12 h lang blockiert

Inntalautobahn in Hand von Kindern und Radfahrern

Österreich
29.09.2012 08:07
Ein ungewöhnliches Bild hat die Tiroler Inntalautobahn am Freitagnachmittag zwischen den Anschlussstellen Vomp und Schwaz geboten. Dort, wo sich zu dieser Tageszeit normalerweise Lkw an Lkw und auf der Überholspur Pkw an Pkw reihen, bevölkerten Radfahrer, Fußball spielende Kinder, Skater und Spaziergänger die Fahrbahnen. Grund war eine Veranstaltung des Transitforums Austria-Tirol, mit der unter anderem für die Wiedereinführung des vom EuGH aufgehobenen "sektoralen Lkw- Fahrverbotes" geworben wird.

Ab 11 Uhr war die A12 in diesem Bereich für den Verkehr gesperrt worden, erst am späten Abend gab es auf der Autobahn wieder ein Durchkommen. Zuvor waren Pkws über die Bundesstraße umgeleitet worden, für Lkws bestand ein totales Fahrverbot. Kurz nach 23 Uhr konnten die Autofahrer die wichtige Nord-Süd-Verbindung wieder ungehindert passieren.

Obwohl Exekutive, Autofahrerclubs und Asfinag bereits im Vorfeld ein großräumiges Umfahren empfohlen hatten, hatte es bis in die Abendstunden in beiden Fahrtrichtungen kilometerlange Staus und Wartezeiten von bis zu drei Stunden gegeben.

Überschreitungen bei Stickstoffoxid von bis zu 120 Prozent
Der Chef des Transitforums, Fritz Gurgiser vom Bürgerklub, forderte zu Beginn der zwölfstündigen Veranstaltung die Wiedereinführung des vom EuGH aufgehobenen sektoralen Lkw-Fahrverbotes. "Das Inntal ist seit zehn Jahren Luftsanierungsgebiet, und jetzt werden an Messstellen etwa in Vomp die Stickstoffoxidwerte um 120 Prozent überschritten", kritisierte Gurgiser. Es brauche ein Bündel an Maßnahmen, auch ständige Tempolimits von 60, 80 und 100 km/h für alle Fahrzeuge. Außerdem müsse der Transitverkehr zwischen Rosenheim und Verona gleich teuer wie in der Schweiz werden.

Die Wiedereinführung des sektoralen Fahrverbotes etwa für Müll oder Schrott sei vom Land noch vor dem Sommer avisiert worden, "und passiert ist nichts", so Gurgiser. Ein "Mindestmaß" an Schutz vor Lärm und Schadstoffen sei unumgänglich. Druck will Gurgiser auch auf die Landespolitik in Südtirol erhöhen. Auf Bürgerebene werde es einen Pakt mit den Südtiroler Transitgegnern geben. Während in den vergangenen zehn Jahren in Nordtirol eine Reihe von Maßnahmen verwirklicht worden seien, gebe es südlich des Brenners "de facto keinen Schutz" für die Bevölkerung.

Gurgiser drohte schließlich mit weiteren Autobahnblockaden, sollte das sektorale Lkw-Fahrverbot nicht bis Jahresende umgesetzt sein. Landeshauptmann Günther Platter forderte Gurgiser auf, das Tempolimit umzusetzen und das Lkw-Fahrverbot für Schrott oder Müll zu erlassen. "Platter soll sich vor seine Bevölkerung stellen und nicht vor jene, die die Leute mit Mülltransporten zwischen Neapel und Hamburg terrorisieren", sagte Gurgiser, "manchmal glaube ich, wir sind umgeben von Gesundheitsterroristen."

Grüne kritisieren Fehlen von Ersatzregelung
Der Umweltdachverband verlangte für die Alpenbewohner "faire Mauten, Lkw-Fahrverbote und andere Schutzmaßnahmen an der Gesamtroute im Rahmengebiet der Alpenkonvention von Rosenheim bis Verona". Unterstützung erhielt der Transitforumchef auch vom Tiroler Umweltmediziner Heinz Fuchsig: Zum Schutz der Volkswirtschaft müssten bessere Luftwerte erreicht werden. In schadstoffrelevanten Zeiten etwa im November habe es 2011 um 40 Prozent mehr Krankenstände gegeben.

Die Verkehrssprecherin der Grünen, die Nationalratsabgeordnete Gabriela Moser, kritisierte ein Versagen der Verantwortlichen in der Landes- und in der Bundesregierung. Zudem fehle auch ein Jahr nach der Aufhebung des sektoralen Lkw-Fahrverbots durch den EuGH noch eine Ersatzregelung mit Tempolimits und treffsicher formuliertem Lkw-Fahrverbot.

Pkw-Anteil am Brenner gestiegen
Die Bundeswirtschaftskammer hingegen übte Kritik an der Veranstaltung. Die Blockade der A12 sei "aus Sicht der Wirtschaft nicht nur unverhältnismäßig, sondern verfehlt auch ihr Ziel", meinte Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr. Der Anteil der Lastkraftwagen auf den Autobahnen sinke. Steigend seien hingegen die Fahrten mit dem Pkw.

So habe sich der Anteil der Pkws, die den Brenner via Inntalautobahn über die A13 passieren, von 78,6 Prozent im Jahr 2008 auf 81,7 Prozent im ersten Halbjahr 2012 erhöht, zwischenzeitlich habe der Anteil sogar mehr als 82 Prozent erreicht. Viele Unternehmen der Verkehrsbranche seien innovativ und beschäftigten sich mit alternativen Antrieben und Treibstoffen für schwere Nutzfahrzeuge, meinte Klacska.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
29.09.2012 08:07
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung