Kartnig-Prozess

Ex-Sturm-Spieler Hannes Reinmayr im Zeugenstand

Fußball
08.06.2011 12:30
Zum ersten Mal ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht beim Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben Mitbeschuldigte ein ehemaliger Sturm-Spieler als Zeuge geladen gewesen. Hannes Reinmayr wurde zu eventuellen Schwarzzahlungen befragt.

Nach zahlreichen Zeugen aus den Bereichen Finanzamt, Verbände und Vorstände bewegte sich das Geschehen am 26. Verhandlungstag im Prozess um den SK Sturm Graz wieder etwas näher am praktischen Fußball: Hannes Reinmayr wurde befragt. Er schrieb von 1995 und 2002 besonders im Zusammenspiel mit Ivica Vastic und Mario Haas als Teil des "magischen Dreiecks" Vereinsgeschichte.

Richter Karl Buchgraber wollte gleich zu Beginn ganz direkt wissen, ob Reinmayr bei Vertragsabschluss Schwarzzahlungen zugesichert worden waren. "Nein", so der Ex-Spieler. Allerdings gab es jene Verträge, in denen im Nachhinein das Wort "brutto" handschriftlich durch "netto" ersetzt worden war. So bekam Reinmayr also 1995 laut Unterlagen zwölfmal im Jahr 1.453 Euro. "Ich habe einen Netto-Vertrag gehabt", betonte der Zeuge, der sich um die Versteuerung nicht weiter gekümmert hat.

Rätselraten um Pensionsvorsorge
Zusätzlich gab es auch Geld über ein Pensionsmodell, das einer der Angeklagten, der bei einer Versicherung arbeitet, vorgeschlagen hatte. Einer der Anwälte der mitbeschuldigten Ex-Vorstände ließ Reinmayr den Prospekt mit der Beschreibung der Pensionsvorsorge vorlesen. "Haben Sie das verstanden?", fragte Staatsanwalt Johannes Winklhofer nach den äußerst unverständlichen Ausführungen. "Nicht wirklich", antwortete der Ex-Spieler, wobei ihm der Ankläger nur beipflichten konnte, was zu allgemeiner Heiterkeit führte. Die Anwälte beschwerten sich sofort über den angeblich mangelnden Ernst des Staatsanwaltes. "Ich nehme acht Millionen Euro Steuerhinterziehung sehr ernst, das ist die größte, die es in diesem Bundesland je gegeben hat", konterte der Ankläger scharf.

Ebenfalls geladen war der Masseverwalter im Konkursverfahren, Norbert Scherbaum. Er schilderte, dass im Februar 2007 Forderungen in der Höhe von 15,7 Millionen Euro angemeldet worden waren, davon wurden rund 13 Millionen anerkannt. Der Spielbetrieb konnte fortgesetzt werden. "Die Spielerberater wollten, dass ich den Verein schließe, damit sich die Spieler am Markt umschauen können", schilderte Scherbaum. Er brachte die Probleme des Klubs auf einen einfachen Nenner: "Es ist zu viel Geld ausgegeben und zu wenig eingenommen worden."

Hannes Kartnig, dem ehemaligen Präsidenten des Klubs, wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

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