27.03.2021 06:00 |

Wunsch & Wirklichkeit

Große Reiselust und Fernweh trotz Regelfrust

Umsatzeinbruch und Buchungsminus - die meisten Kunden setzen aktuell maximal auf einen Sommeraufenthalt in Österreich.

Gedrängel am Frühstücksbuffet, reservierte Liegen am Pool, Zeit totschlagen vorm Abflug - Reiseärgernisse, die Österreicher früher genervt haben, sehnen viele jetzt fast zurück. Denn Hotels in Österreich sind zu, von Reisen ins Ausland rät die Regierung dringend ab. Wer trotzdem fährt, muss häufig vor Ort und fast immer bei der Heimkehr in Quarantäne. Der Osterurlaub ist daher auch heuer bei den meisten wieder gestrichen, und wie normal sich der Sommer 2021 gestalten wird, hängt wohl vom Impfmanagement der Regierung, den Reise-Regeln in der EU und im Urlaubsland ab.

„Derzeit gibt es keine Reisewarnung für Australien, Island, Neuseeland, Norwegen, Singapur, Südkorea und den Vatikan“, erklärt Raiffeisen-Reisen-Boss Bernd Knoflach. Allerdings lassen die meisten dieser Länder keine Urlauber ins Land. Trotz großer Reiselust und Fernweh sind die Möglichkeiten damit sehr begrenzt. „Im Moment sind noch sehr viele Fragen offen, weshalb noch nicht so aktiv gebucht wie gesucht wird“, berichtet Helga Freund, Chefin von Ruefa und Eurotours.

Viele buchen heuer einen Urlaub in Österreich
Klassische Ziele am Mittelmeer sind wie immer Sehnsuchtsorte. Viele gehen aber auf Nummer sicher und buchen Österreich. Beim Raiffeisen-Jahreskatalog mit begleiteten Reisen wurde ganz bewusst ein Schwerpunkt auf Österreich und Europa gelegt. Termine ab Sommer werden ganz gut angenommen.

„Der Umsatz der Reisebüros ist um 90 Prozent zurückgegangen“, weiß der Sprecher der Branche, Gregor Kadanka. Die Sommerbuchungen liegen laut Rewe-Touristik-Chef Martin Fast teils 80 Prozent hinter dem vergleichbaren Zeitraum 2019. Bei Reiseriese TUI beläuft sich das Minus aktuell auf 60 Prozent - andere Anbieter berichten über ähnliche Entwicklungen.

Busreisen sind aktuell noch verboten
Die Rahmenbedingungen für Bus-Reisen-Anbieter wie Blaguss sind noch unerfreulicher. Laut aktueller Market-Studie wollen nur 3,1 Prozent der Österreicher heuer mit dem Bus Urlaub machen; aktuell sind sie noch verboten. Der Mühlviertler Busspezialist Roland Kastler hofft trotzdem: „Wir haben für 2021 ein umfangreiches Programm im In- und Ausland ausgearbeitet.“ Um Reisen mit extrem hoher Durchführungswahrscheinlichkeit zu haben, biete man auch Mehrtages- und Wanderreisen in Österreich an.

Wer bereits jetzt für den Sommer bucht, läuft Gefahr, dass die Reise nicht stattfinden kann. „Wer es trotzdem tun möchte, sollte sich unbedingt vom Veranstalter schriftlich zusichern lassen, dass ein kostenloses Storno aufgrund der Pandemie möglich ist“, rät ÖAMTC-Expertin Verena Pronebner. Bei einer Pauschalreise ist man auch im Falle der Insolvenz des Anbieters abgesichert.

Sind Kunden nicht flexibel, kann langes Zögern auch problematisch sein.„Durch den starken Nachholbedarf rechnen wir damit, dass im Juli und August die Flieger schnell ausgebucht sein werden“, so der Chef von TUI Österreich, Gottfried Matt (Bild oben). Das ist wohl keine leere „Drohung“, da es heuer viel weniger Angebot als in den vergangenen Jahren geben wird.

Eva Mühlberger
Eva Mühlberger
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