28.02.2021 06:30 |

Für Familien in Not

„Krone“ und Caritas starten erneut Corona-Nothilfe

Unverschuldet. So landeten wir alle in dieser Krise. Aber manche trifft es so hart, dass sie nach einem Jahr Pandemie um ihre Existenz bangen. Armut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Aus diesem Grund wollen „Krone“ und Caritas unterstützen und starten deshalb wieder die Corona-Nothilfe. Bitte helfen auch Sie!

Das Kleinste brabbelt munter dahin, die zwei größeren sind ganz in ihr Spiel vertieft. Sie wissen nichts von den Sorgen ihrer Eltern. Charles lächelt seine Kinder liebevoll an. Er möchte wie alle Eltern nur, dass es ihnen gut geht. Doch mittlerweile wird es knapp. Finanziell. Familie L. entspricht nicht dem klassischen Bild, das man sich unter „arm“ vorstellt - und gerade deswegen steht sie für so viele Familien in Österreich, die nun in der Krise um ihre Existenz kämpfen müssen. Familie L. ging es bis vor Corona gut, sie lebt in einem Haus in Niederösterreich. Charles arbeitete in der gehobenen Gastronomie, zuletzt als Kellner. Doch vor einem Jahr im März, als alles begann, wurde er arbeitslos. „Von heute auf morgen wurden wir alle gekündigt“, erinnert er sich.

Da das Grundgehalt in der Gastronomie niedrig ist und ein Gros seines Einkommens aus dem Trinkgeld bestand, hat sich sein Einkommen durch das Arbeitslosengeld plötzlich drastisch verringert. Vorerst konnte sich die Familie mit dem Ersparten, der Unterstützung durch den Corona-Familienhärtefallfonds und Stundungsansuchen über den ersten Lockdown retten. Als die Gastronomie wieder aufsperrte, hatte Charles seinen Job wieder - doch nur vorübergehend, bis alles wieder schließen musste. Charles suchte nach Jobs, bewarb sich sogar in Bayern, in der Hoffnung, dass die Gastronomie dort schneller wieder öffnet.

Theoretische Job-Zusagen sind aktuell keine Hilfe
„Ich habe die Zusage für einen Job als Restaurantleiter“, sagt er. Auch für seine „alte“ Stelle gibt es eine Wiedereinstellungszusage. Aber wann die Lokale wieder aufmachen dürfen, ist noch völlig ungewiss. So helfen die Zusagen der Familie aktuell leider nichts. Und ihre Lage wird immer prekärer.

„Alles an unseren Konten ist so ausgereizt, dass es bald vorbei ist“, sagt Charles. Kredit- und Leasingraten sind noch gestundet, aber das lässt sich auch nicht ewig weitermachen, „und irgendwann muss ich es sowieso zurückzahlen“. Charles hält kurz inne, sagt dann: „Wenn es meine eigene Schuld wäre, weil ich was verbockt, eine blöde Entscheidung getroffen hätte, dann wäre es etwas anderes.“ Aber dem ist ja nicht so. Er tut, was er kann, damit die Familie durch die Krise kommt. Doch Mahnungen flattern ins Haus, die Suche selbst nach geringfügiger Beschäftigung ist schwierig.

„Wenn es meine Schuld gewesen wäre“
Langsam schwindet der Optimismus. „Ich hatte immer einen Masterplan für mein Leben“, sagt er, „jetzt bleibt man mit den Sorgen allein. Meine Frau sagt, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir alles hergeben müssen. Aber mein ganzes Leben habe ich dafür gearbeitet, und dann wird es einem nicht einmal aus eigenem Verschulden genommen.“ Im November wandte sich Charles an die Caritas Sozialberatung. Dort erhielt er Unterstützung bei den dringendsten Problemen. Um Menschen wie Familie L. zu helfen, haben „Krone“ und Caritas schon zu Beginn der Pandemie im Vorjahr den Corona-Nothilfefonds gegründet. Wir waren dankbar für so viel Solidarität: Hunderte Unternehmen und Tausende Privatpersonen halfen das Jahr über mit Spenden oder bei Initiativen wie „Füreinand“ und „Plaudernetz“.

Corona-Nothilfefonds geht weiter
Im März ist der Jahrestag des ersten Lockdowns, die Krise ist nicht vorbei. Armut ist in der Mittelschicht angekommen. In die Sozialberatungen der Caritas kommen Menschen, die sich zuvor nie gedacht hätten, je selbst Hilfe zu brauchen. Alleinerziehende, Familien, Niedriglohnempfänger, Selbstständige, die ihre Firmen zusperren mussten - Menschen, die sich und ihre Lieben vor Corona gut versorgt wussten.

Die Dauer der Krise zerrt an den Kräften, den Betroffenen geht der Atem aus. Deshalb fahren „Krone“ und Caritas ihren Nothilfefonds wieder hoch. Mit der großen Bitte: Helfen bitte auch Sie - danke!

Wenn Sie Hilfe benötigen, einsam sind oder sich engagieren möchten
Sie brauchen dringend Hilfe, befinden sich in akuter Not? Die Caritas hat eine Corona-Nothilfe-Hotline eingerichtet: 05/177 6300, erreichbar Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr. Beim „Plaudernetz“ ist man nicht einsam, da hat immer jemand ein offenes Ohr, unter 05/177 6100 erreichbar täglich von 12 bis 20 Uhr. Und die Plattform „Füreinand“ bringt Helfende und Hilfesuchende zusammen. Alle Infos zu den Initiativen gibt es unter fuereinand.at

Brief an die Leserinnen und Leser von Klaus Herrmann
Schattenseite
Ja, wir halten so vieles nach einem Jahr Corona und mehreren Lockdowns kaum noch aus. Aber immerhin bekommt die Mehrheit von uns weiterhin ihr Gehalt, gar nicht wenige haben wegen eingeschränkter Kaufmöglichkeiten und Kauflust sogar mehr Geld gespart als zu Vor-Corona-Zeiten. Doch es gibt auch jene Menschen, für die diese Zeiten nicht trübe, sondern finster sind. Weil sie ihren Job oder ihre Firma verloren haben. Plötzlich Kreditraten oder Miete nicht mehr bezahlen können, denen oft sogar das Geld für den Lebensmitteleinkauf für die Familie fehlt.

Kein Wunder, wenn diese Menschen verzweifeln. Sie zweifeln an sich selbst, weil sie ihre Familie nicht mehr ernähren können, verzweifeln an der Aussichtslosigkeit ihrer Situation. Bereits im 1. Lockdown vor nicht ganz einem Jahr widmete sich die „Krone“ mit der Caritas den ersten Opfern dieser Jahrhundertkrise. So konnten wir mit Spenden unserer Leser viele Notlagen lindern, den Betroffenen das Gefühl geben, dass sie in ihrem Absturz von Mitmenschen aufgefangen werden.

Durch den 2. und 3. Lockdown hat sich die Situation weiter verschärft, noch mehr Menschen brauchen unsere Hilfe. Bringen wir mit dieser Corona-Nothilfe jenen Menschen ein wenig Licht, die unverschuldet auf die Schattenseite des Lebens geraten sind!

Klaus Herrmann, geschäftsführender Chefredakteur

 Ombudsfrau
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Donnerstag, 15. April 2021
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