Die Klimaziele der EU sind ehrgeizig, von einem relevanten Rückgang des Kohlendioxidausstoßes von Pkws in der Europäischen Union kann aber im Moment nicht die Rede sein. Das konstatiert ein aktueller Bericht des Europäischen Rechnungshofs (ERH). Demnach können derzeit „die CO2-Reduktionsziele der EU für neue Pkw nicht erreicht werden“.
Dass die Pkw-Emissionen insgesamt zurückgegangen sind, liegt an der wachsenden Zahl der Elektroautos, jedoch kaum daran, dass Verbrenner sparsamer geworden seien, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Die meisten Autos auf Europas Straßen stoßen demnach immer noch so viel CO2 aus (verbrauchen also gleich viel Treibstoff) wie vor zwölf Jahren. Der ERH kritisiert deshalb die Autohersteller, weil sie sich bis 2019 mehr auf die Verringerung der im Labor gemessenen statt der tatsächlichen Emissionen konzentriert haben.
Schlupflöcher bei den Prüfnormen
In den 2010er-Jahren hätten Autohersteller Schlupflöcher bei den Prüfnormen genutzt, um bei Labortests niedrigere Emissionen zu erzielen. Der Unterschied zu den tatsächlichen, d. h. den im praktischen Fahrbetrieb erzeugten Emissionen war enorm. Daher sei im September 2017 - nicht zuletzt auch infolge des Dieselskandals - ein neuer Laborprüfzyklus, der die tatsächlichen Fahrbedingungen widerspiegelt, verbindlich eingeführt worden. Dies habe den Unterschied zwischen den im Labor gemessenen und den im praktischen Fahrbetrieb verursachten Emissionen wirksam verringert, wenn auch nicht beseitigt.
In den vergangenen zehn Jahren seien die Emissionen bei Dieselfahrzeugen konstant geblieben, während sie bei Benzinern um 4,6 Prozent nur sehr gering gesunken seien. Technische Fortschritte hätten die Motoren zwar effizienter gemacht. Dies werde aber durch größeres Fahrzeuggewicht (durchschnittlich rund +10 %) und höhere Motorleistung (durchschnittlich rund +25 %) aufgewogen.
Plug-in-Hybride sollen differenzierter behandelt werden
Auch eine Binsenweisheit ist dem Bericht zu entnehmen: Hybridfahrzeuge verursachten im praktischen Fahrbetrieb tendenziell deutlich höhere Emissionen als die im Labor gemessenen. Um die tatsächliche Situation besser widerzuspiegeln, soll die anteilige Nutzung des Elektro- und des Verbrennungsmotors genauer erfasst werden, allerdings erst ab 2025. Bis dahin würden Plug-in-Hybride - zum Vorteil der Autohersteller - weiterhin als emissionsarme Fahrzeuge behandelt.
Konventionelle Pkw machen europaweit nach wie vor fast drei Viertel der Neuzulassungen aus. „Die CO2-Emissionen von Fahrzeugen werden erst dann wirklich zurückgehen, wenn der Verbrennungsmotor seine dominierende Stellung verliert“, machte Rechnungshof-Prüfer Pietro Russo deutlich.
Allerdings gestalte sich die Elektrifizierung der EU-Fahrzeugflotte als sehr komplex. E-Autos seien zu teuer und es fehle an Ladeinfrastruktur. „70 % aller Ladestationen für Autobatterien in der EU konzentrierten sich in nur drei Ländern: den Niederlanden, Frankreich und Deutschland“, heißt es im Bericht.
Ein Achtel der Emissionen kommt von Pkw
Die Pkw-CO2-Verordnung schreibt seit 2009 ein EU-weites Ziel für die durchschnittlichen CO2-Emissionen aller neu zugelassenen Fahrzeuge vor. Außerdem muss jeder Hersteller den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge ausweisen und eine Abgabe zahlen, wenn er bestimmte Emissionsvorgaben überschreitet. 2019 trat eine überarbeitete, strengere Version in Kraft. Bis 2035 sollen laut EU-Vorgaben überhaupt keine Emissionen mehr ausgestoßen werden. Der durch den Verkehr verursachte CO2-Ausstoß machte 2021 fast ein Viertel aller Treibhausgasemissionen der EU aus; mehr als die Hälfte davon durch Pkw.
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