"Streitschrift"

ZiB-Star gegen die “Verschandelung Österreichs”

Österreich
21.09.2012 11:52
Nicht etwa mit der Innenpolitik oder der Euro-Krise - Themen über die die "Zeit im Bild" täglich berichtet - beschäftigt sich ORF-Anchorman Tarek Leitner in seinem ersten Buch. In "Mut zur Schönheit" rittert der Nachrichtenmoderator gegen die von ihm empfundene "Verschandelung Österreichs". Der Anblick neonfarbener Tankstellen, Fast-Food-Restaurants, kilometerlanger Lärmschutzwände, riesiger Baumärkte und monströser Autobahnknoten, die wie hässliche Schwammerl aus dem Boden schießen, hat Leitner zur "Streitschrift" veranlasst.

Der demnächst 40-jährige Oberösterreicher geht in seinem Buch von einer Grundthese aus: "Es zählt nur mehr der vermeintliche wirtschaftliche Zweck. Wir lassen uns die Schönheit um ein paar Cent abkaufen", so Leitner. Gemeindepolitiker würden jeder noch so hässlichen Bausünde zustimmen, sobald sie sich nur einen Arbeitsplatz für die Region versprechen. Für Beweise braucht man nicht lange zu suchen: "Man muss nur mit offenen Augen durch die Gegend gehen."

"Niemand fährt nach Attnang-Puchheim"
"Hässlichkeit" ist für Leitner auch keine Geschmacksfrage. "Hässlichkeit ist objektivierbar", meint der Moderator. Das würden alleine die Urlaubsdestinationen der Menschen zeigen: Die Leute reisen üblicherweise in Gegenden, die sie als schön empfinden, wie etwa in die unberührte Natur oder an einen schönen Strand. "Niemand fährt nach Attnang-Puchheim, obwohl es verkehrsgünstig an einer Bundesstraße liegt", betonte Leitner.

Das strenge Auge von Tarek stören auch die häufig durch zuvor unberührte Landschaften führenden Umfahrungsstraßen samt bunkerartigen Supermärkten, die man heute bereits in jedem größeren Ort Österreichs finde. "Hier ist ein Hybridraum entstanden. Es ist nicht mehr Land und nicht mehr Stadt. Das sind reine Transiträume, in denen niemand mehr verweilen will."

Diskussion über "Ressource Landschaft"
Der Moderator kritisiert zudem, dass sogar bei der Renovierung von Repräsentationsbauten beinahe ausschließlich finanzielle Argument zählten. "Selbst bei der Renovierung des Parlaments gibt es bei den Kosten nach unten keine Grenze. Soll man auf der Ringstraße einen Bunker errichten?", fragt Tarek. Mit der Streitschrift will er eine Diskussion über den Umgang mit der "Ressource Landschaft" anstoßen. Denn eine schöne Umgebung mache uns glücklicher als eine von Bausünden und Wirtschaftlichkeitsdenken zerstörte Umwelt. 

Das 208 Seiten starke Buch ist im Brandstätter Verlag erschienen und ab Freitag zum Preis von 22,50 Euro erhältlich.

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