28.09.2021 05:20 |

Nach tödlichem Unfall

Benjamin Karl: „Der schwerste Weg meines Lebens“

Benjamin Karl sprach mit der „Krone“ erstmals nach der Verwicklung in einen tödlichen Verkehrsunfall über sein Seelenleben und die Stärke seiner Ehefrau Nina - sowie über den Besuch bei der Familie des Verstorbenen. Karl sagt: „Das war der schwerste Weg meines Lebens.“

„Krone“:Benni, du hast bisher mit keinem Journalisten über den 30. Juni gesprochen. Vorweg: Danke für das Interview. Welche Erinnerungen hast du an diesen Schicksalstag?
Benjamin Karl: Ich bin nach dem Training auf dem Felbertauern nach einem Tunnel in Blitzhagel geraten. Es war total unvorhersehbar. Ich dachte zuerst, es wäre Schnee auf der Fahrbahn. Dann war’s schon zu spät. Ich wollte das Auto in eine andere Richtung lenken, Hauptsache weg vom Gegenverkehr, doch das Aquaplaning hat mir keine Chance gelassen. Es ist furchtbar, und es tut mir unendlich leid, aber der Unfall wäre nur zu verhindern gewesen, wenn ich nicht ins Auto gestiegen wäre.

Das klingt nach Schicksal.
Ich glaube generell an Schicksal. Und das war es auch. Anders könnte man so etwas nicht verarbeiten.

Wie ist es dann weitergegangen?
Ich habe sofort psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Genauso wie meine Frau Nina. Das kann ich nur jedem ans Herz legen. Nicht den starken Mann spielen. Und es hat uns beiden sehr geholfen. Sonst könnte ich derzeit nicht in ein Auto steigen, wegfahren und meine Familie alleine lassen.

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Der Unfall wäre nur zu verhindern gewesen, wenn ich nicht ins Auto gestiegen wäre.

Benjamin Karl

Ein Pensionist ist bei diesem Unfall ums Leben gekommen. Hast du mit den Angehörigen gesprochen?
Ich war mit meiner Frau bei den vier Kindern. Das war der schwerste Weg meines Lebens, dort hinzufahren. Zu Kindern, dessen Vater gestorben ist. Mit den jeweiligen Partnern waren wir dann zu acht im Haus. Aber ich wollte unbedingt reden. Es hat mir keiner irgendeine Schuld zugewiesen. Ich glaube, dass es für alle Anwesenden gut und sehr wichtig war.

Mentale Stärke im Sport ist oft entscheidend. Aber das hier ist etwas Anderes!
Stimmt. Ich bin keiner, der glaubt, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Gerade deshalb war auch die psychologische Hilfe so wichtig. Aber ich kann das verarbeiten, da bin ich mir sicher.

Du bist im März zum fünften Mal Weltmeister geworden. Wie lange geht das noch auf dem Niveau?
Wenn die Motivation und die Leistung passen, sehe ich keinen Grund, mein Brett ins Eck zu stellen.

Vera Lischka
Vera Lischka
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