und Ministerium wird derzeit über eine Änderung dieser Vorschriften verhandelt. Moser ist überzeugt: "Mit der geänderten Wehrordnung wäre das Hochwasser nicht in dieser Dimension gekommen."
"So etwas gibt es nur alle fünf Jahre"
Mehr als 1.000 Feuerwehrmänner waren am Montag zudem in den übrigen betroffenen Regionen in Kärnten im Hochwasser-Einsatz. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten die Regenfälle im Gailtal für erste Überflutungen gesorgt. Auch der Raum Spittal, Villach und Völkermarkt wurde schwer vom Unwetter getroffen. In Klagenfurt sprudelte das Wasser sogar aus den Kanälen, weil der Boden die Regenmengen nicht mehr aufnehmen konnte.
Selbst für Wetterexperten sind die Regenmengen nicht alltäglich: "Allein am Loibl fielen 150 Liter pro Quadratmeter binnen weniger Stunden. So etwas gibt es nur alle fünf Jahre", so Paul Rainer von der ZAMG.
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