28.08.2020 05:00 |

Moderne Medizin

Leukämie immer besser im Griff

Die onkologische Forschung hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt, etwa bei Blutkrebs. Hier können Patienten auf neue, erfolgversprechende Behandlungen zurück greifen.

Wer heute an Krebs erkrankt, hat deutlich bessere Karten als noch vor wenigen Jahren. Oft sind die Heilungschancen enorm gestiegen. Auch Diagnosen stellen Ärzte früher und schneller, sodass immer mehr Leiden chronisch und damit gut therapierbar werden. Eines jener onkologischen Fachgebiete, in denen man besonders markante Fortschritte erzielte, stellt die Hämatoonkologie (Blutkrebs) dar, vor allem bei Leukämien und Lymphomen (Tumoren des Lymphgewebes). „Bei manchen Leukämieformen haben sich unsere Behandlungsmöglichkeiten wirklich um ein Vielfaches verbessert“, unterstreicht auch Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Geissler, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung mit Onkologie, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel in Wien.

Akute myeloische Leukämie (AML)
Lange Zeit standen hier lediglich zytostatische Möglichkeiten (Chemotherapien) zur Verfügung. Mittlerweile wurde das Behandlungsspektrum durch Medikamente erweitert, mit denen bestimmte Strukturen von Leukämiezellen zielgerichtet beeinflusst werden können, um den Krebs zu besiegen. So kommt es etwa bei 20 Prozent der Kranken zu einer molekularen Veränderung in einem Protein (FLT3), welches für das Zellwachstum verantwortlich zeichnet. Neue Arzneien vermögen dieses zu hemmen und verbessern auf diese Weise, in Kombination mit Chemotherapie, das Überleben deutlich. „Durch die Hemmung eines bestimmten Enzyms können bei anderen Patienten die Leukämiezellen dazu befähigt werden, wieder auszureifen und ein normales Blutbild zu formen. Weiters stehen heute Substanzen zur Verfügung, welche die Erkrankung bei all jenen verlangsamen, die für keine zielgerichtete Therapie oder intensive Chemotherapie infrage kommen (epigenetische Medikamente)“, erklärt der Experte.

Chronisch-lymphatische Leukämie (CLL)
Hier wird in nächster Zukunft auf eine intravenöse Chemobehandlung vermutlich völlig verzichtet werden können! „Das ermöglichen etwa Medikamente, die den Signalweg des Wachstumsbefehls für Leukämiezellen unterbinden. Weiters gibt es Arzneien, welche die Zellen dazu bringen, frühzeitig abzusterben (Apoptoseinduktoren)“, erläutert Prim. Geissler.

Lymphome
Bei den aggressiven Arten steht mit den sogenannten CAR-T-Zellen ein neues Behandlungskonzept zur Verfügung. Dabei werden körpereigene Abwehrzellen durch eine Art Blutwäsche entnommen, anschließend im Labor durch moderne gentechnologische Methoden verändert, um dann wieder in den Organismus geleitet zu werden. So können die Abwehrzellen nicht nur aggressiver gegen den Tumor vorgehen, sondern es wird ihnen auch eine Erkennungsstruktur eingebaut, um direkt an Lymphomzellen anzudocken. Auf diese Weise gelingt es mitunter, das Lymphom komplett zu beseitigen - auch bei jenen, die auf keine Therapie angesprochen haben.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 21. September 2020
Wetter Symbol
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.