Drittes Geschlecht

Steyr stellt erste Geburtsurkunde mit „inter“ aus

Das Standesamt Steyr hat erstmals eine Geburtsurkunde mit dem Geschlechts-Eintrag „inter“ ausgestellt. Bisher hatte das Innenministerium die Eintragung dieser Geschlechtsbezeichnung trotz höchstgerichtlicher Vorgaben verweigert. Nach einer Amtsmissbrauchs-Anzeige gegen Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) erfolgte die Eintragung nun doch, wie das Rechtskomitee Lambda am Donnerstag mitteilte.

Ausgestellt wurde die Geburtsurkunde nach Angaben des Rechtskomitee Lambda, das sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und Transgender-Personen einsetzt, für Alex Jürgen. Jürgen wurde intergeschlechtlich geboren und bestand auf dem Geschlechts-Eintrag „inter“.

Eintragung wegen Software bislang verwehrt
Eigentlich hätte die Eintragung der Geschlechtsbezeichnung bereits 2018 erfolgen müssen. Damals bestätigte der Verfassungsgerichtshof das Recht auf Eintragung jenes Geschlechts, das der persönlichen Identität entspricht - also nicht nur männlich oder weiblich, sondern etwa auf „divers“, „inter“ oder „offen“. Tatsächlich ausgestellt wurden aber nur Dokumente mit dem Eintrag „X“ oder „divers“. Den von Jürgen gewünschten Eintrag verweigerte das Innenministerium unter Verweis darauf, dass das in der Software des Ministeriums nicht vorgesehen sei.

Der Rechtsanwalt Helmut Graupner, Vorsitzender des Rechtskomitee Lambda, kündigte daher Mitte Juni Anzeigen wegen Amtsmissbrauchs gegen Innenminister Nehammer (ÖVP) und seinen Vorgänger Herbert Kickl (FPÖ) an. Keine drei Wochen später habe ihm das Standesamt Steyr mitgeteilt, dass die Software geändert wurde und der Eintrag nun erfolgen könne, sagte Graupner am Donnerstag gegenüber der APA: „Es ist traurig, dass man in einem Rechtsstaat wie Österreich die Strafjustiz befassen muss, bevor man Justizurteile umsetzt und respektiert.“

Arbeitsgruppe erstellt neuen Erlass
Das Innenministerium gab am Donnerstag eine Stellungnahme ab, wonach es sich bei dem Eintrag um die Umsetzung in einem Einzelfall handelt. Eine generelle Handlungsanleitung werde die Arbeitsgruppe zu Personenstandsfragen zeitnah erstellen. Das Innen- und das Sozialministerium arbeiten einem Sprecher des Innenministeriums derzeit an einem neuen Erlass zum Umgang der Behörden mit dem Geschlechtseintrag in offiziellen Dokumenten.

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