18.05.2021 13:30 |

Für mehr Sicherheit

ÖAMTC fordert Blinker für E-Scooter ab Werk

E-Scooter prägen inzwischen vielerorts das Stadtbild. Allein in Wien gibt es rund 9000 Leih-Modelle. Die Roller sind rechtlich im wesentlichen Fahrrädern gleichgestellt. Für sie gilt daher auch die verpflichtende Anzeige der Richtungsänderung, etwa ein Handzeichen beim Abbiegen. Genau das erhöht jedoch die Sturzgefahr, weil die Roller, wenn sie mit einer Hand gelenkt werden, instabil werden. Der ÖAMTC fordert daher, die Fahrzeuge bereits ab Werk mit Blinkern auszustatten.

„E-Scooter-Fahrer müssen genau wie Radfahrer jede Richtungsänderung klar erkennbar anzeigen. Allerdings ist das mittels Handzeichen bei E-Tretrollern aufgrund des instabileren Fahrverhaltens deutlich schwieriger als bei Fahrrädern und erhöht die Sturzgefahr“, berichtete ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Bei einer Live-Demo im ÖAMTC-Mobilitätspark Erdberg präsentierten Experten des Clubs ein mit Blinkern nachgerüstetes Fahrzeug. „Trotz Schwächen stellen Nachrüstblinker eine brauchbare Alternative zu Handzeichen dar“, sagte die Verkehrsexpertin. Für neue Fahrzeuge fordert der ÖAMTC indes ab Werk Blinkersysteme, die direkt in das Bedienkonzept integriert werden.

Für die Nachrüstung haben die Techniker des Mobilitätsclubs ein über den Online-Handel verfügbares Blinkersystem aus dem Fahrrad-Zubehörmarkt um rund 50 Euro gewählt, das vorne und hinten mit nur einem Bedienelement koppelbar ist. Die LED-Leuchtelemente haben eine USB-Ladebuchse und funktionieren über kabellose Signalübertragung. „Die Nachrüstung ist je nach Rollertyp einfach bis mittelschwer umsetzbar und funktioniert prinzipiell gut. Schwächen zeigt das System z. B. bei der Anordnung der Bedienknöpfe mit oben-unten statt links-rechts. Außerdem muss der Blinker sowohl ein- als auch ausgeschaltet werden. Hier wäre Tipp-Blinken mit beispielsweise mindestens drei Blink-Sequenzen wie im Pkw besser“, resümierte ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Nachrüst-Blinker keine „valide Lösung“
Weitere Kritikpunkte bei den Nachrüstungen betrafen die kurze Akku-Laufzeit, die umständliche Befestigung, weil die Elemente nicht für die Montage am Roller konzipiert sind, sowie den mangelnden Schutz gegen Diebstahl und Vandalismus. „Ein Blinkersystem ab Werk könnte ohne diese Schwächen ideal an die Fahrzeuge angepasst werden“, meinte Kerbl. In der Nachrüstung sieht er deshalb keine „valide Lösung“, die Forderung an die Roller-Hersteller sei eine „zumutbare“, denn so könnten die Fahrer „beide Hände am Lenker behalten“.

Trotz Spielzeug-Charakter gefährlich
Genau Unfallzahlen für Österreich gibt es nicht. Hierzulande werden die Lenker von E-Scootern gemeinsam mit E-Bikern geführt. Im Vorjahr gab es in dieser Kategorie 2087 Unfälle mit Personenschaden, 19 E-Radfahrer und ein E-Scooter-Lenker wurden getötet, berichtete Seidenberger. In Deutschland wiederum werden die E-Roller-Unfälle extra ausgewertet. Hier gab es im Vorjahr 343 schwerverletzte E-Scooter-Lenker und fünf Tote. Dritthäufigste Unfallursache waren vergessene Abbiegezeichen, nach falscher Straßenbenützung und hoher Geschwindigkeit.

„Die Geräte wirken harmlos, es sind weder Schutzausrüstung noch Ausbildung notwendig, mit Radausweis können bereits Zehnjährige diese Geräte im Straßenverkehr verwenden. Große Geschicklichkeit, gutes Balancegefühl und hohes Risikobewusstsein sind wichtige Nutzungsvoraussetzungen und dürfen trotz des optischen Spielzeug-Charakters nicht vernachlässigt werden“, forderte Seidenberger.

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