06.10.2020 13:00 |

Von 16.000 Infizierten

Excel-Datei voll: Corona-Testdaten blieben liegen

Eine Panne mit Microsoft Excel hat in Großbritannien die Arbeit der Contact-Tracer massiv zurückgeworfen und die Nachmeldung von fast 16.000 positiv auf Covid-19 getesteten Briten nach sich gezogen. Die Testdaten blieben wegen eines Problems mit der Excel-Datei, in der die Testergebnisse vermerkt wurden, eine ganze Woche liegen.

Am Freitag hatte die Behörde für öffentliche Gesundheit (PHE) bekanntgegeben, dass wegen eines „technischen Problems“ 15.841 Covid-19-Diagnosen erst mit einer Woche Verspätung an die Contact-Tracer weitergegeben wurden, die Kontakte von Infizierten aufspüren sollen.

Maximale Dateigröße wurde erreicht
Um welche Art „technisches Problem“ es sich konkret handelte, berichtet unter anderem die BBC: Offenbar hatte das Gesundheitsministerium die Ergebnisse der Corona-Tests in einer Microsoft-Excel-Datei erfasst, deren maximale Dateigröße erreicht wurde. Deshalb seien bei den positiven Fällen nicht mehr alle Namen eingefügt worden. Die Datei habe man nun in mehrere aufgeteilt, um solchen Problemen künftig vorzubeugen.

Bei der Behörde betont man, dass die Diagnosen den positiv getesteten Personen zugestellt wurden. Allerdings wurden sie nicht an die Contact-Tracer weitergegeben, die nach Kontaktpersonen fahnden und diese vor der möglichen Infektion warnen sollen. Die für sie bestimmten Daten blieben tagelang - laut offiziellen Angaben sind Daten von 25. September bis 2. Oktober betroffen - liegen, was dem Virus naturgemäß einen Vorsprung gegenüber den Kontaktverfolgern verschafft haben dürfte.

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Wenn man etwas Ernsthaftes machen will, baut man etwas Maßgeschneidertes, das funktioniert. Es gibt Dutzende andere Dinge, die man tun könnte, aber man würde sicher kein XLS verwenden. Niemand würde das tun.

Jon Crowcroft, Informatikprofessor der Uni Cambridge

Dass das britische Gesundheitsministerium bei der Erfassung positiv getesteter Covid-19-Fälle überhaupt auf eine Microsoft-Excel-Datei setzt, statt die Daten in eine ihre Kapazitätsgrenzen nicht so schnell erreichende Datenbank-Software einzuspeisen, sorgt bei Beobachtern für Unverständnis. Jon Crowcroft, Informatikprofessor an der Uni Cambridge, zeigt sich im Gespräch mit der BBC erschüttert: „Excel ist für Menschen gedacht, die mit einem Haufen Daten für ihr kleines Unternehmen herumspielen. Wenn man etwas Ernsthaftes machen will, baut man etwas Maßgeschneidertes, das funktioniert. Es gibt Dutzende andere Dinge, die man tun könnte, aber man würde sicher kein XLS verwenden. Niemand würde das tun.“

Das dürfte man mittlerweile auch im Gesundheitsministerium so sehen. Aus dessen Umfeld ist zu hören, dass man nun nach einer Möglichkeit suche, die Daten ohne Einbeziehung von Microsoft Excel zu speichern.

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