16.05.2022 07:00 |

Stadt Land Vorarlberg

Mit „Vollgas“ zur erneuerbaren Energie

Die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien ist nicht nur ein politisches Ziel, sondern tatsächlich machbar. Wie und warum es doch wieder auf den Einzelnen ankommt.

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Bis 2040 soll die Energieversorgung in Österreich zu 100 Prozent aus Erneuerbarer Energie erfolgen. Wie dem letztjährigen Bericht „Energie in Österreich“ des Klimaschutzministeriums zu entnehmen ist, wurden 2020 bereits mehr als 75 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren gewonnen. Über 70 Prozent dieser Energie stammt hierzulande aus Wasserkraft und biogenen Brenn- und Treibstoffen.

Biomasse und Wasserkraft stoßen an Grenzen
Biomasse ist die älteste Form der Erneuerbaren Energien, wird aktuell jedoch von anderen Formen wie etwa Photovoltaik und Windkraft überholt. Der Grund: Die Potenziale nachhaltiger Biomassenutzung sind begrenzt. Christof Drexel, Klima-Experte sowie Gründer und Obmann von KlimaVOR!, ist davon überzeugt, dass „Biomasse insgesamt zwar besondere Qualitäten hat, die sie zu einer wichtigen Säule der Energiewende machen - allerdings zu einer kleinen.“

Auch Wasserkraft stößt langsam aber doch an ihre ökologisch verträglichen Grenzen. Stellt sich also die Frage: Welche Technologien braucht es, damit wir weg von fossilen Energieträgern kommen? „Im Wesentlichen ist ein massiver Ausbau an Erneuerbaren Energien nur bei Photovoltaik, also Stromerzeugung mithilfe von Sonnenlicht, und Windkraft möglich“, konstatiert Drexel.

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Im Sommer sollten wir mit der Photovoltaik gut auskommen. Für die Wintermonate braucht es allerdings eine weitere Strategie.

Christof Drexel

Wenngleich es durchaus windig ist in Vorarlberg, eignet sich das Land topografisch nicht dazu, im großen Stil auf Windräder zu setzen. Neben dem noch möglichen Ausbau der Wasserkraft fokussiert sich das Land daher insbesondere auf Photovoltaikanlagen, um das Ziel der Energieautonomie zu erreichen. Dieses nämlich lautet, dass der Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden soll.

Wie kann die Energie gespeichert werden?
Sofern das Ausbautempo der PV-Anlagen bis 2030 tatsächlich massiv erhöht wird, wäre das laut Drexel auch möglich. Da das Energiesystem der Zukunft allerdings zu einem überwiegenden Teil auf elektrischem Strom basieren wird, werden wir uns auch mit der Frage beschäftigen müssen: Wie kann die Energie gespeichert werden - vor allem während sogenannter Dunkelflauten: Schließlich kann die Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraft aufgrund von Schwachwind, Flauten und wetter- oder jahreszeitbedingter Dunkelheit mitunter über einen längeren Zeitraum gering sein.

„Im Sommer sollten wir mit der Photovoltaik gut auskommen. Für die Wintermonate braucht es allerdings eine weitere Strategie“, meint Drexel und nennt sogleich eine von mehreren Möglichkeiten: „Da Windkraft bei uns kein Gamechanger ist, sollten wir beispielsweise Biomasse nicht nur verbrennen, sondern sie auch verstromen, sodass wir sie als Winterenergie nutzen können.“

Ein kompletter Umstieg auf Erneuerbare Energien ist machbar. Ob es auch tatsächlich soweit kommt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Unter anderem weil auch Erneuerbare Energiequellen an ihre Grenzen stoßen können - insbesondere, wenn es zu einer Verdoppelung oder gar Verdreifachung der benötigten Strommenge kommen sollte. Und das liegt nicht in der Hand der Politik.

Lebensstil per Gesetz verändern?
Wird nämlich zusätzlich zum Umstieg auf Erneuerbare die Energieeffizienz gesteigert, sodass weniger Energie für dasselbe Ergebnis eingesetzt werden muss, kommt es mitunter zum Rebound-Effekt: Zwar führt die Effizienzsteigerung - zumindest vorerst - dazu, dass weniger Energie eingesetzt wird und die Energiekosten sinken. Letzteres aber verleitet dazu, sich weniger sparsam zu verhalten.

Für Drexel steht jedenfalls fest: „Eine Veränderung des Lebensstils kann nicht per Gesetz verordnet werden. Wir müssen zuerst den Energieverbrauch reduzieren, dann die technische Effizienz steigern und den Rest auf Erneuerbare Energien umstellen. Nur dann schaffen wir es, den jährlichen CO2-Ausstoß um jene 90 Prozent zu verringern, die nötig sind, damit wir die globale Erwärmung unter zwei Grad halten.“

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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