09.12.2020 09:06 |

Mehrwertsteuerlücke

So viel Geld entgeht dem Fiskus durch Amazon & Co.

Bis zu 680 Millionen Euro an Mehrwertsteuer-Einnahmen entgehen dem heimischen Fiskus heuer durch ausländische Online-Händler wie Amazon & Co. „Sehr viel Geld, das gerade in Zeiten wie diesen - mit milliardenschweren Finanzhilfen - dem Staatshaushalt dringend fehlt“, so der Linzer Ökonom Friedrich Schneider, wissenschaftlicher Leiter der Initiative Wirtschaftsstandort OÖ (IWS), der die Verluste ausgerechnet hat.

Bei Annahme der gleichen Mehrwertsteuerlücke von acht Prozent für den ausländischen Distanzhandel und bei Annahme der Mehrwertsteuerlücke im ausländischen Distanzhandel von allen EU-Ländern in Summe von 7 bis 8,5 Milliarden Euro ergebe sich folgendes Ergebnis: In Österreich werde die Mehrwertsteuerlücke im Jahr 2020 im ausländischen Online-Handel zwischen 560 und 680 Millionen Euro betragen, erläuterte Schneider.

„Die Ursachen hierfür sind vielfältig - beispielsweise die mit 1.1.2021 endlich abgeschaffte Steuerbefreiung von Kleinsendungen unter 22 Euro, falsche Warenwert-Deklaration oder die Nichterfassung auf einer staatlichen Plattform“, so Schneider. Auch in der Europäischen Union gebe es Bestrebungen, die in allen EU-Mitgliedsländern bestehende Mehrwertsteuerlücke, die sich aus den Schwierigkeiten bei der Einhebung und aus Mehrwertsteuerbetrug zusammensetzt, zu berechnen und durch finanzpolitische Maßnahmen zu verringern.

„Der Staat sollte zuerst alle Steuern einheben, die von den Paketempfängern bezahlt und ohnedies fällig sind, bevor wieder neue Steuern eingeführt werden“, sagte IWS-Geschäftsführer Gottfried Kneifel. Die technische Umsetzung sei problemlos möglich: der Strichcode auf jedem Paket, per Scanner auf eine Plattform übertragen, könnte der Finanz tagfertig die offenen Mehrwertsteuer-Beträge der Konzerne liefern.

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