Brandverletzungen

Fisch- und Schweinehäute als Ersatzmaterial

Neues über die Behandlung von Verbrennungen vom internationalen Kongress der plastischen Chirurgen, der vor kurzem in Wien stattgefunden hat.

„Die plastische Chirurgie besteht aus mehr als aus reinen Schönheitsoperationen - das wissen die meisten gar nicht. Wir versorgen mit unserem breiten Spektrum eine Vielzahl von Menschen - das reicht von rekonstruktiver über Hand- und Verbrennungs- bis hin zur ästhetischen Chirurgie. Allein am Klinikum der MedUni Graz führen wir in diesen Bereichen über 2700 Operationen pro Jahr durch. Dabei legen wir den Fokus immer auf die Wiederherstellung von Form und Funktion - das ist einfach untrennbar miteinander verbunden“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie der MedUni Graz sowie Sprecher beim Kongress der „International Society of Aesthetic Plastic Surgery“ (Internationale Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie), der Mitte September in Wien stattgefunden hat.

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Die plastische Chirurgie besteht aus mehr als aus reinen Schönheitsoperationen - das wissen die meisten gar nicht.

Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie der MedUni Graz

Erklärtes Ziel: Heilen statt reparieren
Die Zukunft der plastischen Chirurgie liegt für den Experten eindeutig in den regenerativen Technologien: „Unser Ziel ist es, zu heilen anstatt zu reparieren. Wir plastischen Chirurgen fokussieren uns hier vor allem auf das sogenannte Tissue Engineering (Gewebezüchtung) und auf die ,induzierte Autoregeneration’“. Darunter versteht man Methoden, die angewendet werden, um den Körper bei der Heilung zu unterstützen.

Dabei kommen beispielsweise spezielle Wirkstoffe zum Einsatz. „Vor allem bei der Behandlung von Verbrennungen und anderen Verletzungen, die etwa bei schweren Unfällen entstehen, spielen diese eine große Rolle“, so Prof. Kamolz. Bei brandverletzten Personen gilt es - nach akuten, lebensrettenden Maßnahmen - jene Zellschäden, die durch die Verbrennung entstanden sind, zu minimieren und die Wundheilung anzuregen. In einem ersten Schritt wird versucht, die Autophagie - das ist ein natürlicher Vorgang im Inneren der Körperzellen, der geschädigte Zellbestandteile für die Bildung neuer Stoffe recycelt - von außen zu unterstützen.

Resveratrol regt die Wundheilung an
Dazu können Substanzen wie Spermidin, das in Weizenkeimlingen vorkommt, oder Resveratrol, welches man vom Traubensaft bzw. Rotwein kennt, in Form von speziellen Verbänden auf die Wunde aufgetragen oder mittels Nahrungsergänzungsmitteln hinzugefügt werden. „In der Entwicklung dieser neuen Verbandsmaterialien und in der regenerativen Medizin - vor allem im Bereich der induzierten Autoregeneration - nehmen wir Forscher und Entwickler in Österreich eine internationale Führungsrolle ein“, ist der Experte zu Recht stolz. Je größer die Brandverletzung, desto wahrscheinlicher kommen neben konservativen Behandlungsmethoden auch chirurgische Verfahren unter Verwendung von verschiedenen Hautersatzmaterialien zum Einsatz. Biologische sind beispielsweise Schweine- oder Fischhäute, die auf die Wundoberfläche gebracht werden und dort die Wundheilung unterstützen. Der Körper kann auf diese Weise unter der „Abdeckung“ eine neue Oberhaut (Epidermis) bilden. „Auch hier spielen wir in der obersten Liga mit“, berichtet der plastische Chirurg.

Im Labor gezüchtete Hauttransplantate
Ein noch revolutionärerer Weg ist die Gewebekonstruktion. Dabei entnimmt man vom Spender, idealerweise dem Patienten, Zellen und züchtet daraus im Labor Hauttransplantate. Danach werden diese dem Empfänger (re-)transplantiert. „Ein großer Vorteil ist, dass diese gezüchtete Haut im Körper bleiben kann und nicht nur beim Aufbau der Ober-, sondern auch der darunter liegenden Lederhaut mithilft. Dadurch geht die Wundheilung viel schneller, und es kommt zu einer geringeren Narbenbildung“, erklärt Prof. Kamolz.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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Freitag, 22. Oktober 2021
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