Branchenkonsolidierung

Orange und MasMovil planen Mega-Fusion in Spanien

Web
23.07.2022 14:19

Die Telekommunikationskonzerne Orange und MasMovil ziehen mit einer milliardenschweren Fusion in Spanien Konsequenzen aus dem scharfen Wettbewerb der bisher vier Anbieter. An dem neuen Unternehmen im Wert von 18,6 Milliarden Euro würden beide Seiten gleichermaßen beteiligt, kündigten der französische Konzern Orange und sein spanischer Partner MasMovil am Samstag an. Das französische Unternehmen bringt dafür sein Spanien-Geschäft ein.

Die beiden Konzerne hatten bereits im März Gespräche über eine Zusammenlegung ihrer Spanien-Geschäfte bekannt gegeben. Diese Verhandlungen mündeten nun in eine bindende Vereinbarung. Das Vorhaben benötigt allerdings noch eine kartellrechtliche Freigabe der EU-Kommission, die derartigen Zusammenschlüssen gewöhnlich kritisch gegenübersteht. Ein Abschluss der Transaktion werde spätestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres erwartet, ließen die Unternehmen wissen.

Orange hat nach eigenen Angaben ein Vorkaufsrecht auf die von MasMovil gehaltenen Aktien des geplanten Gemeinschaftsunternehmens. Auf längere Sicht sei auch ein Börsengang des neuen Unternehmens möglich. Beim geplanten Zusammenschluss wird das Spanien-Geschäft von Orange mit 7,8 Milliarden Euro bewertet und das von MasMovil mit 10,9 Milliarden Euro. Der gemeinsame Umsatz beläuft sich auf mehr als 7,3 Milliarden Euro, die Betriebsgewinne summieren sich auf mehr als 2,2 Milliarden Euro. Hauptaktionär von Orange ist der französische Staat, der 23 Prozent der Anteile hält. MasMovil gehört mehrheitlich den Finanzinvestoren KKR, Providence und Cinven.

Paroli für Marktführer Telefonica
Mit dem Zusammenschluss entsteht in dem nach Einwohnern viertgrößten EU-Land ein neuer Festnetz- und Mobilfunkriese, der dem bisherigen Marktführer und ursprünglichen Monopolisten Telefonica besser Paroli bieten soll. Der britische Anbieter Vodafone würde in Spanien auf den vierten Platz abrutschen. Er könnte jedoch Branchenexperten zufolge wie seine Konkurrenten von einem Nachlassen des Preiskampfes profitieren. Am spanischen Mobilfunkmarkt hält nach Angaben der Regulierungsbehörde bisher Movistar einen Anteil von 28 Prozent, Orange 23 Prozent, Vodafone 22 Prozent und MasMovil 21 Prozent.

Branche wartet gespannt
Erbitterte Preisschlachten, hohe Schuldenberge und Milliardeninvestitionen in den 5G-Ausbau machen Telekommunikationskonzernen in ganz Europa zu schaffen. Immer öfter wird deswegen in der Branche über eine Konsolidierung nachgedacht. Analysten halten Zusammenschlüsse unter anderem auch in Italien, Portugal und Großbritannien für möglich. Wegen kartellrechtlicher Hürden dürfte die ganze Branche nun gespannt darauf blicken, wie die EU-Kommission auf das Vorhaben von Orange und MasMovil in Spanien reagiert.

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