19.08.2020 11:27 |

Aus einem Guss

Tesla startet Revolutionierung des Karosseriebaus

Tesla-Boss Elon Musk verfolgt die nächste bahnbrechende Idee - und nach Ansicht von „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer könnte sie die Autoindustrie revolutionieren: Der Elektroautopionier will komplette Autokarosserien in einem Stück in einer riesigen Druckgießmaschine produzieren, statt sie aus vielen Teilen zusammenzusetzen.

Das Unternehmen stellt eine solche Maschine für den Tesla Model Y her, berichtet der US-Tesla-Blog „Tesmanian“. In einem ersten Schritt soll die Karosserie allerdings noch aus vier Teilen zusammengesetzt werden. Die Karosserie des bisher konventionell gebauten Model Y besteht aus 70 Teilen.

Das neue Verfahren hat dem Bericht zufolge mehrere Vorteile: Zum einen sind die Karosserien besonders leicht, weil aus einem Guss und aus Aluminium statt Stahl gefertigt. Das kommt der Reichweite der batteriegetriebenen Fahrzeuge ebenso zugute wie Komfort und Fahrverhalten. Zum anderen sind sie auch sicherer, weil das Auto bei einem Unfall die eingedrungene Energie besser ableiten könne.

Zudem gewinnt der Hersteller bei der Produktion Zeit, weil die Produktionsgeschwindigkeit steigt. Und Geld, denn günstiger wird die Herstellung auch. „Der Karosserie-Rohbau ist sehr investitionsintensiv. Tesla braucht weniger Pressen und Schweißroboter und kann damit gut 20 bis 30 Prozent Kosteneinsparungen im Rohbau realisieren“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zu Business Insider. „Damit hat Tesla wieder einmal einen deutlichen Zeitvorteil gegenüber anderen Autobauern.“

Das Patent für die Maschine hat Tesla bereits vor gut einem Jahr angemeldet. Jedoch sei es nur eine Frage der Zeit, bis andere Autohersteller nachziehen, wird Dudenhöffer vom Business Insider zitiert, „weil man solch eine Innovation nicht allzu lange schützen kann“. Er sieht die Entwicklung aber auch kritisch: Ziehen nämlich tatsächlich alle Autoproduzenten nach, werde sich die Mitarbeiterzahl in der Maschinenbaubranche langfristig halbieren.

Doch die Bedeutung der Neuentwicklung schätzt der Experte sehr hoch ein: "Tesla hat eine gewaltige Revolution angestoßen. Ich würde ihre Tragweite mit der Just-In-Time-Produktion vergleichen, die Toyota in den 1970er-Jahren etabliert hat.

Kritik an Gusskarosserien
Andere Experten zeigen sich weniger begeistert von dem neuen Herstellungsverfahren. Jörg Wellnitz, Inhaber des Lehrstuhls für Leichtbau an der Technischen Hochschule Ingolstadt, sagte dem Fachmagazin Automobil-Industrie: „Aluminium wird im Sommer deutlich wärmer als Stahl und dehnt sich entsprechend aus - die darüber befindlichen Bleche müssen extrem genau darauf abgestimmt sein. Außerdem ist eine Reparatur unmöglich, beschädigte Karosserieteile, etwa nach einem Unfall, müssen großflächig herausgesägt werden.“ Und ganz grundsätzlich sei Aluminium „ein superteurer Werkstoff - von der Ökobilanz ganz zu schweigen“.

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