14.05.2019 14:23 |

„X“ und „divers“

Erste Urkunden mit drittem Geschlecht ausgestellt

Vor drei Jahren hat Alex Jürgen einen dritten Geschlechtseintrag beantragt. Am Dienstag war es so weit: Er erhielt einen Reisepass mit dem Eintrag „X“ und eine Geburtsurkunde mit dem Eintrag „divers“ (statt „männlich“ oder „weiblich“). Es sind dies die allerersten Urkunden, die in Österreich mit dem dritten Geschlecht ausgestellt wurden. Der Fall von Alex Jürgen war Anlass für ein Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes im Vorjahr, wonach Menschen, deren Geschlecht nicht männlich oder weiblich ist, ein Recht auf entsprechende Urkunden haben.

„Wir freuen uns sehr und feiern die historische Ausstellung der ersten Urkunden mit drittem Geschlecht“, sagte Helmut Graupner, Rechtsanwalt von Alex Jürgen und Präsident des Rechtskomitees LAMBDA (ein 1991 gegründeter Verein, der sich für die Gleichberechtigung von homosexuellen und transidenten Menschen einsetzt). Allerdings sei zu bedauern, dass Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) die Standesämter „zum Rechtsbruch anweist“.

Denn der Minister habe im Dezember 2018 per Erlass angeordnet, dass für die dritte Option nur „divers“ zu verwenden ist, dass das Geschlecht Neugeborener nur als „männlich“, „weiblich“ oder „offen“ eingetragen werden dürfe und der dritte Geschlechtseintrag nur dann zustehe, wenn sogenannte VdG-Boards (eine medizinische Instanz zu Varianten der Geschlechtsentwicklung, installiert vom Gesundheitsministerium; Anm.) die Intersexualität bestätigen. Diese VdG-Boards gebe es aber bis heute nicht, kritisiert der Anwalt.

Menschen, die „inter“ (und nicht „divers“) in der Geburtsurkunde stehen haben wollen, müssten dies weiterhin im Gerichtsweg durchsetzen. Alex Jürgen habe dies getan und Recht bekommen. Denn Kickls Erlass binde nur die Standesämter, nicht aber die Gerichte, stellte Graupner in einer Aussendung fest.

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