07.10.2020 09:45 |

Für Corona-Impfstoff

Forschung aus Graz soll Leben von Haien retten

Die Substanz Squalen gilt als wichtiger Bestandteil von Impfstoff-Wirkverstärkern und könnte künftig auch bei den Vakzinen gegen SARS-CoV-2 eine wichtige Rolle spielen. Da seine Hauptquelle die Leber von Haien ist, dürfte das laut Tierschützern Hunderttausenden Haien das Leben kosten. Grazer Forscher haben einen Weg gefunden, die Substanz, die zu großen Teilen auch in die Kosmetikindustrie geht, biosynthetisch herzustellen. Das könnte etlichen Haien das Leben retten.

Das natürliche Öl Squalen wird in Pflanzen wie Zuckerrohr, Amaranth, Olivenbäumen und selbst im menschlichen Organismus produziert, die ertragreichste Quelle ist aber die Leber von Tiefseehaien, teilte das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) in Graz am Mittwoch mit. Vor dem Hintergrund der Entwicklung eines weltweit verfügbaren Impfstoffes gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 steige die Nachfrage nach Squalen rasant. Wirkverstärker wie etwa Squalen sorgen dafür, dass Impfstoffe ihre größtmögliche Wirkung entfalten, indem sie für eine bessere Wirkstoffaufnahme sorgen.

500.000 Haie bedroht
Das dürfte die Jagd auf Haie jedoch verstärken: Um eine Tonne Squalen zu gewinnen, müssten laut acib rund 3.000 Haie geschlachtet werden. Schon jetzt würden laut Schätzungen von Umweltbehörden bis zu drei Millionen Haie wegen des in der Pharma-, Kosmetik- und Nahrungsergänzungsmittelindustrie begehrten Öls getötet. Laut Tierschützern könnte es nun zusätzlichen 500.000 Haien an den Kragen gehen. Organisationen wie das amerikanische NGO Shark Allies haben bereits dazu aufgerufen, nach Alternativen zu suchen. Aus Pflanzen gewonnenes Squalen wäre eine Möglichkeit, die allerdings zu mehr als 30 Prozent teurer angeboten wird als tierisches Squalen, hieß es vonseiten des acib.

Als Zukunftshoffnung für die Squalenproduktion gelten daher Mikroorganismen. Den Forschern am acib ist es gelungen, die Substanz biosynthetisch in der Bäckerhefe zu produzieren. „Wir haben bewiesen, dass der Prozess im Labormaßstab funktioniert“, erklärt Harald Pichler vom acib. Nun will man die Stämme so optimieren, dass sie auch im großen Maßstab produziert und von der Industrie verwendet werden können.

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