16.07.2021 08:17 |

Beispiellose Unwetter

So kam es zur Flutkatastrophe in Deutschland

Die dramatischen Bilder der Überflutungen in Deutschland gehen um die Welt: zahlreiche Todesopfer - mittlerweile sollen es mindestens 80 sein - sind zu beklagen, mehr als tausend Menschen werden vermisst. Selten zuvor gab es in Deutschland so viele Gewitter, so viele Superzellen und derart große Regenmengen in so kurzer Zeit. Der wesentliche Auslöser ist in der globalen Wetterlage zu finden - besonders die durch den Klimawandel befeuerte Hitzewelle trägt entscheidend dazu bei.

Rekordtemperaturen in Nordamerika, eine Hitzeglocke über Skandinavien - die Wetterkapriolen der vergangenen Wochen kommen nicht aus den Schlagzeilen. Auf den ersten Blick scheinen diese Phänomene nur wenig mit der aktuellen Situation in Deutschland und den Benelux-Staaten zu tun zu haben, diese Einschätzung ist aber zu kurz gedacht, wie der Meteorologe Jan Schenk im „The Weather Channel“ berichtete.

Ein Blick auf die gesamte Nordhalbkugel zeige derzeit eine absolute Extremwetterlage, so der Experte. Die Hitze im hohen Norden wird dabei durch starke Hochdruckgebiete ausgelöst, die warme bis heiße Luft in Richtung Norden transportiert. Dort zieht sie aber nicht ab, sondern bleibt über Tage oder gar Wochen stabil - dabei handelt es sich um sogenannte Omega-Lagen. Das bisher ersichtliche Resultat waren die beispiellosen Hitzewellen in Kanada und das zuletzt sehr heiße Wetter in Russland.

Omega-Hoch zu stabil
Dass eine stabile Wetterlage recht positiv klingt, jedoch aber nicht unbedingt ist, beweist nun einmal mehr das Regentief Bernd, das Deutschland derzeit ins Chaos stürzt. Denn ein Omega-Hoch hat die Angewohnheit, jeweils ein Tiefdruckgebiet an jeder Flanke „einzufangen“. Bernd hat sich über dem Krisengebiet auf der Stelle gedreht, da es eben nicht abziehen konnte. Gleichzeitig hat es dabei sehr warme und feuchte Luft aus dem Omega-Hoch angesogen.

Viele Auslöser für Katastrophe
Dies führte zu dem enormen Starkregen, der innerhalb weniger Stunden für Hunderte Liter Regen sorgte. Verschärft wurde die Situation zudem noch von zwei weiteren Faktoren. Einerseits ist das betroffene Gebiet stellenweise sehr steil und die Täler durchaus recht tief ausgeprägt - das Wasser kann dort also recht schnell zusammenfließen. Andererseits konnten die Böden aufgrund vorangegangener Regenfälle nicht mehr genug Wasser aufnehmen. In Summe mündeten diese Probleme letztlich in dem derart starken Hochwasser.

Klimawandel befeuert Extremwetterlagen
„Letztlich ist die globale Extremwetterlage für diese Katastrophe verantwortlich“, fasst Schenk zusammen. Denn: Wäre es nicht so warm gewesen, hätte es auch nicht so stark regnen können. „Eine ähnliche Wetterlage vor 30 Jahren hätte deutlich weniger Regen zur Folge gehabt“, spielt der Meteorologe auf den Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte an.

Obwohl die Sommer in Mitteleuropa tendenziell eher trockener werden, gilt es laut Experten als Wahrscheinlich, dass sich ähnliche Wetterkapriolen in Zukunft häufen werden. „Das bedeutet große Niederschläge in kurzer Zeit an nur einem Ort“, resümierte der ORF-Wetterexperte Markus Wadsak in der ORF-„ZiB-2“ am Donnerstag.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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