27.03.2021 06:00 |

„Ernste Gefahr“

Cyber-Krieg gegen USA: Biden will zurückschlagen

Das Bild der bisher ärgsten digitalen Hacker-Angriffe auf die USA gewinnt langsam an Konturen und versetzt die USA in große Sorge um die nationale Sicherheit: Die öffentliche und private Infrastruktur (Energienetze, Atomkraftwerke) sind in Gefahr, Datenabschöpfung aus den Ministerien lange unentdeckt.

Diese verheerenden Cyber-Überfälle nehmen immer mehr den Charakter von Kriegshandlungen an. Das wird, das kann nicht ohne Folgen bleiben. Präsident Biden will jetzt zurückschlagen, und „es wird nicht bei Sanktionen bleiben“.

Die Behörde für Cyber- und Infrastruktursicherheit (Cisa) stuft die Attacken als „ernste Gefahr“ ein. US-Präsident Biden kündigte an, solche Angriffe würden unter seiner Regierung nicht unbeantwortet bleiben. Verantwortliche würden in Abstimmung mit Verbündeten zur Rechenschaft gezogen werden. „Unsere Gegner sollten wissen, dass ich als Präsident Cyberangriffen auf unsere Nation nicht tatenlos zusehen werde.“ Was über den jüngsten Angriff bekannt sei, sei sehr besorgniserregend. Das von Bidens Demokraten dominierte US-Repräsentantenhaus teilte mit, die Attacken „könnten potenziell verheerende Folgen für die nationale Sicherheit der USA haben“.

„Akt der Unverfrorenheit“
„Das ist keine ,normale Spionage‘, selbst im digitalen Zeitalter. Stattdessen handelt es sich um einen Akt der Unverfrorenheit, der eine ernsthafte technologische Verwundbarkeit für die Vereinigten Staaten und die Welt geschaffen hat“, schrieb Microsoft-Präsident Brad Smith in einem ausführlichen Blog-Eintrag. „Wir leben in einer gefährlicheren Welt, und es benötigt eine stärkere und koordiniertere Reaktion.“

Die US-Regierung will auf den massiven Hackerangriff auf Regierungseinrichtungen und Firmen, hinter dem amerikanische Sicherheitsbehörden Russland vermuten, mit verschiedenen Maßnahmen reagieren. „Es werden nicht einfach Sanktionen sein“, sagte der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Biden, Jake Sullivan. „Wir werden sicherstellen, dass Russland versteht, wo die Vereinigten Staaten die Grenze für diese Art von Aktivitäten ziehen“, sagte Sullivan. Dafür sei eine umfassendere Reihe an Maßnahmen nötig.

Im Dezember war bekannt geworden, dass Hacker in die Systeme verschiedener Ministerien, Bundesbehörden, aber auch Unternehmen eingedrungen waren. Die Angreifer hatten sich – besonders heimtückisch – den Zugang über die vielerorts genutzte Warnsoftware der Firma SolarWinds verschafft. Diese Software war von Nutzern als Schutz (!) gegen Hacker-Angriffe installiert worden.

Ermittler in den USA sind auch überzeugt, dass sich Nordkorea mit Hackerangriffen nötiges Geld beschafft. Eine nun entsiegelte Anklageschrift wirft ein Schlaglicht darauf.

Nordkoreanische Programmierer angeklagt
So hat das US-Justizministerium wegen einer Reihe von „zerstörerischen Cyberangriffen“ Anklage gegen drei nordkoreanische Computerprogrammierer erhoben. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, für den nordkoreanischen Militärgeheimdienst gearbeitet und versucht zu haben, mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar von Banken und Unternehmen auf der ganzen Welt zu stehlen oder durch Computerblockade zu erpressen.

Ziel der Angriffe sei gewesen, Geld für die Finanzierung des Regimes zu erbeuten oder Rache zu üben, erklärten die Ermittler. Prominentestes Beispiel darunter ist die Attacke auf das Filmstudio Sony Pictures, die im November 2014 für Wochen das gesamte Computernetz des Filmstudios lahmlegte. Zudem waren damals E-Mails aus mehreren Jahren erbeutet worden. Der Cyberangriff galt als Racheaktion für die Filmsatire „The Interview“ über einen fiktiven Anschlag auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un.

Gelderpressung für das Atomwaffenprogramm
Über mehrere Jahre hinweg sollen die Verdächtigen zudem versucht haben, Geld von Banken unter anderem in Vietnam, Bangladesch, Malta und Mexiko zu erbeuten, so die Vorwürfe.

Nordkorea ist wegen seines Atomprogramms international isoliert. Harte Sanktionen hemmen die wirtschaftliche Entwicklung. „Nordkoreas Agenten, die Tastaturen statt Waffen verwenden und digitale Geldbörsen mit Kryptowährung statt Säcken voller Bargeld stehlen, sind zu den weltweit führenden Bankräubern geworden“, heißt es in den US-Ermittlungen. Nordkorea gehöre zu den „raffiniertesten nationalstaatlichen Cyber-Akteuren der Welt“.

Ein interner Bericht der Vereinten Nationen hatte kürzlich festgestellt, dass Nordkorea auch sein Atomwaffenprogramm unter anderem mit Hacker-Aktivitäten finanziert. Diese sollen direkt vom nordkoreanischen Geheimdienst ausgeführt werden.

Kurt Seinitz
Kurt Seinitz
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