14.10.2020 12:08 |

Berge, Seen, Kulinarik

Vier Pfoten unterwegs: Wanderurlaub mit Hund

Immer mehr Menschen zieht es zum Wandern in die Berge. Viele von ihnen sind Hundehalter, die auch im Urlaub ihr Tier nicht missen möchten. Müssen sie auch nicht!

Für uns alle ist es ein Novum. Unser erster Wanderurlaub, und dann gleich mit Hund. Wenn wir verreisten, blieb Hündin „Kira“ bisher in der liebevollen Obhut einer Freundin. Mein schlechtes Gewissen war jedoch ein ständiger Begleiter. Also soll der Hund diesmal mit. Denn Wandern mit Hund bereitet nicht nur sehr viel Spaß, sondern schweißt zusammen und ist noch dazu gesund für alle Beteiligten.

Unser Ziel ist Lech am Arlberg, eine von insgesamt 47 Regionen, die im Verein Österreichs Wanderdörfer e. V. zusammengefasst sind und unter dem Motto „Die Magie des Gehens“ in regelmäßigem Erfahrungsaustausch stehen. Hier sind auch Hunde gern gesehene Gäste. Das gemütliche Hotel Aurora der Familie Muxel zum Beispiel ist so ein Betrieb. In dem Vier-Sterne-Haus, das auf eine langjährige Tradition zurückblicken kann, sind sowohl Zwei- als auch Vierbeiner herzlich willkommen und werden liebevoll umsorgt.

Der Lech, jener Fluss, der dem Ort seinen Namen gegeben hat, entspringt im Lechquellgebiet und speist sich aus dem Formarin- und dem Spullerbach. Mitten im Quellgebiet nahe dem Formarinsee auf einer Höhe von 1793 Metern beginnt der 125 Kilometer lange Lechweg, ein mit dem europäischen Qualitätssiegel „Leading Quality Trails of Europe“ zertifizierter Weitwanderweg, der länderübergreifend in fünfzehn Etappen bis zum Lechfall in Füssen/Deutschland führt.

Malerischer Formarinsee unter der Roten Wand
Wir haben uns vorgenommen, die erste Etappe vom Formarinsee, der 2015 zum schönsten Platz Österreichs gewählt wurde, nach Lech zu erwandern. Mit der Lech-Card ist die Benützung des Wanderbusses, der vom Ortszentrum bis zum See fährt, gratis. Gemeinsam mit anderen Wanderern, viele ebenfalls mit Hund, warten wir auf die Abfahrt.

„Kira“ benimmt sich vorbildlich und liegt bei der ersten Busfahrt ihres Hundelebens brav zu meinen Füßen. Um sicherzugehen, die Hündin nicht zu überfordern, haben wir vor unserer Abreise einen Gesundheitscheck beim Tierarzt absolviert. Wasser und Leckerlis sind im Rucksack, und „Kiras“ Brustgeschirr sitzt. Nachdem wir auch über Almen wandern, auf denen friedliche Kühe weiden, ist Leine Pflicht. Etwa fünf Stunden soll die Wanderung dauern, doch nachdem der Hund immer wieder Pausen braucht, werden wir wohl etwas länger unterwegs sein.

Von der Endstation des Busses sind es nur wenige Minuten bis zum Formarinsee, ein kleiner Umweg, der sich lohnt, denn der Blick ist traumhaft. Vor uns der grün schimmernde See, in dem sich das Bergpanorama spiegelt, links von uns die Freiburger Hütte, die in etwa einer Stunde Gehzeit zu erreichen ist. Wir aber wandern talauswärts, vorbei an der Alpe Formarin und dem Steinbock-Denkmal durch eine der letzten Wildflusslandschaften Europas. Unser Hund hat Spaß!

Die vielen neuen Gerüche wecken „Kiras“ Lebensfreude. Ein kurzes Bad im Fluss verschafft Abkühlung. Und wir genießen die ursprüngliche Natur und das Panorama, das sich uns eröffnet. Nicht immer ist der Weg ganz leicht. Dort, wo die unbändige Kraft des Wassers nach der Schneeschmelze Teile des Wanderpfades weggespült hat, müssen wir uns ein wenig über Stock und Stein kämpfen. Dann wieder führt der Lechweg über hölzerne Stege und Brücken, bis wir endlich das Gasthaus Älpele erreichen. Es könnte idyllischer nicht sein! Nach einer kurzen Rast geht es vorbei am Fischteich, zurück zu unserem Ausgangspunkt, den wir erschöpft, aber glücklich erreichen.

Nach dem Abendessen, genauer gesagt zum Sonnenuntergang, fahren wir hinauf nach Oberlech, wo der renommierte Künstler James Turrell mit dem „Skyspace Lech“ im Jahr 2014 ein speziell für diesen hochalpinen Standort konzipiertes begehbares Kunstwerk geschaffen hat. Das weitgehend unterirdisch angelegte Bauwerk fügt sich so perfekt in die Landschaft ein, dass wir es erst entdecken, als wir schon fast davorstehen. Über einen Tunnel erreichen wir den Hauptraum, der bei geöffneter Kuppel den freien Blick zum Himmel gewährt. Bei Einbruch der Dämmerung werden Wände und Decke in farblich wechselndes Licht getaucht und so der Himmel als Teil des Raumes empfunden.

Kulinarischer Spaziergang
Einheimischen wie der Kräuterpädagogin Veronika Walch oder Haubenkoch Thorsten Probost ist es ein Anliegen, Gästen unter dem Titel „LechErLeben“ die besondere Magie dieses Bergdorfes näherzubringen. Während Veronika bei ihren Wanderungen besonderes Augenmerk auf die Heilkraft unserer Natur legt, treffen wir Thorsten zu einem kulinarischen Spaziergang. Gemütlich geht es entlang des Lechs in Richtung des kleinen Ortes Zug. Unterwegs sammeln wir mit dem vielfach prämierten Koch allerlei heimische Kräuter und Pilze. Diese werden anschließend in einer urigen Hütte zu einer köstlichen Jause verkocht.

Thorstens Motto dabei lautet: „Was wir nicht haben, werden wir auch nicht zwingend brauchen.“ Das noch warme Brot kommt vom Bäcker aus dem Ort, die Butter vom Bauern gleich nebenan, und die Eier haben die Hühner gerade heute Morgen gelegt. Alle servierten Produkte sind frisch und regional. Die köstliche Eierspeis, zubereitet vom Haubenkoch, verfeinert mit den gesammelten Kräutern und Pilzen, schmeckt nach der Bewegung gleich noch mal so gut. Während wir uns das alles schmecken lassen, liegt „Kira“ zufrieden unter dem alten Holztisch in der Stube. Immer wieder bellt sie leise. Wahrscheinlich träumt sie von den grünen Almwiesen, vielen verlockenden Düften und einem großen Berg Leckerlis.

Eva Bukovec, Kronen Zeitung

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