10.11.2020 14:43 |

Server angezapft

Das geheime Geschäft mit Amazon-Fake-Bewertungen

Dass man Produktbewertungen beim E-Commerce-Giganten Amazon nicht blind vertrauen sollte, weil diese gern gefälscht werden, ist seit langem bekannt. Nun zeigt ein Datenleck bei einem Lieferanten von Fake-Bewertungen, wie die Masche genau funktioniert: Er lässt ganz reale Amazon-Kunden im Gegenzug für gute Bewertungen gratis einkaufen.

Und das funktioniert so: In einschlägigen Gruppen beim Messenger-Dienst Telegram preisen sogenannte Agenten Produkte meist chinesischer Händler an, die auf Amazon verkauft werden und eine möglichst gute Bewertung bekommen sollen. Die Mitglieder dieser Gruppen kaufen die Produkte, verfassen eine Fünf-Sterne-Bewertung und schicken Screenshots von Kaufbeleg und Bewertung an den Agenten. Der überweist ihnen dann den Kaufpreis via PayPal, womit der Kauf kostenlos für die Fake-Bewerter war.

Server mit mehr als 14.000 Beweis-Screenshots angezapft
Nachvollziehen konnte das Computermagazin „Heise“ diese Masche, nachdem man aufgrund des Tipps eines anonymen Hinweisgebers Zugriff auf den Server erlangt hatte, auf dem die Beleg-Screenshots gespeichert wurden. Mehr als 14.000 Bilddateien - die eine Hälfte Kaufbelege, die andere Fake-Rezensionen - waren dort abgespeichert, viele der gefälschten Bewertungen seien immer noch online, heißt es in dem Magazin.

Bei den Produkten, die mit falschen Rezensionen hochgelobt wurden, handelte es sich in allen untersuchten Fällen um Ware chinesischer Händler, die weniger als 50 Euro kostete - von Kleidung über Elektronik bis hin zu Sextoys. Im Grunde handle es sich um billige No-Name-Ware, die für die Lieferanten der Fake-Rezensionen letztlich gratis ist.

Amazon kämpft mit Software und Spürtrupps gegen Fakes
Bei Amazon betont man, dass man mit technischen Mitteln und Prüfpersonal gegen Fake-Bewertungen kämpfe und mehr als zehn Millionen Rezensionen pro Woche untersuche. Gegen etliche Anbieter gefälschter Rezensionen habe man in Deutschland auch bereits einstweilige Verfügungen erwirkt, um diese von Fake-Rezensionen abzuhalten. Den Nutzern biete man außerdem mit dem „Missbrauch melden“-Link im Rezensionsbereich eine einfache Meldemöglichkeit bei Verdacht auf unrealistische Lobhudelei.

Doch es ist ein nicht enden wollender Kampf: Wird eine Telegram-Gruppe, in der Fake-Bewertungen koordiniert werden, dichtgemacht, eröffnet schnell wieder eine andere. Oft haben die Amazon-Kunden, die in solchen Gruppen aktiv sind, es nicht einmal mit einem echten Menschen zu tun, sondern mit einem Bot, der automatisiert zu Bewertungs-Betrügereien aufruft. Und selbst wenn die Koordinierung im Netz eingestellt würde, bliebe Anbietern auf der Suche nach guten Bewertungen noch eine andere Möglichkeit: Manche von ihnen legen einen Beipackzettel in ihre Pakete, auf dem sie dem Kunden Geld bieten, wenn dieser eine Fünf-Sterne-Bewertung hinterlässt.

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