Prüfung geschafft!

Hündin „Cleo“ ist Therapeutin ohne Augenlicht

Auch Hunde mit Handicap können wertvolle Arbeit als Therapiebegleithunde leisten - davon ist Sabine Marzi als Besitzerin der blinden „Cleo“ ebenso überzeugt wie Karl Weissenbacher vom Messerli Forschungsinstitut der VetMed Uni Wien, von dem die staatlichen Prüfungen abgenommen werden. Marzi hält seit 20 Jahren nur Hunde mit Behinderung, derzeit besteht ihr Rudel aus sechs Handicap-Tieren. Ihre „Cleo“ hat zwar kein Augenlicht, nach intensiver Vorbereitung aber jetzt die Prüfung zum Therapiebegleithund bestanden und damit eine Lanze für behinderte Artgenossen gebrochen!

Die Französische Bulldogge „Cleo“ strotzt trotz ihrer körperlichen Einschränkungen nur so vor Lebensfreude - von dem Hickhack der Menschen um ihr Aussehen oder Wohlbefinden bekommt sie zum Glück nichts mit. Bereits in der Vergangenheit berichteten wir über ihre Disqualifikation bei einem Fotowettbewerb. Begründung: „Cleo“ sei zu „unästhetisch“. Solche Rückschläge kennt Frauli Sabine Marzi nur zu gut. Sie hält seit zwei Jahrzehnten nur noch Hunde mit körperlichen Einschränkungen und hat derzeit sechs Tiere mit Behinderung. „Ich kämpfe seit Jahren für die sogenannten ‘Handicap-Hunde‘. Dafür, dass sie mehr Aufmerksamkeit bekommen, dass sie nicht einfach so getötet werden, dass ihre Leistungen ebenfalls anerkannt werden.“

Das ist Sabine Marzi mit der blinden „Cleo“ nun gelungen, denn sie haben nach intensiver Vorbereitung und dem ein oder anderen Stein im Weg am vergangenen Samstag die Prüfung zum Therapiebegleithund bestanden. „Es war nicht so einfach, einen Verein zu finden, der mich und meine Hündin auf diesem Weg unterstützt“, so Marzi. Ihr besonderer Dank gelte daher Andrea März von „Ferdinand the Staff“, die immer daran geglaubt hat, dass auch Hunde ohne Augenlicht das Zeug zum Therapiehund haben. „Wir haben ein Zeichen gesetzt. Das ist der größte Erfolg, den wir in all den Jahren erreichen konnten“, so Marzi stolz.

Für Karl Weissenbacher, Leiter der Prüfstelle des Messerli-Forschungsinstituts der Veterinärmed-Uni Wien, ist schon lange klar: Hunde mit Handicap stehen den vollständig gesunden Artgenossen um nichts nach, wenn es um die Therapiehunde-Arbeit geht. „Ich habe ‘Cleo‘ schon vor ein paar Jahren kennengelernt, der Hund war gut trainiert und Frau Marzi hat das super gemacht“, so der Experte. Mit dem Einsatz von behinderten Hunden werde grundsätzlich eine sehr positive Message transportiert, es hätte auch schon ein Dreibeiner die Prüfung absolviert. Die Voraussetzung: Das Tier muss schmerzfrei sein, bei deutlichen Qualzuchtmerkmalen folgt ebenso ein Ausschluss. Ein Tierarzt bestätigt die Einsatztauglichkeit.

Weissenbacher lobt zudem die langwierige und umfangreiche Ausbildung der staatlich geprüften Therapiebegleithunde, die Anforderungskriterien seien streng. „Im internationalen Vergleich ist Österreich federführend“, weiß er. Einzigartig sei, dass die Prüfungen von einer unabhängigen Stelle abgenommen werden: „In vielen anderen Ländern ist es so, dass die Ausbildungsstätten selbst auch prüfen.“ Nur fertig ausgebildete Assistenzhunde bekommen die gelbe Kenndecke mit dem geschützten Logo.

Fakten

  • Seit 1. Jänner 2015 ist das Messerli Forschungsinstut der Vetmeduni Vienna mit der Durchführung der Therapiebegleithundeprüfung beauftragt. Die Beurteilung muss jährlich wiederholt werden. 
  • Der Therapiebegleithund hilft seinem Halter bei tiergestützten Interventionen (Schule, Altersheim etc.). Der Hund ist Teil des therapeutischen Konzepts.
  • Voraussetzungen Hund: Mindestens 24 Monate alt, gegen Tollwut geimpft und gesundheitlich geeignet.
  • Voraussetzungen Halter: Theorieprüfung, Strafregisterauszug, Haftpflichtversicherung.
  • Gemeinsam: Nachweis von mindestens acht Assistenzeinsätzen unter Anleitung eines bereits geprüften, erfahrenen Praxisanleiters.
Denise Zöhrer
Denise Zöhrer
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Mittwoch, 20. Oktober 2021
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