Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt zur 800-Jahre-Feier in die kleine Bezirkshauptstadt Eferding - und wird von einem organisierten Grüppchen ausgebuht. Der Vorfall beim Auftritt mit LH Thomas Stelzer (ÖVP) vergangenes Wochenende - wir berichteten - wirft Fragen auf: Wie viel Respektlosigkeit müssen Politiker ertragen? Sind sie durch ihre Berufswahl Freiwild für Andersdenkende?
Fest steht: Der Ruf von Politikern ist laut aktuellem APA/OGM-Vertrauensindex so schlecht wie nie: Mit Van der Bellen büßte selbst der beliebteste Politiker gegenüber März zehn Vertrauenspunkte ein.
Unpopuläre Entscheidungen
In seinem Büro reagiert man gelassen: Die Demo-Stimmung in Eferding sei wohl auf die bevorstehende Bundespräsidentenwahl zurückzuführen. Stelzer hat sich wiederum eine dicke Haut zugelegt: „Wenn man politische Verantwortung trägt, darf man nicht zart besaitet sein.“ Als Politiker müsse man immer wieder Entscheidungen treffen, „die richtig, manchmal aber nicht populär sind“.
Drohungen gegen Anschober
Einer, der es wissen muss, ist Ex-Gesundheitsminister Rudi Anschober, der vor seinem Rücktritt im April 2021 wegen Morddrohungen rund um die Uhr zu Hause unter Polizeischutz stand. Und auch jetzt, bei Lesungen zu seinem Buch „Pandemia“, habe es schon Veranstaltungen gegeben, die von aggressiven Corona-Leugnern gestört wurden. „Da gab es keine Chance, einen Diskurs zu führen“, sagt der Oberösterreicher.
Einige Menschen geben ihre eigene Wahrheit sektenähnlich von sich. Österreich war immer das Land der Diskussion. Da müssen wir wieder hin.
Rudi Anschober, Ex-Gesundheitsminister
„Radikale Ehrlichkeit“
Stelzer und Anschober sind sich einig: Es bestehe ein Spalt in der Gesellschaft, den es zu kitten gelte. „Wir müssen Foren finden, wo ein respektvoller Diskurs stattfinden kann“, sagt Anschober. Und es brauche eine „radikale Ehrlichkeit“ in der Politik: „Dann wird sie auch wieder stärker respektiert.“















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