06.12.2020 05:31 |

Häuser evakuiert

Muren und Lawinen erschüttern Täler im Westen

Sowohl im Lesach- und Mölltal, als auch in Osttirol sorgt eine Wetterfront mit Regen und teils enormen Neuschneemassen für einen regelrechten Ausnahmezustand. Erst 2018 hatte das Sturmtief Vaia Schutzwälder der Region zerstört; daher ist die Lawinensituation besonders gefährlich. In Prägraten und in Hopfgarten in Osttirol wurden bereits mehrere Häuser zum Teil verschüttet. Evakuierungen wurden eingeleitet. Schulen und Kindergärten in betroffenen Regionen bleiben morgen geschlossen.

„Es herrscht große Lawinengefahr. Viele Häuser mussten abgesichert werden. Die Kärntner Zufahrt ins Tal ist bis Montag gesperrt“, so der Lesachtaler Bürgermeister Johann Windbichler, der bereits Notstromaggregate angefordert hat. „Sobald sich das Wetter etwas entspannt, werden diese eingeflogen.“

Lawine beschädigt Häuser
Sowohl im Lesachtal als auch in Teilen des Mölltals werden Bürger angehalten, ihre Häuser nicht zu verlassen. Wegen der Lawinengefahr mussten in Großkirchheim, Flattach, Mallnitz und in Prägraten in Osttirol Wohnhäuser evakuiert werden. Im Prägratener Ortsteil Hinterbichl ging noch am Samstagabend eine Lawine ab und beschädigte vier Häuser. Laut Polizei wurde niemand verletzt. 

Sonntagmorgen kam es auch in Hopfgarten im Defereggental und in Nussdorf/Debant zu einem Lawinenabgang, bei dem mehrere Häuser zum Teil verschüttet wurden. Auch hier wurde niemand verletzt.

Ebenfalls von einem Lawinenabgang erschüttert wurde die Gemeinde Obervellach im Bereich Berger-Steig an der Grenze zu Flattach. Bei der Kirche in Stallhofen rinnt Hangwasser in den Ort und verursacht Überschwemmungen. Außerdem sind im Mölltal bereits mehrere Muren abgegangen. Einsatzkräfte sind nach wie vor vor Ort. Behörden geben bekannt, dass aufgrund der extremen Wettersituation Schulen und Kindergärten in Lienz, im Oberen Mölltal, im Lesachtal, Kötschach-Mauthen und in Rennweg morgen doch nicht öffnen werden. 

Schneeräumung sehr gefährlich
In beiden Tälern blickt alles auf die Berge, wo noch heute, Sonntag, bis zu drei Meter Neuschnee fallen können und sich Schutzwälder nach wie vor nicht von den Sturmschäden von 2018 erholt haben.
In Kötschach-Mauthen wurden am Sonntag aus sicherheitsgründen die Räumfahrzeuge zurückbeordert, da die Zufahrt zu manchen Orten zu gefährlich wäre. „Bereits geringste Vibrationen von Schneepflügen können großen Schaden anrichten, denn wenn der durchnässte Schnee wegbricht kann dieser murenartig ins Tal donnern und sich zwischen den Häusern ausbreiten“, so die Experten. Deshalb sei derzeit auch keine Schneeräumung der Gemeindestraßen möglich. 

Auch im Lesachtal wurden die Räumungen zu Bergstraßen teilweise gestoppt, da die Fahrer bereits von Abgängen und starken Rutschen berichtet hätten. „Die Schneedecke kann die massiven Massermengen nicht mehr aufnehmen und wird in weiterer Folge instabil. Der Schnee geht dann fast murenartig ab.“

Das Wechselspiel zwischen Schnee und Regen sorgte in Kärnten und Osttirol allein am Samstag für mehr als 70 Feuerwehreinsätze. Gebäude wurden überflutet, Straßen von umgestürzten Bäumen verlegt. Am Zwenberg kippte einer auf eine Stromleitung, dabei fing der Dachstuhl eines Wohnhauses Feuer. Die FF rückte zum Löscheinsatz an.

Tausende Haushalte ohne Strom
Seit heute, Sonntagmorgen, sind in Osttirol rund 7000 Haushalte und in Spittal an der Drau und Umgebung rund 300 Häuser ohne Strom. Durch den heftigen Sturm in Unterkärnten ist es in Bad Eisenkappel in Leppen und Lobnig ebenso zu Stromausfällen gekommen.
Über Nacht hat sich die Wetterlage etwas beruhigt, Feuerwehren mussten nur vereinzelt zu Einsätzen ausrücken.Schneefall und Regen haben sich auch für heute angekündigt.

Mehrere Überschwemmungen
In St. Jakob im Rosental ist es in unmittelbarer Nähe des Kärntner Langlaufleistungszentrums zu Überschwemmungen gekommen. Der Hang konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Feuerwehr steht nach wie vor im Einsatz. 

Auch in Faak am See, in St. Paul im Gailtal und in Finkenstein sind Bäche über die Ufer getreten und Hänge abgerutscht. Mehrere Keller stehen unter Wasser. Die Feuerwehren sind mit Wasserumleitungen und Aufräumarbeiten im Dauereinsatz.

In Kötschach-Mauthen wächst bereits die Sorge vor Überschwemmungen. Durch verlegte Kanäle wurde vom Totenbach und den Schießstättenbach bereits Sonntagmorgen einiges an Wasser auf die Straßen geschwemmt.

Aktuelle Verkehrsbehinderungen
Die Tauernautobahn (A10) in Richtung Salzburg ist zwischen Spittal Ost und dem Wolsbergtunnel überflutet. Teilweise ist nur eine Fahrbahn befahrbar.
Lesachtal von Kärnten abgeschnitten: Die Gailtalstraße ist zwischen Kötschach Mauthen und Obertilliach gesperrt. Auch der Plöckenpass ist bis auf weiteres gesperrt. 
Die Apriacher Straße ist zwischen Fleißkehre und Döllach bis voraussichtlich Montag gesperrt.
Die Felbertauernstraße ist zwischen Mittersill und Matrei gesperrt.


In Seeboden ist der Fahrstreifen zwischen Tangern und Schloßau wegen einer abgerutschten Straßenböschung voraussichtlich bis morgen nicht passierbar. Die Obermillstätter Straße ist einspurig befahrbar. 
Schneekettenpflicht gilt auf dem Katschberg, dem Kreuzberg, dem Gailberg, der Windischen Höhe, der Koralm, auf der Innerfraganter Straße und auf der Großglocknerstraße zwischen Winklern und Dölsach sowie in Flattnitz und auf dem Nassfeld.
Bahnverkehr: Die Tauernstrecke ist bis auf weiteres eingestellt. Betroffen ist der Zugverkehr zwischen Spittal und Schwarzach-St.Veit. Die Sperren dauern bis einschließlich Montag an, ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet. 
Postbuslinienverkehr: Im Oberen Mölltal werden die Busverbindungen vorerst eingestellt. Die Strecke zwischen Obervellach und Spittal an der Drau ist davon aber nicht betroffen.

Elisa Aschbacher
Elisa Aschbacher
Manuela Karner
Manuela Karner
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