22.08.2020 08:30 |

Salzburg entdecken

Pracht und Macht im „Rom des Nordens“

Kirchenstaat - da kommt einem eher der Vatikan als Salzburg in den Sinn. Dennoch waren es über Jahrhunderte die Bischöfe, die in Salzburg auch als Fürsten herrschten. Mächtig und reich, schufen sie das prächtige „Rom des Nordens“ an der Salzach.

Es ist lange her. Maximilian Schell, jung und schön, gab den „Jedermann“. Bei einer mittäglichen Probe auf dem Domplatz begannen plötzlich rundum die Glocken zu läuten. Schell gab auf: „Wie soll man bei dem Lärm spielen!“, wetterte er theatralisch von der Bühne herunter. Lärm? Die Glocken von Salzburg sind schon etwas ganz Besonderes. Wenn sie über dem „kleinen Rom“ ihre Stimme erschallen lassen, erfüllt ihr Geläute die Altstadt und schwingt sich hinauf über die Kuppeln und Dächer bis zu der Festung und den Stadtbergen.

Kirchenfürsten haben Salzburg gebaut und geprägt, nicht nur die Gotteshäuser lagen ihnen besonders am Herzen. Als weltliche Herrscher schufen sie auch Schlösser und Residenzen, die denen anderer Fürsten in nichts nachstanden. „Die Fürsterzbischöfe waren Machtmenschen, die offiziell keine Familien hatten, aber etwas hinterlassen wollten“, erklärt Inez Reichl, Sprecherin der Fremdenführer-Gilde. „Also bauten sie für die Ewigkeit.“ „Salzburg ist ein außerordentlich wichtiges Beispiel für einen europäischen kirchlichen Stadtstaat“, befand denn auch die UNESCO 1996 und nahm die Altstadt mit Mönchsberg, Festung und Kapuzinerberg ins Welterbe auf. Auch Salzburgs dank Wolfgang Amadeus Mozart enge Verbindung zu Musik und Kunst wurde gewürdigt.

Erster Bischof war am Ende des 7. Jahrhunderts der bald als Heiliger verehrte Rupert. Er ließ an der Stelle des heutigen Doms die erste Kirche erbauen. Auch das Benediktinerkloster St. Peter – Mühle und Bäckerei sind heute noch in Betrieb – und das älteste, ununterbrochen bestehende Frauenkloster, Nonnberg, gehen auf den Heiligen zurück.

Dutzende Fürstbischöfe folgten, das Herrschaftsgebiet wurde immer mehr ausgeweitet und reichte weit über Salzburg hinaus bis Tirol, Kärnten, in die Steiermark, ins heutige Slowenien und an den Chiemsee. Die besondere Stellung der Erzbischöfe verdeutlicht das „Salzburger Privileg“: Sie konnten Bischöfe ohne die Zustimmung des Papstes ernennen. „Ein halber Papst“, spöttelte ein Heiliger Vater über seinen Kollegen aus Salzburg.

Das Salz machte die Salzburger reich
Um die Salzburger Festung wird ihn der Römer vielleicht beneidet haben. Sie thront uneinnehmbar über der Stadt und verhinderte Eroberungsgelüste anderer Fürsten schon durch ihren trutzigen Anblick. Salzburg blieb denn auch vom 30-jährigen Krieg verschont, wobei eine Art Bestechungsgeld an den schwedischen König nachgeholfen haben mag.

Ihren Reichtum verdankten die Salzburger dem Salz: Die Solequellen von Reichenhall waren schon unter Rupert an das Erzbistum gefallen. Hunderte Jahre später sollte der „Salzkrieg“ mit den Bayern den mächtigsten Fürsterzbischof, Wolf Dietrich, das Amt und die Freiheit kosten.

Er war eine schillernde Gestalt, dieser Wolf Dietrich, dem Salzburg zum Großteil sein heutiges barockes Aussehen verdankt. 1587 zum Erzbischof gekürt, begann er bald darauf mit dem Bau der Neuen Residenz. Den Großbrand des Doms 1598 nutzte er zur Umgestaltung der Altstadt, die Ruine wurde gemeinsam mit 55 Bürgerhäusern abgerissen und so Raum für den neuen Dombau, den Residenz- und den Mozartplatz geschaffen.

Auch das Schloss Mirabell geht auf den Erzbischof zurück: Wolf Dietrich ließ es für seine Lebensgefährtin Salome Alt bauen, mit der er 15 Kinder hatte. Für die damalige Zeit nichts Besonderes bei einem geistlichen Herren. „Wolf Dietrich hatte einige Zeit in Italien gelebt. Er wusste, wie es in Rom unter den Borgia-Päpsten zuging, und hat sich gleiche Rechte herausgenommen“, so Reichl.

Happy End gab es für den Fürsterzbischof keines. Ausgerechnet sein Cousin Markus Sittikus nutzte den „Salzkrieg“, um seinen Verwandten auf der Festung Hohensalzburg einzusperren. Dort ließ er Wolf Dietrich in strenger Einzelhaft schmoren, während er selbst sich mit seiner Gefolgschaft in Schloss Hellbrunn „den Trübsinn“ vertrieb. Die Wasserspiele im Schlosspark ergötzen heute noch die Besucher.

Markus Sittikus und seine Nachfolger bauten eifrig weiter. Neben diversen Kirchen wurde die Universität errichtet, zu der – wie könnte es anders sein – ebenfalls ein Gotteshaus gehört. „Die Kollegienkirche ist meine Lieblingskirche“, verrät Reichl. „Am Grünmarkt war nicht viel Platz, aber Johann Fischer von Erlach hat als Baumeister mit Licht und Form eine besondere Atmosphäre geschaffen.“ Vor allem die Form fällt auf: „Sie hat von außen so einen runden Bauch. Deswegen haben ihr die Salzburger den Spitznamen ,die schwangere Kirche‘ gegeben.“ Passt irgendwie zum fruchtbaren Treiben der Fürsterzbischöfe.

Doch Mittelpunkt der Stadt ist der Dom, nicht nur in der Festspielzeit. „Er ist das Herz der Stadt, eigentlich viel zu riesig für das doch gar nicht so große Salzburg.“ Das dunkle Kirchenschiff, an dessen Ende der Altar im Licht erstrahlt, symbolisiere die Hoffnung, dass das Leben im Himmel besser werden kann, meint Reichl: „Nicht nur Touristen, auch die Salzburger gehen immer wieder einmal in den Dom und zünden ein Kerzerl an.“ Auch der berühmteste Sohn Salzburgs, Wolfgang Amadé (so hat er sich selbst genannt, erst später wurde Amadeus Mode) Mozart, wurde im Dom getauft und hat dort gespielt. Geboren wurde der begnadete Musikus nicht weit entfernt in der Getreidegasse.

Nach so viel Kultur ist Erholung angesagt. Nach einem Spaziergang über den Mönchsberg – mit dem unbestreitbar schönsten Blick auf die Kuppel und Türme der Stadt – wartet das Augustiner Bräu mit dem Müllner Bräustüberl und dem wunderbaren alten Gastgarten.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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