10.11.2020 15:59 |

Corona-Begleitschäden

Appell: Herzinfarktsymptome unbedingt ernst nehmen

Gesundheitsvertreter haben sich am Dienstag mit einem eindringlichen Appell an die österreichische Bevölkerung gewandt. Trotz Lockdowns und zunehmend belegten Spitalsbetten sei es essenziell, dass sich Patienten etwa mit Herzinfarktsymptomen sofort in das nächstgelegene Krankenhaus begeben. Bereits in der Phase der ersten Ausgangsbeschränkungen kam es zu Corona-Kollateralschäden, da sich Patienten offenbar nicht in die Spitäler trauten.

Mit den neuerlich verschärften Maßnahmen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie haben die Berufsrettung Wien, die MedUni Wien und der Verein Puls dazu aufgerufen, Herzinfarktsymptome immer ernst zu nehmen und keinesfalls wegen des Coronavirus abzuwarten. Schließlich haben sich im ersten Lockdown Patienten oftmals nicht ins Spital begeben oder die Rettung verständigt, was zu Kollateralschäden führte.

Größere Herzinfarkte, mehr Patienten in einem infarktbedingten Schockzustand bei der Aufnahme im Spital, aber auch vermehrt Reanimationen durch die Rettung zu Hause waren die Folge.

Sorge vor Kollateralschäden
„Bei Verdacht muss der Patient oder die Patientin sofort ins Spital, wartet man ab, kann das massive Folgen haben“, warnten die Experten. Weltweit wurde seit Beginn der Pandemie über einen ungeklärten Rückgang der Häufigkeit von Herzinfarkt-Patienten berichtet. Wie eine neue Studie zeigt, wurde auch in Österreich im Laufe der ersten Welle der Pandemie eine um rund 40 Prozent geringere Hospitalisierungsrate von Herzinfarkt-Patienten verzeichnet.

Im Rahmen einer Analyse von Patrick Sulzgruber (Medizinische Universität Wien) und Mario Krammel (Berufsrettung Wien) konnte aufgezeigt werden, dass im Laufe der ersten Pandemie-Welle auch in Wien ein Rückgang von 42 Prozent bei den durch den Rettungsdienst versorgten Herzinfarkt-Patienten verzeichnet wurde. Besorgniserregend: Der Anteil an Herzinfarkt-Patienten mit Zeichen akuten Herzversagens sowie letztlich tödlichen Herzrhythmusstörungen nahm im Laufe des Beobachtungszeitraums drastisch zu.

Erkrankungen oft verschleppt
„Hervorzuheben ist, dass mit einer Verzögerung von etwa zwei Wochen nach Beginn des Rückgangs der Herzinfarkte ein deutlicher Anstieg der Infarkt-Patienten mit Zeichen des akuten Herzversagens beobachtet wurde“, hielt Patrick Sulzgruber, der Leiter der Studie, fest.

„Wenn typische Symptome wie etwa starke und länger als zehn Minuten anhaltende Schmerzen hinter dem Brustbein, die in einen Arm, den Hals oder den Bauch ausstrahlen können, oder ein Engegefühl oder Brennen in der Brust auftreten, so ist ohne Verzögerung die Rettung zu verständigen“, erklärt Niessner.

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