Chips statt Röhren

Musik der Straße: Fünf Meilensteine beim Autoradio

Motor
26.07.2021 00:00

Vom klobigen Röhrenempfänger zur multimedialen Informationszentrale: Das Autoradio hat in den vergangenen 100 Jahren eine imposante Entwicklung durchgemacht. 

(Bild: kmm)

Bastellösungen - die klobigen Anfänge:
Seinen Ursprung hat das Autoradio in den frühen 1920er-Jahren in den USA. Was zunächst Einzelstücke von Bastlern waren, gelangte bald zu breiter Beliebtheit unter der wachsenden Autofahrer-Fraktion - trotz fragiler Röhrentechnik, klobiger Gehäuse und der quer über die Windschutzscheiben gespannter Antennendrähte. In Europa kamen die Autoradios erst ein knappes Jahrzehnt später an. Das erste Seriengerät war das „Blau Punkt Autosuper 5“ von Bosch, das 1932 auf der Funkausstellung in Berlin präsentiert wurde.

Die ersten Autoradios mussten noch im Fußraum untergebracht werden. (Bild: Daimler)
Die ersten Autoradios mussten noch im Fußraum untergebracht werden.

Kompakte Bauweise - rein ins Armaturenbrett:
War das erste Autoradio bei uns noch 12 Kilo schwer und musste umständlich im Beifahrer-Fußraum installiert werden, wurden die Geräte nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich kompakter, sodass sie komplett ins Armaturenbrett passten. Zu den ersten Exemplaren zählte das Becker AS 49, das ab 1950 als Sonderausstattung für den Mercedes 170 S lieferbar war. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Vereinfachung war die Autoradio-DIN-Norm von 1984 (DIN-ISO 7736), die Anschlüsse und Gerätegröße vereinheitlichte, sodass jedes Radio in jedes Fahrzeug passte.

(Bild: Daimler)

Transistoren - weg mit den Röhren:
Die lange Zeit unverzichtbaren Elektronenröhren waren für den Einsatz im Auto tendenziell zu empfindlich, sodass sie schon seit den 1950er-Jahren schrittweise durch die robusteren und kleineren Transistoren ersetzt wurden. Das erste reine Transistorradio für das Auto brachte Philips 1961 auf den Markt, 1963 folgte das noch heute bekannte Becker Monte Carlo. Parallel wurden auch außerhalb des Autos Kofferradios populär. Einige Hersteller verbanden beide Ideen und entwickelten an einem Henkel mitnehmbare Autoradios, die auch außerhalb des Fahrzeugs betrieben werden konnten.

Der CD-Spieler zog in den 90ern ein, ein Jahrzehnt später kam das Navi. (Bild: Daimler)
Der CD-Spieler zog in den 90ern ein, ein Jahrzehnt später kam das Navi.

UKW - Raumklang ohne Rauschen:
Empfingen die ersten Radios noch Signale im AM-Band, kam in den 1960er-Jahren die Ultrakurzwelle auf, die qualitativ hochwertige Tonqualität („High Fidelity“) mit weniger Rauschen sowie zweikanalige Stereo-Übertragung erlaubte. Ins Auto zog die Technik 1969 mit dem „Frankfurt Stereo“ von Bosch ein, die Konkurrenz folgte kurze Zeit später. Mittlerweile hat der digitale Rundfunk seinen terrestrischen Vorläufer abgelöst. Neben der noch einmal besseren Sound-Qualität bietet der DAB-Standard eine bessere Empfangbarkeit und ein breiteres Sender-Angebot. Seit Dezember 2020 sind Neuwagen nur mit UKW-Radio nicht mehr zulassungsfähig; ist ein Radio an Bord, muss es sich zwingend um ein DAB+-Modell handeln.

Der DIN-Schacht macht den Wechsel der Geräte einfach. (Bild: Daimler)
Der DIN-Schacht macht den Wechsel der Geräte einfach.

Kassette und Co - Radio allein reicht nicht:
Radio-Hören allein reichte den Autofahrern bald nicht mehr. Bereits Ende der 50er-Jahre kamen Plattenspieler zur Montage unter dem Armaturenbrett auf den Markt, die sich aufgrund ihrer mechanischen Irritierbarkeit aber nie etablieren konnten. In den 1960er-Jahren setzte sich dann die Ton-Kassette durch, die auch auf holpriger Straße nicht ins Stottern kam. Noch einmal 20 Jahre später begann die CD ihren Siegeszug, der aber mittlerweile ebenfalls ins Stocken geraten ist. In Neuwagen ist ein CD-Spieler bereits kaum mehr zu bekommen, stattdessen wird Musik aus dem Internet oder vom Handy gestreamt. Generell ist das einstige Radiogerät mittlerweile zur Infotainmentzentrale geworden, die neben Unterhaltung auch Routenplanung, Verkehrsinformationen und Wetterdaten liefert.

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(Bild: kmm)



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