Keeper über VAR-Eklat

Fraisl: „So blind kannst du eigentlich nicht sein“

Im vergangenen Sommer wechselte ÖFB-Keeper Martin Fraisl vom niederländischen Absteiger Den Haag zum deutschen Kultklub Schalke 04. Mit der klaren Ansage, schnell die Nummer eins werden zu wollen, ließ der 28-jährige Niederösterreicher aufhorchen. Gesagt, getan: Seit dem 8. Zweitligaspieltag trägt Fraisl das Einserleiberl. Im Gespräch mit sportkrone.at äußert sich der Torhüter unter anderem über die Verdrängung einer Klub-Ikone auf die Reservebank und die große Aufregerszene des vergangenen Wochenendes.

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Bis tief in die Nachspielzeit hinein führte Schalke 04 vor einer Woche bei Werder Bremen mit 1:0 - dann entschied Schiedsrichter Tobias Stieler nach Intervention des Video Assistant Referee (VAR) auf Elfmeter für die Gastgeber, weil der VAR zuvor ein Foul an Roger Assale im Strafraum gesehen haben wollte. Eine kapitale Fehleinschätzung. Dass der Unparteiische im Verbund mit seinem Kollegen im Videokeller die Situation derart falsch bewertete, sorgte in ganz Deutschland für Aufregung und Unverständnis.

Auch bei Martin Fraisl, der im Anschluss gegen den stark geschossenen Elfmeter von Niclas Füllkrug nichts ausrichten konnte. „In der Nachspielzeit wurde uns ein bereits sicher geglaubter Sieg vom VAR geraubt“, postete der Keeper einen Tag später auf Instagram. Mittlerweile ist der Ärger etwas verraucht, aber in den vergangenen Tagen wurde Fraisl „immer wieder drauf angesprochen. Man merkt schon, dass der Stachel tief sitzt.“

Er habe bereits unmittelbar nach der Aktion das Gefühl gehabt, dass kein strafstoßwürdiges Foul vorlag. Fraisl: „Ich habe gleich zum Schiedsrichter gesagt, dass das unmöglich ein Foul sein kann. Das war mein erster Eindruck. Aber es war dann irgendwie klar, wenn der VAR einschreitet, der Schiri sich das anschaut und dann den Elfer gibt, dann muss ja etwas gewesen sein. So blind kannst du eigentlich nicht sein.“ Als der Keeper beim Verlassen des Platzes die Szene anschließend auf den Monitoren sah, „war ich extrem aufgebracht“.

Trotz der Mega-Aufregung bezeichnet sich Fraisl als „großer Befürworter“ des VAR, „weil es den Fußball gerechter macht - und das wollen wir ja alle“. Wegen einer schlechten Situation dürfe man den VAR nicht verteufeln.

Klub-Ikone auf die Bank verdrängt
Auch wenn die Enttäuschung vom vergangenen Wochenende noch nachwirkt, für den ÖFB-Legionär läuft es seit Wochen wie am Schnürchen. Im September verdrängte Fraisl Klub-Ikone Ralf Fährmann auf die Bank und liefert seitdem starke Leistungen. Damit ließ er großen Tönen nach seinem Wechsel große Taten folgen. Er sei „kein Daumendrücker, der nur für das Training da ist“, Ziel sei die Nummer eins, hatte der ehemalige FAC-Torhüter bei Dienstantritt in die Blöcke der Medienvertreter diktiert.

Das Verhältnis zum zur Nummer zwei degradierten Fährmann sei „sehr gut und professionell. Am Ende des Tages zählt, wie der Trainer unsere Leistungen beurteilt. Am Anfang hat sich der Trainer für Ralf entschieden, jetzt eben für mich“, so Fraisl.

Ziel Wiederaufstieg
Die ersten vier Ligaspiele mit dem Niederösterreicher im Tor wurden allesamt ohne Gegentor gewonnen. Noch punktet der Bundesliga-Absteiger zu unkonstant, der aktuelle Platz sieben ist nicht das, was man sich in Klub und Umfeld vorstellt. Denn das einzige Ziel, das zählt, ist der sofortige Wiederaufstieg.

Für Fraisl sind die kommenden Duelle gegen die Aufstiegsaspiranten St. Pauli, Nürnberg und den HSV entscheidend. „Der Schlüssel wird sein, dass wir da punkten.“ Vor diesen immens wichtigen Spielen geht es heute Nachmittag zunächst in der heimischen Arena gegen den SV Sandhausen.

Und mit diesem Klub hat Fraisl eine Vorgeschichte. Eineinhalb Jahre hütete der 28-Jährige das Tor des Zweitligisten, ehe im Dezember 2020 die unschöne Trennung folgte - inklusive Gerüchten um einen vermeintlichen Kabineneklat. „Da ist nichts hängen geblieben“, sagt Fraisl heute, „zu den Jungs, die noch im Verein sind, ist der Kontakt extrem positiv. Es gibt auch noch Kontakt zum einen oder anderen im Trainerteam.“

Apropos Kontakt: den gibt es derzeit nicht zu ÖFB-Teamchef Franco Foda, obwohl Fraisl bereits auf der Abruf-Liste des Nationalteams stand. „Ich bin davon überzeugt, dass, wenn ich die bislang gezeigten Leistungen über einen längeren Zeitraum bringe, ich meine Chance bekommen werde“, schickt der Schalke-Keeper schon mal eine Kampfansage an die rot-weiß-rote Konkurrenz.

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