01.10.2020 09:12 |

Schrotflinten an Bord

Briten entwickeln Drohne für Straßenkampf

Das britische Verteidigungsministerium arbeitet laut eigenen Angaben an einer mit zwei stabilisierten Schrotflinten bewaffneten Drohne, die künstliche Intelligenz zur Identifizierung ihrer Ziele einsetzt. Zum Einsatz kommen soll das Fluggerät vor allem in urbanen Konflikten, etwa in Gebäuden, die von bewaffneten Personen verbarrikadiert sind.

Die sogenannte i9-Drohne ist nach Angaben der britischen „Times“ die erste bewaffnete Drohne des britischen Militärs, die in Innenräumen fliegen kann. Sie wurde demnach als Reaktion auf die erheblichen Verluste entwickelt, die in Afghanistan beim Betreten verbarrikadierter Gebäude zu beklagen waren, und soll dazu beitragen, Angehörige der britischen Armee zu schützen, die in dicht besiedelten Städten kämpfen.

Der Nahkampf in Städten gehöre zu den „gefährlichsten und komplexesten Szenarien für Militärangehörige“, sagte das Verteidigungsministerium gegenüber der „Daily Mail“. „Wenn man sich durch städtische Umgebungen und insbesondere innerhalb von Gebäuden bewegt, ist das Personal regelmäßig erheblichen Gefahren und unerwarteter tödlicher Gewalt ausgesetzt.“

KI identifiziert Feinde
Ähnlich der Technologie, die in fahrerlosen Autos zur Wahrnehmung der Umgebung auf der Straße eingesetzt wird (Bild oben), soll i9 mittels maschinellen Sehens Feinde identifizieren können. Die KI soll der Drohne auch dabei helfen, auf der Stelle zu schweben, Ziele auszurichten und zu vermeiden, in Innenräumen mit Wänden zu kollidieren - was aufgrund der Art und Weise, wie Drohnen in kleinen Räumen Luft verdrängen, ein Risiko darstellt.

Wie das Verteidigungsministerium gegenüber der „Daily Mail“ betonte, soll der Mensch jedoch „zu jeder Zeit“ die Kontrolle über das System behalten. Ein Soldat überwacht demnach aus der Ferne auf einem Bildschirm die Live-Übertragung von der Kamera der Drohne, um zu entscheiden, ob das Feuer eröffnet werden soll.

Schrotflinten und mehr
Ein erster Prototyp der zusammen mit einem namentlich nicht genannten britischen Start-up entwickelten Drohne ist einen Meter lang, verfügt über sechs Rotoren und ist mit zwei stabilisierten Schrotflinten bestückt - ein ähnliches Konzept hatten Studenten des Moskauer Luftfahrtinstituts bereits im April des Vorjahres vorgestellt (siehe Video unten). Das britische Verteidigungsministerium teste die Drohne jedoch auch mit Raketen oder Maschinenkanonen, die eine kettenartige Munitionszuführung verwendeten, hieß es.

Unerbittlich innovativ“
Die bewaffnete Drohne sei Teil des Regierungsversprechens an das britische Militär, im neuen Jahrzehnt „unerbittlich innovativ“ zu werden, so die „Daily Mail“. „Statt um Masse und Mobilisierung geht es bei dieser künftigen Truppe um Schnelligkeit, Bereitschaft und Widerstandsfähigkeit. Sie wird viel mehr in den neuesten Bereichen operieren, im Weltraum, im Cyberspace und unter dem Meer, und sie wird daran arbeiten, Konflikte zu verhindern und zu gewinnen“, sagte erst kürzlich Verteidigungsminister Ben Wallace. „Das globale Bild hat sich verändert, unsere Feinde haben unsere Schwachstellen studiert und sich viel schneller angepasst als wir.“

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