Sexualmedizin

In jedem Alter: Sex macht glücklich und gesund

Ein Kongress in Wien beleuchtete unterschiedliche Aspekte der Sexualität. Wir geben einen Überblick zu den wichtigsten Themenbereichen, die beim Allgemeinmediziner und bei der Gesundheitsvorsorge leider immer noch zu wenig angesprochen werden.

Wir sehen sie in Hollywood-Blockbustern, auf Werbeplakaten, in Talkshows und natürlich auf einschlägigen Internet-Seiten: glücklich-ausgelassene Menschen, die fantastischen Sex haben. Wer sich daran orientiert, muss - zumindest abschnittsweise im Leben - frustriert sein. Denn das entspricht nicht der Realität. Sexualfunktionsstörungen sind weit verbreitet, können jeden betreffen und zählen trotzdem immer noch zu den großen Tabuthemen. Beim Kongress „Sexualmedizin interdisziplinär“, der heuer zum 7. Mal in Wien stattfand, wurde eine Vielzahl aktueller Themen referiert. Im Nachfolgenden ein kleiner Überblick. Univ.-Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder, Präsidentin der österr. Gesellschaft zur Förderung der Sexualmedizin und sexuellen Gesundheit, MedUni Wien: „Sexuelles Wohlbefinden ist laut WHO ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität und Gesundheit. Wichtig wäre daher eine sexualmedizinische Beratung zu finanzieren, um die optimale Betreuung zu gewährleisten.“

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Sexuelles Wohlbefinden ist laut WHO ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität und Gesundheit.

Univ.-Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder, Präsidentin der österr. Gesellschaft zur Förderung der Sexualmedizin und sexuellen Gesundheit

Dr. Alexandra Cisera-König, Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Innsbruck, warnte davor, dass Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs ohne exakte gynäkologische Abklärung häufig zu Fehlinterpretationen führen. Zu lange wurden betroffene Frauen als hysterisch, psychisch belastet oder gar beziehungsunfähig abgestempelt. „Hautveränderungen der Vulva/Vagina, klimakterische Atrophie (Anm.: Geweberückbildung der Scheidenwand durch Östrogenmangel), chronische vaginale Infektionen/ Entzündungen, Endometriose und anatomische Besonderheiten müssen diagnostiziert und entsprechend behandelt werden.“ Ein häufiges Problem stellt Blasenentzündung dar, welche das Sexualleben extrem beeinträchtigen kann. Schon bei den ersten Anzeichen gegensteuern!

Starkes Übergewicht und Typ-2-Diabetes erhöhen bei Männern das Risiko für Hypogonadismus (durch Mangel an männlichen Sexualhormonen verursacht), wie Urologe Prof. Dr. Michael Eisenmenger, Wien und NÖ, berichtete. Das Syndrom geht mit Libidoverlust, erektiler Dysfunktion, depressiver Verstimmung, Abnahme von Muskulatur und Knochendichte u. v. m. einher. Die Testosteronproduktion nimmt zwar allgemein ab dem 40.Lebensjahr ab - ca. 1 Prozent pro Jahr -, bei Patienten mit Typ-2-Diabetes sind aber bis zu 50 Prozent von Hypogonadismus betroffen. „In der Therapie spielt das Engagement zur Veränderung des Lebensstils eine große Rolle. Unterstützend werden Testosteron-Präparate eingesetzt“, so Dr. Eisenmenger. Der Fokus sollte aber auf der Vorbeugung liegen. Auch Prostataprobleme gehören frühzeitig abgeklärt.

Die weiblichen Wechseljahre sollten nicht als Krankheit, sondern als Übergangsphase mit vielen Chancen gesehen werden, betonte Internistin Univ.-Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder. „Wenn eine Frau sich nicht wohlfühlt, gibt sie sich auch der sexuellen Aktivität weniger hin. Das wirkt sich auf die Durchblutung und Gleitfähigkeit der Scheide aus (,use ist or lose it‘), wodurch sich die Sexualfunktion weiter verschlechtert.“ Ein Teufelskreis, den man durchbrechen kann. Empfohlen werden nach ärztlicher Abklärung von Beschwerden, vor allem Herzsymptomatik, ausreichend Bewegung („Sport wirkt euphorisierend“), Krafttraining, Yoga und Achtsamkeitsübungen, Rauchverzicht (verbessert die Funktion der Vaginalgefäße) und - hören Sie nicht auf, guten Sex zu haben!

Karin Podolak
Karin Podolak
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Sonntag, 17. Oktober 2021
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