Psoriasis-Arthritis

Rheuma und Schuppenflechte: Leiden im Doppelpack

Gesund Aktuell
20.04.2023 14:00

Menschen, die an einer sogenannten Psoriasis-Arthritis leiden, haben es doppelt schwer. Neben den Hauptproblemen der Schuppenflechte gesellen sich auch schmerzende Gelenke, Sehnen oder Muskeln zu dem Beschwerdebild hinzu. Ein Experte erklärt, wie es dazu kommt und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Die bei Psoriasis (Schuppenflechte) entstehenden roten schuppenden Flecken auf der Haut sowie die Kopfschuppen stellen ein massives kosmetisches Problem dar. Betroffene ziehen sich vor anderen Menschen nicht mehr aus, weil ihnen die Hautveränderungen peinlich sind. Die Folge: soziale Isolierung. „Darüber hinaus geht die Schuppenflechte häufig mit Gelenk- und Kreuzschmerzen, geschwollenen Gelenken sowie Sehnen- und Muskelschmerzen einher“, berichtet Dr. Thomas Schwingenschlögl, Rheumatologe in Wiener Neudorf (NÖ).

Entzündungen befallen Haut und Gelenke
Bei bis zu 50% der Menschen mit Psoriasis tritt eine Gelenkentzündung auf, vor allem bei schweren Hautveränderungen und einem Befall der Finger- und Zehennägel. „Solch eine Erkrankung ist nur möglich, wenn das Immunsystem gestört ist und eine Entzündung im Körper zulässt. Man spricht von einer Autoimmunkrankheit. Da darf es nicht wundern, wenn zusätzlich innere Organe wie Darm, Nieren oder Augen von der Entzündung mitbetroffen sind“, führt der Experte weiter aus.

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Solch eine Erkrankung ist nur möglich, wenn das Immunsystem gestört ist und eine Entzündung im Körper zulässt. Man spricht von einer Autoimmunkrankheit.

Dr. Thomas Schwingenschlögl, Rheumatologe in Wiener Neudorf (NÖ)

Dr. Schwingenschlögl rät bei folgenden Symptomen unverzüglich den Arzt aufzusuchen:

  • Gelenkentzündungen: Meist an Finger- und Zehen. Häufig sind auch die großen Gelenke der Beine wie Knie, Hüfte, Sprunggelenke oder Fußwurzelgelenke betroffen. Die entzündeten Bereiche sind geschwollen, gerötet, heiß, druckempfindlich und sehr schmerzhaft.
  • Daktylitis: Im Gegensatz zu anderen rheumatischen Krankheiten ist oft ein ganzer Finger oder eine Zehe wurstförmig verschwollen (Wurstfinger, Wurstzehe).
  • Wirbelsäulenbefall: Entzündliche Veränderungen an Wirbelsäule und Kreuzdarmbeingelenken äußern sich als tief sitzende Kreuzschmerzen, Beschwerden in Ruhe beim Liegen und ausgeprägte Morgensteifheit.
  • Weichteilentzündungen (Enthesitis): Charakteristisch sind diese an den Sehnenansätzen wie etwa am Fersenbein, an der Achillessehne, am Brustbein, Beckenknochen oder Ohrknorpel. Viele Betroffene schildern wandernde Muskel- und Bindegewebsschmerzen am ganzen Körper.
  • Hautprobleme: Die Schuppenflechte kann von milden Verläufen mit einzelnen Flecken am Kopf oder Nabel bis hin zu einem Ganzkörperbefall alle Varianten zeigen.
  • Veränderungen der Nägel: Finger- und Zehennägel sind so gut wie immer befallen (stecknadelkopfgroße Grübchen, weißlich bis gelblich-braune glänzende Stellen im Nagel, sog. Ölflecke).
  • Bei manchen Patienten finden sich auch Veränderungen an den Augen (wie Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündungen). Harnwege oder Darm können ebenfalls betroffen sein.

Diagnose und Behandlung sollte rasch erfolgen
Bei Blutuntersuchungen sind hohe Entzündungswerte (Blutsenkung, CRP) auffällig. Der Rheumafaktor selbst ist meist negativ. Dafür kann in vielen Fällen der genetische Marker HLA-B27 nachgewiesen werden. Wird die Psoriasisarthritis nicht rechtzeitig behandelt, kommt es zu starken Gelenkverformungen und Dauerschmerzen. Eine schnelle Diagnose und sofortiger Beginn einer effizienten Therapie sind daher besonders wichtig.

Immunsystem unter Kontrolle bringen
Ursache der Erkrankung ist eine Störung des Immunsystems, welches überaktiv reagiert und sich gegen den eigenen Körper richtet. Dies führt zu Entzündungen in den Gelenken und der Wirbelsäule. Durch die Gabe von „Basismedikamenten“ gelingt es den Ärzten, das überaktive Immunsystem auf ein normales Niveau herunterzufahren.

Dr. Schwingenschlögl: „Speziell die Entwicklung moderner Substanzen, die die entzündlichen Botenstoffe des Immunsystems direkt blockieren - sogenannte Biologika -, hat zu einer Revolutionierung der Therapie geführt. Sie können als Infusion oder subkutan, das heißt unter die Haut gespritzt, verabreicht werden und führen meistens zu einem völligen Stillstand der Entzündung und Gelenkzerstörung. Betroffene sind oft schon nach kurzer Zeit schmerzfrei. Gleichzeitig kommt es zu wesentlicher Verbesserung oder sogar zum Verschwinden der Schuppenflechte.“

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