12.07.2020 20:00 |

„Absoluter Kraftakt“

Camerata spielt fünf Konzerte an drei Tagen

119 Tage Corona-Stille. Dann folgte ein musikalischer Gewaltmarsch: Die Camerata Salzburg spielte innerhalb zweier Tage drei Saisonkonzerte mit Giovanni Guzzo und Matthias Bäcker in der Stiftung Mozarteum. Heute folgen die Auftritte vier und fünf. „Irgendwann wird man müde“, so Violinistin Silvia Schweinberger.

1240 Karten waren für ursprünglich zwei Konzert-Termine im Juni verkauft: Die Camerata verschob sie wegen Corona. Um alle Gäste unter den neuen Bedingungen (Besucherlimit 250) unterzubringen, spielen die Musiker nun fünfmal innerhalb dreier Tage. Drei Auftritte haben sie schon absolviert. Heute folgen Auftritte Nummer vier und fünf um 11 Uhr und 14.30 Uhr.

„Das ist ein absoluter Kraftakt! Zweimal täglich innerhalb von vier Stunden diese Topleistung zu erbringen, ist schon anstrengend“, sagt Camerata-Geschäftsführer Shane Woodborne. Es sei aber eine Notwendigkeit. Die Musiker wollten die Durststrecke nicht länger hinnehmen – zur großen Freude des Abo-Publikums. Das sitzt auf registrierten Sitzplätzen und in der kürzesten Distanz mit einem Abstand von rund zwei Metern zum Orchester. Auf Seiten der Künstler sei man fast euphorisch. Shane Woodborne: „Mir haben Klang und Emotionen gefehlt. Das kann man nicht durch eine CD oder ein Streamingkonzert ersetzen.“

Das Orchester kann nun wieder in einen unmittelbaren Dialog mit dem Publikum treten. Eine Schattenseite gibt es aber auch. Bei der Masse an Konzerten geht den Musikern irgendwann die Luft aus.

Doppelt gespielt heißt nicht besser bezahlt
Die Violinistin Silvia Schweinberger bestätigt: „Irgendwann wird man unkonzentriert. Bläser leiden da noch mehr. Die Lippen werden einfach müde.“ Eine Generalprobe mittags, zwei Konzerte abends. Eine ganz neue Erfahrung für alle, die sich (zumindest finanziell) nicht unbedingt lohnt.

„Doppelt spielen heißt nicht, doppelt bezahlt zu werden“, erklärt Schweinberger. Einbußen habe man in Kauf zu nehmen, denn es bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Veranstaltern. Die stille Übereinkunft in Coronazeiten: besser schlechter bezahlt, als gar keine Konzerte zu spielen. Im Herbst gibt es Verhandlungen, wie es mit dieser Übergangslösung weitergeht. Neue Denkansätze sind gefragt.

Nina Kaltenböck
Nina Kaltenböck
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