Märchenhafter Aufstieg

Wimmer zu Traum-Debüt: „Hab das Tor nicht gesehen“

Von der heimischen Landesliga in eine der besten Ligen Europas - und das in nur etwas mehr als zwei Jahren. Was für ein rasanter und märchenhafter Aufstieg! Mit viel Ehrgeiz, Coolness und Finesse katapultierte sich der erst 20-jährige Patrick Wimmer in die deutsche Bundesliga. In seinem ersten Spiel für Arminia Bielefeld glänzte er vor etwas mehr als einer Woche als Einwechselspieler gleich mit einem wunderschönen Treffer. „Ich hab das Tor gar nicht gesehen“, schmunzelt der rot-weiß-rote U21-Kicker im Gespräch mit sportkrone.at.

Sein sportlicher Weg war keineswegs vorgezeichnet. „Es war nicht so, dass ich von klein auf Fußballprofi werden wollte“, schildert Wimmer. Alles begann beim SC Sitzenberg/Reidling. Schnell war allen klar, dieser Bursche hat einiges drauf. Nach dem Wechsel von der Volks- in die Hauptschule ließ er sich in der Akademie St. Pölten blicken: „Den ersten Aufnahmetag hab ich geschafft, beim zweiten war ich dann verletzt. Den habe ich dann nicht nachgemacht.“ Für ihn ging es wenig später zum AFW Waidhofen - und ab dann nur mehr steil nach oben! Denn nach einem fußballerischen Abenteuer beim SV Gaflenz wechselte Wimmer im Alter von 18 Jahren zu der zweiten Mannschaft von Austria Wien. Nervosität? Fehlanzeige! „Das bin ich nie“, posaunt der sympathische Kicker mit einem Lächeln im Gesicht.

Keine Akademie? Kein Problem
Beeindruckend schnell gelang dem Flügelspieler am Verteilerkreis der Sprung zu den Profis. Und das, obwohl er keine Akademie durchlaufen hatte. Ein Nachteil oder vielleicht sogar ein Vorteil? „Der Vorteil war sicher, dass ich viel früher in den Erwachsenenfußball gekommen bin, dass ich das Körperliche gleich gespürt hab“, erklärt Wimmer. „Nachteil ist, dass ich nicht die umfangreiche taktische und technische Ausbildung hatte, die man in einer Akademie bekommt. Dort trainiert man jeden Tag. In Gaflenz waren es nur drei Trainings pro Woche, da arbeitet jeder nebenbei oder geht zur Schule.“ Ohne Zweifel betont er jedoch, dass es für ihn der „richtige Schritt“ war: „Darum bin ich jetzt so beinander, wie ich bin!“

Debüt im Wiener Derby
8. Dezember 2019 - ein Datum, dass der ÖFB-Teamspieler nie mehr vergessen wird. Ausgerechnet gegen Rapid feierte das damalige „Veilchen“ sein Debüt in der Bundesliga. „Das ist alles zufällig entstanden. Eigentlich wäre ich mit dem U19-Team unterwegs gewesen, aber Teamchef Rupert Marko hat mich angerufen und gesagt, dass er ein paar neue Spieler ausprobieren will“, so Wimmer. Somit fuhr er nicht zum Nationalteam, sondern blieb bei der Austria und erhielt kurzerhand die Chance vom damaligen Profi-Trainer Christian Ilzer, der nach einem Testspiel gegen Traiskirchen von Wimmer direkt beeindruckt war. „Ab morgen wirst du bei uns trainieren“, sagte Ilzer zum Jungspund. Wenige Tage und nur ein einziges Training später durfte Wimmer gegen Rapid ran: „Ein großartiges Gefühl!“ Am Ende gab es ein 2:2 im Allianz Stadion.

Während es bei der Austria damals schon nicht mehr ganz rund lief, sieht es nun noch düsterer aus. Der Klub aus Wien-Favoriten liegt am Tabellenende der heimischen Bundesliga. Mit seinem Ex-Klub leidet Wimmer mit: „Es war schon damals sehr kritisch, es hat nicht alles gepasst. Dieses Jahr war ein kompletter Neuanfang. Die finanzielle Lage ist auch nicht die beste. Da fiebert man schon mit, ich kenne ja auch einige Spieler und bin mit den meisten gut befreundet.“ Nachsatz: „Ich will nicht, dass mein Ex-Klub in der unteren Tabellenregion steckt. Ich hoffe, dass sie jetzt bald einen Sieg einfahren. So schlecht spielen sie ja nicht, sind auch oft die bessere Mannschaft.“

Sehenswerter Treffer lässt Neo-Klub jubeln
2019 kickte Wimmer noch in der Landesliga, vor wenigen Tagen lief er zum ersten Mal für Arminia Bielefeld in der deutschen Bundesliga, die zu den Top-Ligen Europas gehört, auf. „Wenn du mir das so erzählst, hört sich das extrem verrückt an. Das kann man sich eigentlich fast gar nicht vorstellen“, strahlt Wimmer. Sein Erfolgsrezept? „Egal, was man macht, man darf sich nicht anscheißen. Man sollte gleich zeigen, was man kann, und sich nicht verstecken.“ Und das gelingt ihm in seiner noch jungen Karriere bisher eindrucksvoll. Beim Duell mit Eintracht Frankfurt am 28. August kam Wimmer in der 81. Minute aufs Feld. Bei seinem Debüt glänzte der Österreicher auch gleich mit einem bezaubernden Treffer, verhalf seinem Team somit zum Punkt (1:1). „Am Anfang war ich mir gar nicht sicher, ob ich den Schuss überhaupt nehmen soll“, so Wimmer, der sein Tor gar nicht bestaunen konnte. „Ich hab das gar nicht gesehen, wie der Ball im Tor einschlug, weil ein Gegenspieler vor mir gestanden ist.“ Doch als die Fans von Bielefeld aufgesprungen waren, war Wimmer klar, sein Distanzschuss war im Netz gelandet: „Ein unglaubliches Gefühl!“

Die „Ösi“-Connection in Bielefeld
In Bielefeld unterschrieb Wimmer einen Vierjahresvertrag. Mit Manuel Prietl und Alessandro Schöpf befinden sich noch zwei weitere Österreicher im Kader. „Sie haben mir bei der Eingewöhnungsphase sehr geholfen. Das ist eine spitzen Connection mit den drei ‚Ösis‘ jetzt. Aber generell hat mich die Mannschaft super aufgenommen, das ist eine geile Truppe dort“. Doch derzeit heißt es U21 statt Bielefeld. Nach der Niederlage in der EM-Quali am Freitag gegen Norwegen steht am Dienstag in Ried schon die nächste Aufgabe gegen Aserbaidschan auf dem Programm. Trotz der Pleite herrscht große Zuversicht bei Wimmer: „Die Gruppe, die wir erwischt haben, ist auf jeden Fall machbar. Jeder Gegner ist schlagbar. Unser Ziel ist natürlich der erste Platz!“

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Mittwoch, 22. September 2021
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