25.01.2021 12:36 |

Neue EU-Strategie

Echtzeit-Überweisung statt Bargeld bald Normalität

Bargeld als Zahlungsmittel rückt immer mehr in den Hintergrund - nicht zuletzt die Corona-Krise hat den digitalen Alternativen im letzten Jahr einen massiven Aufschwung beschert. Die EU will diese Entwicklung stärken und hat im Herbst 2020 eine Strategie hierfür formuliert - die Retail Payment Strategie. Ziel ist es, neue europäische Geschäftsmodelle zu fördern. Zudem sollen Echtzeitzahlungen - Instant Payments - Standard werden.

„Aus Sicht der OeNB sollten Instant Payments de facto bis 2025 zum ‘New Normal‘ werden“, sagte Stefan Augustin, Direktor der Hauptabteilung Beteiligungen, Zahlungsverkehr und Interne Dienste bei Österreichischen Nationalbank (OeNB), am Montag. „Jetzt ist es wichtig, die Chancen von Echtzeitzahlungen zu nutzen, wenn man als Bank im Wettbewerb mit alternativen Zahlungsdienstleistern nicht zurückfallen will.“

Die OeNB wolle die Position der heimischen Banken weiter stärken. Das gehe aber nur mit einem breiten Rollout von Instant Payments, so Augustin. Diese müssten deshalb rasch in die Kernbankensysteme Einzug finden.

Corona-Krise beschleunigt Abkehr vom Bargeld
In Österreich sei Bargeld immer noch ein bedeutender Faktor, man bewege sich aber mehr und mehr in Richtung einer Hybrid-Zahlungslandschaft, so Augustin. Die Corona-Krise habe zu einer rascheren Digitalisierung beigetragen. 2020 seien in Österreich fünf Milliarden Euro an Konsumenten-Transaktionen durchgeführt worden, davon rund drei Milliarden Euro in Bar, eine Milliarde über Kartenzahlungen und eine weitere Milliarde über Konto-zu-Konto-Überweisungen.

EU-weite Sofortzahlungen bis Ende 2021
Die EU-Strategie sieht vor, dass Instant Payments bis Ende 2021 überall in der EU möglich sind. Dafür ist jedoch auch eine gewisse Harmonisierung zwischen den einzelnen Ländern nötig, so Holger Neuhaus, Head of Division Market Infrastructure and Payments der Europäischen Zentralbank (EZB).

Zwar gebe es vereinzelt - beispielsweise in Schweden oder Holland - bereits innovative Zahlungs-Lösungen, jedoch gebe es keinen übergreifenden europäischen Standard, mit dem die Systeme untereinander kommunizieren könnten. Hier will die EU mit ihrer Strategie einhaken, europaweite Systeme fördern und so die Fragmentierung verringern. Wichtig sei dies auch, damit sich die EU gegen die internationale Konkurrenz besser behaupten kann. Derzeit bestimmen internationale Technologieriesen wie Apple oder Google den Markt, wenn es um mobiles Zahlen geht.

Einen europäischen Ansatz verfolgt hier der österreichisch-schweizerische Bezahldienst Bluecode, der mit der „European Mobile Payment Systems Association (EMPSA)“ das Ziel verfolgt, ein europaweites „Payment Roaming“ zu entwickeln, sagte Bluecode-Chef Christian Pirkner. Die Lösung solle noch in diesem Jahr „live gehen“, so Pirkner.

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