08.07.2021 13:46 |

Kykladen

Paros: Sehnsuchtsinsel mitten in der Ägäis

Die weiß gekalkten Häuser der Kykladen leuchten mehr denn je, Meer und Himmel wetteifern um das strahlendste Blau - Paros, Sehnsuchtsinsel mitten in der Ägäis, hat die langen Corona-Monate genutzt, um sich frisch herauszuputzen. 

Landeanflug auf den Flughafen von Paros: Über die Luxusanwesen der Hollywood-Stars auf Antiparos hinweg - Tom Hanks und Whoopi Goldberg lassen grüßen - nimmt das Propeller-Flugzeug der „Aegean“ Kurs auf den kleinen Airport der Insel. Große Jets können wegen der kurzen Piste nicht landen, das hat Paros vor dem Massentourismus und Hotelkästen bewahrt.

Die Insel hat sich so den Charme des alten Griechenlands bewahrt, der schon beim ersten Kennenlernen kurz vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie bezauberte - und den sie in die touristische Neuzeit gerettet hat. Auch wenn die Zeit der Reiseverbote für Renovierungen und Neubauten genutzt wurde: Dank strenger Bauvorschriften blieb der typische Kykladen-Stil erhalten. Die niedrigen weißen Häuser mit den blauen Fensterläden blitzen entlang der dunklen Berghänge und fügen sich zu kleinen Städten zusammen, die wie frisch gefallener Schnee in der Sonne flimmern.

„Es wurde sehr viel investiert“, meint Griechenland-Kenner Daniel Kummer von DK-Touristik. „Paros ist exklusiver geworden.“ Vor allem im Norden rund um die Halbinsel Santa Maria haben sich reiche Griechen prachtvolle Villen gebaut. Und in Naoussa, immer schon Hotspot der Reichen und Schönen, denen die Nachbarinsel Mykonos zu überlaufen ist, lockt eine edle Boutique neben der andern. Ohne weite, weiße Gewänder, die dekorativ im Wind flattern, und riesigen Bast-Taschen geht heuer gar nichts ...

Auch nicht ohne Masken, die generell in Innenräumen und im Freien Pflicht sind. Auch für Kinder ab vier Jahren, wobei am Strand oder in Restaurants die Masken nicht gerade allgegenwärtig sind. Nachdrücklich eingefordert werden sie allerdings in Geschäften, im Flugzeug und auf den Flughäfen.

Vor dem Relaxen bei Sonne, Sirtaki und Ouzo gilt es allerdings auch, allerlei bürokratischen Aufwand zu erledigen: So ist vor der Einreise nach Griechenland die Registrierung im Internet notwendig. Man erhält dann kurz vor der Abreise einen Code - die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt ins Flugzeug einsteigen darf.

Notwendig ist auch eine Impfbestätigung, der Nachweis, Corona bereits überstanden zu haben, oder ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Einen Schnelltest braucht es dann erneut bei der Rückreise für den Inlandsflug von Paros nach Athen. Hotels organisieren auf Wunsch den Test um 40 Euro. Günstiger ist er in den offiziellen Medical Centers. Theoretisch wird der Internationale Impfpass akzeptiert.

Ungewohnt ist auch, dass vor einem Bootsausflug bei allen Passagieren Fieber gemessen wird. Doch danach heißt es nur noch die Seele baumeln lassen. Kapitän Nikos schippert mit seinem umgebauten Kaíki „Naousa“, dem traditionellen Boot der Kykladen, von Pounta aus ins Blaue. Im wahrsten Sinn des Wortes: Die „Blue Lagoon“ im winzigen Pantieronisi-Archipel schimmert in allen Tönen von Türkis bis zum satten Himmelsblau, das Wasser ist glasklar.

Dunkler und geheimnisvoller präsentieren sich dann die Höhlen von Antiparos. Schroffe Felsplatten stürzen Dutzende Meter in die Tiefe, wie Bühnenbilder öffnen sich immer neue Spalten und geben den Blick frei in kleine Höhlen und Buchten. Bei der größten von ihnen hält Nikos an: Durch das hohe Felsentor hinaus ins offene Meer zu schwimmen ist schon verlockend.

Getafelt wird dann auf Despotiko, wo vor vielen Jahrhunderten ein Apollon-Tempel stand. Heute ist die Insel unbewohnt, nur ein paar Ziegen flanieren über den Strand. Nikos und seine Crew tischen auf, dass sich die Tische unter dem Schilfdach biegen. Wie es eben Tradition ist: Griechische Gastfreundschaft wird von alters her hochgehalten.

Auch im Restaurant Barbarossa, bei Evgenios; einem Charmeur, von dem George Clooney noch lernen könnte. Mit großer Geste verwöhnt er seine Gäste im alten Hafen von Naoussa. Die Fischerboote schaukeln in der Dämmerung, in der Agyou-Nicholaou-Kapelle brennen die Kerzen, ganze Familienclans genießen die laue Abendluft und schlemmen Evgenios‘ kulinarische Kreationen.

Denn auch beim Essen hat sich einiges geändert. Der Choriatiki-Salat ist zwar immer noch der Klassiker, aber die Köche auf Paros haben das genießerische Experimentieren entdeckt und unter anderem einen Insel-Salat mit Kapernblättern und dem cremigen Xinomyzithra-Käse kreiert. Oder Oktopus mit Honig - klingt seltsam, schmeckt aber umwerfend gut. Und erinnert an den klassischen Stifado mit Zimt, Kreuzkümmel und viel Zwiebeln, wie er in der Taverne Aeolis in Parikia serviert wird. Direkt am Livadia-Beach - näher am Wasser geht es nicht mehr - lässt sich im Aeolis mit einem Ouzo auch der beeindruckende Sonnenuntergang genießen.

Überhaupt die Strände - Paros hat so viele, dass es mehr als einen Urlaub braucht, um alle zu entdecken. Da lockt die kleine Bucht beim Hotel Paros Bay, um schon am frühen Morgen ins Meer zu hupfen, oder der familiäre Strand von Alyki; der Pounda-Beach gilt dank des zwischen Paros und Antiparos durchpfeifenden Meltemi als Mekka der Surfer. Mehrere schöne Sandstrände finden sich auf der Halbinsel Santa Maria, und Kolimbithres hat das außergewöhnlichste Ufer überhaupt zu bieten: Meer und Wind haben rosafarbene Felsen, glatt geschliffen und zu seltsamen Skulpturen geformt, die aus dem warmen, seichten Wasser ragen.

In der Antike waren es weiße Felsen, die Paros berühmt machten. Der Marmor der Insel war bei Bildhauern begehrt, die berühmteste Statue aus parischem Marmor, die Venus von Milo, steht im Louvre. Auch die Tempel der Götter waren aus Marmor, Erdbeben hielten sie dennoch nicht stand. Immerhin wurden die Trümmer recycelt: Überreste von Säulen und kunstvoll gemeißelten Reliefs finden sich in der monumentalen Mauer des venezianischen Forts in Parikia.

Von den alten Heiligtümern ist wenig erhalten. In Delion stehen noch die Grundmauern des Apollon-Heiligtums, auf dem Koukounaries, einem felsigen Hügel im Norden, die Überreste einer mykenischen Akropolis. Eines ist allen gemeinsam: Die Erbauer hatten sich die schönsten Plätze mit prachtvoller Aussicht über die Inseln der Ägäis ausgesucht.

Später galt dies aus Angst vor Überfällen durch Piraten nicht mehr: Lefkes, die alte Hauptstadt, liegt vom Meer aus unsichtbar, inmitten von alten Bäumen in den Bergen.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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