27.08.2021 15:00 |

Medizinforschung

3D-Modell statt Tierversuch: Pioniere in Innsbruck

Um Menschen heilen zu können, müssen nicht selten Tiere leiden. Die medizinische Forschung braucht Tierversuche. Noch! Alternativen gibt es mittlerweile. An der Medizin-Uni Innsbruck werden für die Untersuchung von Infektionen in der Lunge aussagekräftige 3D-Modelle beleuchtet.

Ein Mikroskop, das aussieht wie ein Kopierer, und ein Computer – fertig ist das Labor, in dem die Immunologen Doris Wilflingseder und Wilfried Posch vom Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie kürzlich nachweisen konnten, wie Lungenschäden in Folge einer Corona-Infektion alternativ behandelt werden könnten. Die Erkenntnisse sorgten für Schlagzeilen, das Forschungsverfahren ist jedoch nicht minder spannend.

Darstellung mehrerer Gewebeschichten
Dahinter steckt ein hochdifferenziertes, über die Jahre entwickeltes 3D-Lungenmodell, das mit einem unscheinbaren, aber extrem leistungsstarken Mikroskop untersucht werden kann. „Wir können mit dem neuen Gerät infizierte und behandelte 3D-Modelle im Hochdurchsatz untersuchen“, verweist Posch auf die Besonderheit der „PerkinElmer Operetta CLS“. Ein Mikroskop, das nicht nur eine Gewebeschicht beleuchten kann, „sondern komplexe Zellstrukturen darzustellen vermag“, wie der Wissenschafter schwärmt. Das Gerät kann durch mehrere Schichten hindurchschauen und diese über den Computer plastisch werden lassen.

Zuschauen, wie ein Medikament wirkt
Was damit möglich wird, ist rasch erklärt: Die Forscher können so die Reaktionen des Körpers auf ein Virus und in der Folge auf Medikamente in der Therapie am Computer beobachten. Was bisher häufig über Tierversuche mit Mäusen gemacht wurde, bedarf in diesem Fall nur eines Blicks auf den Bildschirm. So konnten Wilflingseder und Posch mit ihrem Team nachweisen, dass bestimmte Medikamente die überschießende Immunreaktion bei einer schweren Covid-19-Erkrankung eindämmen und so in der Folge Gewebeschäden verhindern können.

Erfahrungen aus Tirol sind vielversprechend
Die beiden Wissenschafter sind überzeugt, dass durch die neuen 3D-Modelle und Methoden in Zukunft in immer mehr Forschungsfeldern Tierversuche ersetzt werden können.

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Wir verfolgen das Ziel, valide Alternativen zu Tierversuchen voranzutreiben und so die Testung von potenziellen Wirkstoffen mittels modernster Technologien zu erleichtern.

Doris Wilflingseder

Wilflingseder ist Initiatorin und Sprecherin einer nationalen Plattform, die sich um die Vermeidung von Tierversuchen in der Forschung bemüht. Die Erfahrungen aus Innsbruck sind auf jeden Fall vielversprechend.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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