11.06.2020 15:25 |

Nicht so schlimm?

Rassistischer VW-Spot ohne personelle Konsequenzen

Nach dem rassistischen Werbespot, der für scharfe Kritik in den Medien und international für Negativschlagzeilen gesorgt hat, soll es keine personellen Konsequenzen geben. Man wolle lediglich „interne Abläufe überarbeiten“ und „Mitarbeiter stärker sensibilisieren“, hieß es.

Das passt zur ersten Reaktion auf den Shitstorm, den der Spot ausgelöst hatte: „Wie ihr euch vorstellen könnt, sind wir überrascht und schockiert, dass unsere Instagram-Story derart missverstanden werden kann“, schrieb VW zunächst auf Instagram. Nur: Da gibt es nichts zu missverstehen.

Die zweite Reaktion war dann eher das, was man hören wollte: „Ganz ohne Frage: Das Video ist falsch und geschmacklos.“ Dass der Clip bei vielen Beobachtern zu Empörung und Wut führe, könne man verstehen. „Wir distanzieren uns davon und entschuldigen uns dafür. Wir werden aufklären, wie das passieren konnte - und Konsequenzen daraus ziehen“, hieß es offiziell aus Wolfsburg.

Und nun das Ergebnis der internen Untersuchung:
Die Untersuchung durch die interne Revision habe ergeben, dass rassistische Motive bei der Erstellung des Werbefilms keine Rolle gespielt hätten, sagte Rechtschefin Hiltrud Werner am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Mangelnde Sensibilität und Unzulänglichkeiten in den Abläufen hätten jedoch dazu geführt, dass der Clip veröffentlicht werden konnte. Personelle Konsequenzen würde VW nur dann ziehen, wenn vorsätzlich und wissentlich gegen Verhaltensregeln verstoßen wurde.

Was folgte, waren erneut Aussagen der Kategorie „sozial erwünscht“: „Auch im Namen des Vorstands möchte ich in aller Form dafür um Entschuldigung bitten, dass wir durch mangelnde interkulturelle Sensibilität Menschen verletzt haben“, erklärte Werner. „Hier wurde gegen Werte verstoßen, für die Volkswagen steht.“ Als Konsequenz will Volkswagen unter anderem ein unabhängiges „Ethik Board“ aus Experten einrichten, das die Werbebotschaften auf sensible Themen durchleuchten soll. Bravo. In dem Fall hätte vielleicht gesunder Menschenverstand gereicht.

Warum der Spot rassistisch ist
In dem Clip wird ein Mann mit dunkler Hautfarbe vor einem VW Golf gezeigt, wie er von einer überdimensionierten weißen Hand unsanft durch die Gegend geschubst wird. Die Hand schnippst ihn schließlich in ein Gebäude, über dessen Eingang der Schriftzug „Petit Colon“ steht. Außerdem formt die Hand unmissverständlich die rassistische White-Power-Geste und kurzzeitig werden die Buchstaben N, E, G, E und R so gezeigt, dass sie einen unangebrachten Ausdruck nahelegen.

„Widerlich und durch nichts zu entschuldigen“
Der Werbefilm sorgte auch in der VW-Belegschaft für Unruhe. Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte, er schäme sich für den Instagram-Spot. „Der Clip ist widerlich und durch nichts zu entschuldigen“, schrieb er auf Linkedin. Die Vertrauensleute in den VW-Werken bezogen sich auch auf dieses Video, als sie dem Management vergangene Woche ein „Marketing- und Kommunikationsdesaster“ vorwarfen. Die Kritik hatte mit dazu geführt, dass sich Konzernchef Herbert Diess vor dem Aufsichtsrat rechtfertigen musste.

Am Montag musste er die Führung der Hauptmarke VW an Ralf Brandstätter abgeben, der bereits das Tagesgeschäft leitete. Diess bleibt Konzernchef und soll die Markengruppe weiter leiten, in der die Volumenmarken VW, Skoda und Seat zusammengefasst sind. Auf Linkedin versprach er, sich künftig stärker mit dem Betriebsrat abzustimmen, um Ängste in der Belegschaft abzubauen.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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